RE:Lanio

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Schlächter, Fleischer
Band XII,1 (1924) S. 688689
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Lanio [...] Lanio. Schlächter, Fleischer. Neben I. (Petron. 39, 10. Dig. I 2, 2. 24. Corp. gloss. lat. VI 623. CIL IV 373.[1] VIII 9332.[2] X 6493.[3] XIII 941)[4] findet sich sehr häufig die Bezeichnung lanius (Ter. Eun. 257. Varro r. r. II 4, 8. 5, 11. Mart. II 48, 1. VII 61. 9 u. ö. Corp. gloss. lat. VI 623. CII. VI 167ff. 5000. 9499. 33870. XII [689] 4482. XIV 2877; vgl. Mommsen Arch. Ztg. XXVII 70), auch confectionarius, CIL VI 1690.[5] 9278. Corp. gloss. lat. II 477, 48 confectorium = χοιροσφαγεῖον. Unter den neun alten Zünften bei Plut. Numa 17 werden die Fleischer nicht genannt, da man in altrömischer Zeit selbst Vieh aufzog und schlachtete und daher nicht auf eine Metzgerei angewiesen war, Varro r. r. II 4, 3. Das Fleischergewerbe war in der republikanischen Zeit verachtet, obwohl es schon 1 damals einträglich war. Cic. off. I 150 spricht mit der größten Verachtung davon und nicht weniger Liv. XXII 25 hinsichtlich des bei Cannae geschlagenen Varro, der seinem Vater beim Austragen des Fleisches behilflich war. Aus dem Bericht des Livius ergibt sich, daß man zwei Arten von Schlächtern unterschied, solche, die nur schlachteten und wohl im großen verkauften, und solche, die selbst das Fleisch feilhielten oder austrugen. ί

Schon in republikanischer Zeit bildeten die Fleischer eine Gilde unter zwei Magistri, die später nicht mehr vorkommen, CIL VI 167f.[6] W a 11 z i n g Étude sur les corp. chez les Romains II 89. Mit dem Wachstum Roms wuchs die Bedeutung der Körperschaften, die für die Beschaffung der Lebensmittel der Stadt zu sorgen hatten, so auch die der Schlächter. Im weiteren Sinne gehören dazu die boarii, pecuarii (s. d.) und vor allem die suarii (s. d.), da die i einen für die Herbeischaffung des Schlachtviehs, die andern für die Zubereitung des Fleisches zu sorgen hatten, Symm. ep. X 14 (34). Blüm-ner Röm. Privatalt. 192, 21; s. o. Bd, IV S. 457. Die zahlreichste und wichtigste Körperschaft war die der suarii, besonders seitdem Aurelian Schweinefleisch gratis verteilen ließ, Hist. aug, XXVI 35, 2. Auch außerhalb Roms fanden sich an verschiedenen Orten Körperschaften der suartt, CIL I 1131.[7] V 3307.[8] XU-4482. XIV 2877. Rev. arch. I 262. Dar em · berg-Saglio III 923. Nebst harten Verpflichtungen, z. B. daß sie aus der Körperschaft ohne Ersatz nicht austreten konnten, daß nach ihrem Tode wenigstens einer ihrer Söhne an ihre Stelle treten mußte (Cod. Theod. XIV 4, 1. 3. 10. Nov. Val. III 35, 6), genossen sie manche Privilegien. Da es eine Ehre war, die Stadt zu ernähren (Cassiod. var. XI 39), so sprechen die kaiserlichen Erlasse mit größter Hochachtung von den Körperschaften, die Vieh und Fleisch lieferten. Daremberg-Saglio a. O.: s. o. Bd. IV S. 464ff. über die munera und privilégia der Zwangsverbände. Über die Fleischpreise vgl. B1 ü m n e r Maximaltarif 73ff.

[Hug. ]
  1. Corpus Inscriptionum Latinarum IV, 373.
  2. Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 9332.
  3. Corpus Inscriptionum Latinarum X, 6493.
  4. Corpus Inscriptionum Latinarum XIII, 941.
  5. Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 1690.
  6. Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 167.
  7. Corpus Inscriptionum Latinarum I, 1131.
  8. Corpus Inscriptionum Latinarum V, 3307.