RE:Leonidas 2

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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I. Spartan. König 488-480 v. Chr.
Band XII,2 (1925) S. 20152018
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2) Leonidas L, spartanischer König, Agiade, zweiter Sohn des Königs Anaxandridas und dessen erster Gemahlin; seine Brüder sind Dorieus und Kleombrotos, Herodot. V 39–41. Er Iolgte, da sein älterer Bruder Dorieus gestorben war und sein Stiefbruder Kleomenes I. keine männlichen Nachkommen hatte, diesem etwi 488 auf den Thron, Herodot. VI 204. Verheitratet war er mit seiner Stiefnichte Gorgo, der Tochter Kleomenes I., die etwa 508 oder 507 geboren war 4 0 (Herodot. V 51); sein Sohn war der spätere König Pleistarchos, der aber beim Tode des Vaters noch unmündig war, Herodot. IX 10. Mitte Juli 480 erhielt er von den Ephoren den Auftrag, die Thermopylen zu besetzen und Xerxes den Einmarsch nach Mittelgriedienland zu verlegen, bis die Entscheidung zur See gefallen sei: dies steht zwar nicht ausdrücklich in den Quellen, ergibt sich aber mit Notwendigkeit aus dem griechischen Feldzugsplan, wie ihn Ed. Mey er (Forsch. 50 z. griech. Gesch. II 206 und Gesch. d. Altert III 372) zweifellos richtig auseinander gesetzt hat, und ist für die Beurteilung von L.s Verhalten von höchster Bedeutung. Die ihm von der Regierung zur Verfügung gestellten Truppen waren für die Aufgabe durchaus hinreichend; Herodots Aufzählung VII 202 ist offenbar lückenhaft, wie sich schon daraus ergibt, daß nach der Grab-ôchrift VII 228 allein mindestens 4000 Pelopou-nesier ihm zur Verfügung gestanden haben 60 müssen (Beloch Griech. Gesch. II 2, 99); danach hat Obst (Der Feldzug des Xerxes, Klio Suppl.-Heft XII 1914, 9) die Gesamtzahl der Truppen sehr vorsichtig auf mindestens 7500 angesetzt, d. h. rund ein Fünftel des gesamten grie-cliischen Heerbanns, der bei Plataiai im Felde ' stand. Beloch 100 rechnet sogar mit 12 000 Hopliten. Schon dadurch ist die bereits im Alter- [2016] Leonidas 2016

tum und auch bei den Neueren auftauchende Ansicht widerlegt, als sei es den Spartinern gar nicht ernst mit der Verteidigung gewesen und L. habe von vornherein auf einem verlorenen Posten gestanden (dagegen Beloch II 2, 95); sie wollten ja mit dem Hauptaufgebot unmittelbar nachrücken (Herodot. VII 206), und nur Xerxes strategischer Scharfblick, der mit aller Energie den Kampf erzwang, machte diese Absicht zunichte.) Ende Juli bezog L. die Stellung im Passe, während gleichzeitig die griechische Flotte am Arte-mision der persischen entgegentrat: auf die Gleichzeitigkeit beider Schlachten und ihre gegenseitige Bedingtheit ist das größte Gewicht zu legen, so zuerst Bury im Annual of the British school at Athens 1895/6, vgl. Lcnschau in Bursians Jahresber. 122, 195f. 180, 134.

Bald nachher erschien Xerxes mit seinem Heere vor den Thermopylen, ließ aber zunächst > einige Tage verstreichen, natürlich nicht aus dem Herodot. VII 210 angegebenen Grunde, sondern weil er die Mitwirkung der Flotte abwarten wollte. Da sich indessen die Wiederherstellung der Sturmschäden länger hinzog, begann ar am fünften Tage den Angriff und suchte den Paß zu forcieren, was jedoch trotz eines zweitägigen verlustreichen Kampfes mißlang. Am Abend des zweiten Tages leitete er infolgedessen durch Vidarna mit seinen Garden die Umgehung ein, die auch infolge des sträflichen Leichtsinns der Phokier, für die man aber nicht mit Beloch (II 2, 101) L. verantwortlich machen darf, überraschend glückte: am Morgen des dritten Tages befanden sich die Persischen im Rücken von L.s Stellung. Natürlich hätte L. diesen einen Teil seiner Truppen entgegenwerfen können, da er stark genug dazu war, allein die plötzlich ausbrechende Panik (Herodot VII 219) vereitelte das, und so entschloß er sich, die Bundesgenossen, die doch nicht mehr zu halten waren, zu entlassen: so hat schon Herodot. VII 220 ganz richtig die beiden Erzählungen über den Abzug der Bundesgenossen miteinander vereinigt. Er selber blieb mit seinen Spartiaten, denen sich freiwillig 700 Thespier anschlossen und nach Paus. X 20, 2 auch die Mykenaier; weswegen die Thebaner blieben, ist nicht deutlich: den Grund, den Herodot. VII 222 angibt, hat schon Plut. de malign. Herodot. 865 widerlegt. Von beiden Seiten gefaßt wurden die Verteidiger schließlich auf einem Hügel im Passe zusammengedrängt und mit Ausnahme der Thebaner, die sich vorher ergeben hatten, bis auf den letzten Mann vernichtet. Immerhin müssen im Laufe der Schlacht einige entkommen sein, Beloch 97. Auch der König fiel in tapferem Kampfe; seine Leiche ließ Xerxes ganz gegen die sonstige Gewohnheit der Perser verstümmeln, Herodot. VII 238. IX 78. Doch wurden seine Gebeine 40 Jahre später nach Sparta überführt, Paus. III 14. 1. Einzig brauchbare Quelle der Ereignisse Herodot. VII 203–238, allerdings schon mit allerhand sagenhaften Zügen ausgschmückt; in den übrigen Berichten, Diod. XI 4–11. Paus III 4, 7–8. Iustin. II 11, tritt dies Element noch mehr hervor.

