RE:Lakedaimon 2
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Eponymos von Lakedaimon/Sparta, Sohn des Zeus | |||
| Band XII,1 (1924) S. 519–522 | |||
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2) [...] [520] [521] [522]
2) Lakedaimon jiawöa/uwv), der Eponymos des Landes L., Stoll in Roschers Myth. Lex. II 1811.
1. Genealogie. Der Stammbaum läßt sich [520] Lakedaimon 520
aus Apollod. III 116 herstellen. Die Überlieferung ist im ganzen konstant.
a) Eltern sind Zeus und die (Pleiade, Atlantide) Taygete, Hellanikos Müller FHG I 52, 56 = Schol. Hom. II. XVIII 486 p. 170, 4Dd.; aus der Schrift Atlantias, Gude man o. Bd. VIII S. 116, 41. Aratos bei r-':-etz. Lyk. 219. Paus. III 20, 2. IX 35, 1. Apollod. III 116. Ps.-Eratosth. Katast. 23 (27, 11 Oliv.). Non.;. Dionys. III 339. XXXII 66. Eustath. Il. 1155, 51. Schol. Od. VI 103. Hyg. fab. 155 (13, 8 Schm.); astr. 2, 21 (63, 15 Bu.j. Scho¹. German. Arat. p. 76, 9. 83, 15. 150, 5 Breysig. Oxyrh. Pap. VIII 72 col. 2, 17 (der Name L. ergänzt). Abweichend ist Taygete Tochter des Agenor bei Dictys I 9, mit absichtlicher Zurechtmachung für bestimmte Zwecke, oder Mutter des Eurotas, der sonst Vorfahr des L. ist, s. u. 2, bei Steph. Byz. s. Ταῦγετον, wohl durch Irrtum.
I b) G e m a h 1 i n ist Sparte, Tochter des Eurotas, Urenkelin des Autochthonen Lelex, Paus. III 1, 2. Apollod. III 116. Schol. Eur. Or. (615] 626. Hier liegt keine Abweichung in der Überlieferung vor.
c) Kinder des L. und der Sparte waren:
a) Eurydike, Gattin des Akrisios, Königs von Argos, Mutter der Danae, Pherekydes Müller FHG I 75, 26 Schol. Apoll. Rhod. IV 1091. Paus. III 13, 8. Apollod. II 26. III 116. Als) Tochter des Eurotas, Tzetz. Lyk. 838, ist Eurydike wohl nur Versehen des Tzetzes.
ß) Amyklas, Paus. VII 18, 5. Apollod. III 116. Eustath. II. 293, 25. Arist. Miles, in Schol. Pind. Pyth. III 14 = M ü 11 e r FHG IV 324, 22. Dictys I 9. Dieser Gründer von Amyklai: Paus. III 1,. 3. Eustath. Il. 295, 14. Eustath. Dion. Per. 419. Steph. Byz. s. Ἄμνκλαι.
Vereinzelt werden genannt:
y) Asine als Tochter des L., nach der die 0 gleichnamige lakedaimonische Stadt benannt sei, Steph. Byz. s. Ἀσίνη.
δ) Himeros, Sohn, und
e) Kleodike; Tochter des L. und der Taygete, die also hier L.s Gattin, nicht seine Mutter ist, Plut. de fluv. 17, unglaubwürdig nach dem Charakter dieser pseudoplutarchischen Schrift.
2. Die mythische Königsherrschaft des L. L. erbte die Herrschaft von dem kinderlosen Eurotas, Enkel des Autochthonen Lelex, Oder über die Leleger geherrscht hatte: ernannte das Land nach sich, vgl. Apollod. III 116, und gründete die Stadt Sparte, die er nach seiner Gattin nannte; das Taygeton wurde nach seiner Mutter benannt. Paus. III 1, 1f. Schol. Eur. Or. [615] 626. Das Hieron der Chariten Phaenna und Kleta wurde als von L. gegründet angesehen, der den Chariten auch diese Namen gegeben habe. Paus. III 18. 6. IX 35. 1. Chronologie der mythischen Herrschaft des Eurotas und L.: 50 Marmor Parium 8 (13).
3. Kult genoß L. a) zur Zeit des Paus., III 20, 2, in einem Hieron am Taygeton; b) einen weit vornehmeren, als Ζευς Λακεδαίμων, schon zur Zeit Herodots, VI 56; die Priesterschaft des Ζευς Λ. und des Ζευς Οὐράνιος war ein Ehrenvorrecht der lakedaimonischen Könige. Stoll a. a. O. sonderte diesen Ζευς Λ. von unserem L., aber S t e i n zu der Herodotstelle wies auf andre [521] 521
Lakedaimon
Beispiele hin. in denen Heroen den Namen Zeus erhielten, z. B. Ζευς Ἀγαμέμνων, Ζευς 'Ἠρακλῆς, um dadurch der Ehre dos höchsten Gottes gewürdigt zu werden. (J. als Adjektiv aufzufassen, wie Benseler Wörterb. gr. Eigenn. wollte, ist wohl unmöglich: die einzige Parallele aus etwa gleichzeitigem Griechisch, Eur. Hel. 474, ist dichterisch. Ζευς Λ. ist sprachlich eine Bildung etwa wie θΑθηνὰ Νίκη.) Vgl. u. 5 a.
