RE:Latara

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Ortschaft in der südl. Narbonensis
Band XII,1 (1924) S. 893
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Latara [...] Latara, Name einer Ortschaft (Kastell nach Mela) in der südlichen Narbonensis, an einem der Küstensümpfe (Strandseen) zwischen den Mündungen des Hérault und des Rhone, welche mit dem gemeinsamen Namen der Stagna ol-carum bezeichnet wurden, doch nicht am heutigen Etang de Thau (bei Cette), sondern an den 1 weiter östlich gelegenen Sümpfen, und zwar am Etang de Mauguio, auch nach einem anderen benachbarten Ort Pérols benannt [Andree Handatlas⁶-⁷ 93/94 CD 2; nach Valesius verstand man zu seiner Zeit alle diese Sümpfe unter dem Namen Estang du Tau, in welchem man die Taurus palus des Avienus or. marit. 610/611 (Holder Altcelt. Sprachsch. II 1772/73) wiedererkennt]. Den Ort L. bezeugt Mela II 5, 80 (vorhergeht Angabe über Mündung des Rhodanus, 2 inter Volcas et Cavaras): ultra (d. h. westlich) sunt stagna Volcarum, Ledum flumen (le Lez), eastellum Latara, usw.; außerdem wird er nur noch aufgeführt nach einer Reisekarte von Geogr. Rav. (s. u. Bd. I A S. 305ff.) IV 28 p. 245, 8 P. und V 3 p. 340, 15 P.: Latara. Doch hat man mit Recht mit der Ortschaft L. in Zusammenhang gebracht Plin. n. h. IX 29: est provinciae Narbonensis et in Nemausiense agro stagnum Latera appellatuni, ubi eum homine delphini* societate piscantur: innumera vis mugilum stato tempore angustis faucibus stagni in mare erum-pit observata aestus reeiprocatione; qua de causa praelendi non queunt retia usw. bis § 32. Die hsl. Überlieferung bietet übereinstimmend: latera, und nur Hs. E hat von zweiter Hand: laterna, eine Lesung, die zur Zeit des Valesius die gewöhnliche war und die dieser berichtigt hat, von Detlefsen mit Unrecht wieder aufgenommen (Ausg. II p. 95, dagegen nicht im Inder VI p. 218). Bei Plinius wäre also der Name der Ortschaft auf den Sumpf übertragen und der Ortsname, statt Latara, Latera geheißen, worin man eine volksetymologische Anlehnung an latus, later- sehen kann, wie z. B. in dem niederrheinischen Beinamen der Matronae Veteranehae neben Vataranehae eine Anlehnung an vetus, veter-. Daß Plinius den Sumpf (und Ort) zum Gebiet von Nemausus rechnet, darf nicht auffallen, denn dieses Gebiet war sehr ausgedehnt, und auch der unweit nordwestlich von L. gelegene Ort Sextantio gehörte zum Gebiet von Nemausus, s. u. Bd. II A S. 1107f. Art. Segusion. Kiepert FOA XXV Lk nennt den Ort: Latera. Valesius erkennt in L. das in Urkunden u. dgl. des 12. und 13. Jhdts. genannte Castrum, de Latis (auch Castrum de Palude) bei Montpellier; die Trümmer dieses Schlosses am Fluß Lez führten zu seiner Zeit noch den Namen .Chasteau de Lates' oder ,Tour de Late*, ein Tor von Montpellier ,Porte de Lates*. Heute noch: Lattes, Chateau de la Latte.

Literatur: Valesius Not. GalJ. (1675) 263. d’Anville Not. de Fanc. Gaule (1760) 403. Ukert Geogr, d. Gr. u. Röm. II 2, 125. 414. Desjardins Géogr. de la Gaule rom. I 234f. 256. II 220. IV 211. Holder Altcelt. Sprachschatz II 150; vgl. ebd. late = See. [Kenne.)

[Keune. ]