RE:Laches 1
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Sohn des Melanopos | |||
| Band XII,1 (1924) S. 336–338 | |||
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Lâches. 1) Sohn des Melanopos (Thuk. III 86, 1) aus dem Demos Aixone, Aristoph. Vesp. 895. 20 Plat. Lach. 197 c (das Demotikon ist mit B u -soit Herm. XXV 574. 580. 644 wahrscheinlich auch in IG I Suppl. S. 3k 160 nr. 179 B, Z. 7 zu ergänzen). Er war nach Hat. a. a. O. 186 c älter als Sokrates, also vor 469 (oder besser 471, vgl. Gomperz Griech. Denker I 471. II 537) geboren. Er war reich (Plat. a. a. O.) und muß im Rufe großer Tapferkeit gestanden haben, da Platon den Dialog, in welchem er von ihr handelte, nach ihm benannte; musische Bildung 30 supwλsupθr ihm dagegen fremd (Aristoph. Vesp. 959).
Im öSentlichen Leben Athens tritt er verhältnismäßig spät hervor; vielleicht hängt dies damit zusammen, daß er, wenigstens im peloponnesischen Kriege, der Friedenspartei angehörte, deren Haupt Nikias war, zu dem er freundschaftliche Beziehungen hatte (was sich aus Platons Dialog ergibt). Abgesehen von seinem späteren Wirken geht dies aus den freundlichen Worten hervor, die ihm Aristoph. Vesp. 952ff. widmet, vgl. dazu 40 G i 1 b e r t Beitr. z. inneren Gesch. Athens im
Zeitalter d. peloponnes. Krieges 145f. Beloch Att. Politik 31. Ed. Meyer Gesch. d. Alt. IV 330. Busolt Griech. Gesch. III 2, 1018, 9. Als Anhänger dieser Partei, die bei den Wahlen im Frühjahr 427 einen entschiedenen Sieg davontrug, wurde L. für 427/6 Mitglied des Strategen-kollegiums; dazu Gilbert a. O. Beloch a. O. und Griech.Gesch. II³ 2, 263. B u s ὁ 11 III 2, 10183. Krause Att. Strategenlisten bis 146 50 V, Chr. (Dissert. Jena 1914) 9. Um Mitte September dieses Jahres wurden auf Bitte der Leontiner er und Charoiades mit 20 Schiffen nach Sizilien geschickt, Thuk. III 86, 1ff. Philoch. frg. 104. Diod. XII 54, 43. (über Diodors und Iustins IV 3, 4ff. Bericht vgl. Holm Gesch. Siziliens II 365. Ed. Meyer IV 359. Busolt Griech. Gesch. ΠΤ 2. 706. 754 m. A. 4. 1057, 1; die bei ihrer Abfahrt erfolgte Zahlung von Geldmitteln ist in IG I Suppl. 60 179B, Z. 5 einzusetzen, vgl. Busolt Herm.
XXV 572, weitere Zahlungen, ebd. Z. 63. 93. zu ergänzen, folgten wahrscheinlich in der vierten und sechsten Prytanie, Busolt 5743.). Für ein wirksames Eingreifen der Athener in Sizilien war die abgesandte Flotte viel zu schwach; trotzdem gelang es L. bemerkenswerte Erfolge zu erzielen (daß das gewöhnlich, so von Holm II 43. Freeman Hist. of Sicily III 30ff. [337] 337
Lâches
B u soit Griech. Gesch. III 2, 1056ff. über L.s Kriegführung gefällte ungünstige Urteil nicht zutrifft, bemerkt Ed. Meyer IV 360 mit Recht). Als Stützpunkt wurde Rhegion gewählt (Thuk. a. a. O.); auf Seiten der Athener standen die chaikidischen Städte und Kamerina (auch Thuk. VI 75, 3), der Hauptzweck der Unternehmung war neben der Unterstützung der Chalkidier im Kampfe mit Syrakus die Versorgung der Peloponnes mit sizilischem Getreide zu unterbinden. Charoiades kam im Kampfe mit Syrakus bald um (wahrscheinlich im Winter 427/6, B u s ὁ 11 Herm. XXV 574), so daß L. der alleinige Befehl zufiel. Ein Angriff auf die liparischen Inseln blieb ohne Erfolg (Thuk. III 88); dagegen gelang es L. im Sommer 426, den festen Platz Mylai im Gebiet von Messana zu erobern und dann diese Stadt selbst zum Übertritt zu bringen (Thuk. III 90, 2ff.). Ob er für 426/5 zum Strategen wiedergewählt ward (so v. W i 1 a m o w i t z Aristot. u. Athen II 245. B u s ὁ 11 Griech. Gesch. III 2, 1058) oder nicht (dafür Beloch Att. Pol. 273. Ed. Meyer IV 360), ist nicht sicher zu entscheiden, wahrscheinlicher ist letzteres. Er blieb bis Ende des Winters 426/5 in Sizilien; er brachte einen Teil der Si-keler zum Abfall von Syrakus und erneuerte das alte Bündnis Athens mit Segesta (Thuk. VI 6, 2, dazu Freeman II 33. 643ff.), ein Angriff, der sich gegen Inessa richtete, scheiterte indessen mit starken Verlusten (Thuk. III 103); doch schlug er die Lokrer bei einem Einfall in ihr Gebiet (Thuk. III 99). In den Winter 426/5 fallen noch Unternehmungen in das Gebiet von Himera und gegen die liparischen Inseln; als L. von ihnen nach Rhegion zurückkam, fand er Pvthodoros vor, der ihn im Kommando ablöste (Thuk. III 115, 1–3).
