1) Tochter des Priamos und der Hekabe, Il. III 122 als mit dem Antenoriden Helikaon vermählt (o. Bd. VII S. 2855) und VI 252 beiläufig erwähnt. Aus diesen Stellen ist herausgesponnen oder an sie knüpft an, was Spätere über ihre Schicksale berichten. Polygnot hatte sie in seiner Iliupersis nicht unter den gefangenen Troerinnen, sondern neben einem Altar stehend dargestellt (Paus. X 26, 7); Pausianas vermag auch keine epische Quelle für ihre Fortführung in die Sklaverei zu nennen. Indem er eine ausführliche Quelle (Kommentar) verkürzt, nimmt er an, daß L. als Helikaons Gattin von den Griechen wegen ihrer Sympathien für Antenors Haus freigelassen wurde; Noack Illiupersis (Gießen 1890) 64 möchte diese Version ohne ausreichende Gründe auf Lesches zurückführen. Robert 64 meint, Polygnot habe bereits das (sonst zuerst durch Lykophron bezeugte, s. u.) Versinken der L. im Auge gehabt; doch folgt die seiner Arbeit beigegebene Rekonstruktion des Bildes von Schenck nicht dieser Ansicht. In welcher Situation L. auf dem Bilde dargestellt war, hat wohl schon Pausanias’ Gewährsmann nicht begriffen. Auch auf der Iliupersis in der Stoa Poikile kam sie vor, und Polygnot hatte ihr die Züge der Elpinike gegeben (Plut. Kim. 4). Möglich, daß (wie Robert 73 vermutet) Polygnot zuerst hier L. als Gattin des Akamas und Mutter des Munit(ch)os darstellte und sie aus seinem eigenen früheren Bilde in das delphische übernahm. Sie wird dann zur Geliebten des Akamas gemacht, wofür unser ältester sicherer Zeuge Hegesippos ist (o. Bd. VII S. 2611); er läßt sie den Akamas bei der Gesandtschaft wegen Rückgabe der Helena kennen lernen; s. o. Bd. I S. 1143. Ihr Sohn ist Munitos (s. d.). Von Hegesippos scheint Euphorion frg. 68. 82 Sch. abhängig zu sein. Daneben findet sich als Variante ihre Vermählung mit Demophon (Plus. Thes. 34). Über die Fabeleien, die Dionysios von Chalkis (o. Bd. V S. 929) an ihr Verhältnis zu Akamas knüpft, s. o. Bd. I S. 1145, 23. Hyg. fab. 101 kennt sie als Gattin des Telephos, der es deshalb ablehnt, den [700] Griechen bei der Eroberung Troias zu helfen. — Eine andere Erzählung lautet dahin, daß sie bei der Iliupersis auf ihre Bitten, um der Sklaverei zu entgegen, von der Erde verschlungen wird; Lykophr. 316. Quint. Smyrn. XIII 544. Tryphiod. 660 (der ihre Wegführung durch Akamas ausdrücklich ablehnt). Apollod. epit. 5, 25. — Robert Iliupersis (Halle 1893) 12 น. ö.