4. Etymologie desNamensL. Eustath. II. 293, 25. Steph. Byz. s. Λακεδαίμων fassen (den Ortsnamen) L. als Λαβεδαίμων oder Λαχεδαίμων, weil, als die Herakleiden um das Land Iosten, ἄγαθω δαίμονι ἔλαχε ἡ ἔλαβε τὴν χώραν δ λαβῶν. Gruppe Gr. Myth. 161, 6. 991, 4. 1109 leitet (den Personennamen) L. von λακειν und δαίμων ab, dies nicht aktivisch,,Zuteiler⁴, sondern Schicksal· in passivem Sinne, zu δάαααοβαιζ Zeus ,Schicksalverkünder¹. Man kann das kaum ernster nehmen als die Etymologie des Eustathios; der Ortsname, doch wohl das Prius, ist wohl vorgriechisch, s. u. 5 a. [Korrekturzusatz: Zur antiken Etymologie s. noch Cramer Anecd. Oxon. I 261.] Wenig glaublich ist auch die Deutung H. D. Müllers Mythol. d. griech. Stämme I 217f., vgl. Wide Lakon. Kulte 11, 1, der L. zu λακ ,dumpf dröhnen, krachen⁴ stellt; L. sei ein Epitheton des Donnergottes Zeus, der Heros L. sei ein Repräsentant des Gottes, zugleich aber auch des Stammes der lakonischen Achaier, und von da aus sei sein Name zum Ortsnamen geworden.
5. Religionsgeschichtliche Bewertung des L.
a) Der Umstand, daß sich L. zuerst bei Phere-kydes und Hellanikos findet, und die Figuren seiner Umgebung: Eurotas, Taygete (dochs. u.!), Sparte, Amyklas, führt darauf, in ihm eine blasse, von den Logographen erschaffene Abstraktion, einen künstlich erdachten Eponymos zu sehen. Dazu paßt, daß er nur in gelehrter Literatur erscheint; das Volk wird also einen Gott oder Heros L. kaum angerufen haben. Der Zeuskult auf dem Taygeton mag uralt gewesen sein, Preller-Robert Gr. Myth. I 126L, nicht aber die Figur des Zeussohnes L. Nun ist es interessant, daß diese Schöpfung eines Logographen sich bei den Gelehrten bis in byzantinische Zeit hielt, daß sie es zu einem bescheidenen Kult (am Taygeton) brachte, aber auch zu einem hochoffiziellen Staatskult als Zeus L., und dies unmittelbar nach ihrer von uns vermuteten Entstehung, denn schon Herodot, Hellanikos’ Zeitgenosse, bezeugt diesen Kult. Ist also unsere Vermutung richtig, so ist sie wichtig nicht nur für die längst bekannte Nachwirkung logographischer Lehre, sondern auch für ihre Einwirkung auf die Zeitgenossen der Logographen. Freilich mehr als ein offizielles Leben hat dieser Zeus L. kaum geführt; schon Meursius bei Schweighäuser zu der Herodotstelle beobachtete, daß er sonst nie erwähnt wird; auch die Dichter kennen ihn nicht nach Bruchmann Epith. deor., die Inschriften nicht nach IG V 1. Dagegen wird Ζεῦς Οὐράνιος mit Spielen noch in der Kaiserzeit gefeiert; Zeugnisse bei Preller-Robert Gr. Myth. I 149, 3. Eben dies veranlaßte uns, in dem Zeus L. einen künstlich geschaffenen, nie [522] Lakedaimonios 522
recht lebenskräftigen Gott zu sehen. Auch der von wenigen Ausnahmen abgesehen einheitliche Zustand der Überlieferung führt darauf, daß der Gott im wesentlichen nur in schriftlicher Fixierung, nicht im Munde und im Glauben des Volkes lebte. Man mag also den Ζευς Λ. im Gegensatz zu Ζευς Οὐράνιος so aufgefaßt haben, wie Preller-Robert I 149 darlegen, den Ζευς Οὐράνιος als König des himmlischen Gottesstaats, 10 den Ζευς Λ. als den, von dem die lakedaimo-
nische Basileia abgeleitet wurde; aber diese Unterscheidung wird künstlich geschaffen gewesen sein und nicht im Bewußtsein des Volkes gelebt haben.
b) Anders beurteilt den Zeus L. Gruppe Gr. Myth. 161, 6; s. auch 744. Während wir nach dem geographischen Namen, als dem Prius, den Namen des eponymen Heros erst fingiert und diesen Heros dann zum Range eines Zeus er-20hoben dachten, dreht Gruppe das Verhältnis um; nach ihm kann man aus geographischen Namen Götter erschließen, die man an einer bestimmten Stätte verehrt habe, und die ihr dann den Namen gegeben hätten, so Zeus L. Ich sehe keine Möglichkeit, das für Zeus L. zu beweisen oder auch nur wahrscheinlich zu machen. Freilich sind nicht alle Namen, die wie Abstraktionen von Lokalnamen aussehen, solche, sondern z. B. bei Taygete, die wir oben zunächst als Fiktion 30 einer Eponyme neben Sparte u. ä. stellten, ist der von Gruppe eingeschlagene Weg richtig; nach ihr wird das Taygeton erst genannt sein. Denn schon am amyklaiischen Throne war ihr und Alkyones Raub durch Zeus und Poseidon dargestellt; als wirkliche Sagenfigur kannten sie schon Pind. Ol. III [29] 54 und Eur. Hel. 382. Sie hat als Hypostase der Artemis zu gelten, Preller-Robert 1306. Gruppe 166.1299. Höfer in Roschers Myth. Lex. V 154; nach 40 diesem war Taygete wohl ursprünglich der Kultname der auf dem Gebirge verehrten Artemis. Aber bei L. führt auf eine solche Auffassung nichts. So will es nicht als ganz richtig erscheinen, wenn Preller-Robert I 80 Zeus, Taygete und ihren Sohn L. einfach parallel zu Zeus, Danae und Perseus stellen; denn Perseus ist alte und echte Sagenfigur, L. wohl nicht; wenigstens erscheint er nicht so in unserer Überlieferung.