Die Athener, unter denen die Kriegspartei wieder Oberhand gewonnen hatte, waren offenbar mit L.s Ergebnissen nicht zufrieden; diese Stimmung benützte Kleon, um nach dessen Rückkehr Anklage gegen ihn zu erheben, vgl. Ari-stoph. Vesp. 240ff. m. Schol. 836ff. 891ff., der das Vorgehen gegen L. in dem Prozeß gegen den Hund Labes parodiert hat. Über diesen Prozeß (s. auch Philoch. frg. 104) s. Droysen Ari-stoph. F 249ff. Gilbert 199ff. Beloch 36. 337ff. v. Wilamowitz II 244ff. B u s ὁ 11 Griech. Gesch. III 2, 1083. Lipsius Att. Recht II 1, 297ff. Wie Beloch zeigte, muß er sich unmittelbar an L.s Heimkehr angeschlossen haben. Meines Erachtens handelte es sich um eine γραφὴ κλοπῆς (δημοσίων χρημάτων) in dem Rechenschaftsverfahren, dem sich L. zu unterziehen hatte (Herm. XXVIII 532). Daß L. freigesprochen wurde, geht aus Aristoph. 992ff. hervor.
Die Folge dieser Staatsaktion war aber doch, daß L. in den nächsten Jahren mit keinem öffentlichen Amte bekleidet wurde; an der Schlacht von Delion 424 nahm er als einfacher Hoplit teil, Plat. Lach. 181b; sympos. 221a. Cic. d. div. I 54, 123, dazu Busolt III 2, 1049ff., 3. Erst der in Athen nach Amphipolis’ Verlust eingetretene Umschwung brachte ihn wieder in die Höhe; auf seinen Antrag wurde im Frühjahr 423 ein einjähriger Waffenstill- [338] Lâches
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stand mit Sparta abgeschlossen (Thuk. IV 118, bes. 11). Ob er für 423/2 zum Strategen gewählt wurde, wie O. Keck Quaest. Aristophan. hist. (1876) 80 und Beloch Att. Pol. 306 (in Gr. Gesch. II² 2, 265 fallen gelassen) annahmen, ist mehr als zweifelhaft Seine auf Herstellung des Friedens abzielende Tätigkeit setzte L. mit Erfolg fort, als mit Kleons und Brasidas’ Tod sowohl in Athen als in Sparta eine versöhnliche 10 Stimmung Platz griff. Schon bei den Verhandlungen über den fünfzigjährigen Frieden war er in hervorragendem Maße beteiligt (Thuk. V 43, 2); im April 421 gehörte er zu den Bevollmächtigten, die den Vertrag in Sparta abschlossen und beschworen (Thuk. V 19). Nach Vollziehung dieses Aktes blieb er mit seinen Kollegen noch einige Zeit in Sparta (Grote Hist. of Greece VI² 275. Busolt III 2, 1202, 2); so kam es, daß er im Verein mit den übrigen Bevollmäch-20 tigten auch das im Mai perfekt gewordene Bünd
nis mit Sparta zustande brachte und beschwor (Thuk. V 22, 3. 24. Müller-Strübings Einwände dagegen, Jahrb. f. Philol. 1883, 709, 8, sind ganz haltlos). Es scheint, daß er auch mit dem Antragsteller des Bündnisses zu identifizieren ist (trotz Kirchner Pros. att. II nr. 9010), das die Athener mit Halai (im opunt. Lokris) abschlossen, IG I Suppl. S. 120ff. nr. 71. Es wird wohl bald nachher gehören, da es freund-30 liehe Beziehungen Athens zu Sparta voraussetzt
(Z. 7), und richtete sich jedesfalls gegen Boio-tien, mit dem Athen noch im Kriegszustand war (darauf zu beziehen Z. 8. 15ff.). Für die Identifikation mit unserem L. fällt ins Gewicht, daß es zu damaliger Zeit schwerlich einen anderen Politiker gleichen Namens in Athen gab. Für 418/7 wurde L. zum Strategen gewählt (dazu Beloch 308. Busolt III 2, 1236ff.). Und da traf ihn das Schicksal, daß er im Verein mit 40 Nikostratos, gewiß gegen seine Neigung, mit
einem Korps von 1000 Hopliten und 300 Reitern den peloponnesischen Sonderbündlern zu Hilfe geschickt ward (Thuk. V 61, 1); auf das Vorgehen der attischen Truppe übte Alkibiades, der ihr als Gesandter beigeordnet war, entscheidenden Einfluß aus (Thuk. V 61, 2ff. Beloch Gr. Gesch. IP 1, 349). In der Schlacht bei Man-tineia (August 418), in der die Spartaner siegten, fielen er und Nikostratos (Thuk. V 74, 3. 50 Androtion frg 47). – Kinder des- L. werden
erwähnt bei Plat. Lach. 200c und wohl auch bei Aristoph. Vesp. 9765. Einen fast ganz übereinstimmenden Stammbaum seiner Nachkommenschaft haben Lolling Ath. Mitt. IV 198 und Kirchner Pros. att. II S. 7 entworfen. Noch Kirchner II nr. 9019.