Was die Beruteilung der Tat des L. betrifft, so setzt ihre Verherrlichung mit Simonides ein, sowohl in'der bekannten Grabschrift (Herodot. [2017] 2017 Leonidas

Vil 228 = Anth. Pal. VII 249 = Simon, frg. 4, Bergk PLG III p. 384 [mit leichter Änderung πετάμενοι τομίμοις bei Lyc. in Leocr. 109. Strab. IX 4, 16 p. 429 und in Ciceros Übersetzung Tusc. 1 4*2]), als auch in dem berühmten Threnos bei Diod. XI 11. Im ganzen aber ist es unzweifelhaft richtig, was Beloch 104 sagt, daß ,erst der Rhetorik L. die Aureole des Heldentums zu danken hat, die ihn in den Augen der Nachwelt umgibt, derselben Nachwelt, die es fertig gebracht hat, die vernichtende Nie derlagc an den Thermopylen zu feiern, als ob es der glänzendste Sieg gewesen wäre' (vgl. Pol. IX 38, 3. Paus. III 4, 7–8. Gell. III 7, 19. Arist. Schol. p. 58. Suid. s. Λεωνίόης und zahlreiche Anekdoten bei Plut. apophthegm. Lac.; de Herodot. malign. 32. Stob. flor. VII 86, 91. Val. Max. III 2 ext. 3. 7 ext. 8. Sen. ep. 8 u. a.). Dabei tritt immer mehr die Auffassung hervor, als habe es L. von vornherein auf seinen Opfertod abgesehen, wozu die Motivierung Hero* dots VII 220 den Anlaß gegeben haben mag. Auch heute noch wirken diese Gedanken nach, wie Ed. Meyers Äußerungen zeigen (Gesch. d. Altert. III 382). Demgegenüber hat Beloch (Griech. Gesch. II 2, lOlff.) betont, daß L. infolge seiner mangelhaften Vorkehrungen einfach von den Persern überrascht worden sei und nicht mehr habe abziehen können: der von ihm angeordnete Abzug der Bundesgenossen sei nichts weiter gewesen, als eine wilde und regellose Flucht beim Erscheinen des Umgehungskorps. Dem steht entgegen, daß der Angriff des Xerxes rst gegen Mittag begann; natürlich hatte er so lange gewartet, bis er die Nachricht erhalten hatte, daß die Umfassung der Stellung gelungen sei, Herodot. VII 223. L. aber hatte davon schon am frühen morgen durch seine ἠμεροσκόποι Kunde, die man sich wohl von der Paßhöhe herab bis zum Heere in Abständen verteilt denken muß, so daß die Nachricht nicht mehrere Stunden brauchte, bis sie zum König gelangte (so Beloch 101). Also hätte L. Zeit gehabt, die Stellung zu räumen, und ein Verstoß gegen die militärische Ehre wäre das nicht gewesen, wie Beloch (103) richtig hervorhebt. Also beruht L.s Ausharren auf seinem freien Entschluß, und der Beweggrund liegt nicht in irgend einem Orakel, wie Herodot. VII 220. sondern ergab sich aus der Gesamtlage der Doppelschlacht: in dièser Hinsicht ist das κείνων ρήμασι πετάμενοι der Grabschrift zu beachten. Daß die κείνοι die Lake-daimonier, d. h. die Regierung ist, braucht nicht gesagt zu werden, und ihr Befehl (ρήματα) ging dahin, die Stellung zu halten, bis eine entscheidende Flottenaktion eingetreten sei. Das war am Abend des zweiten Tages noch nicht geschehen, worüber L. durch seinen Späher Polyas genau Bescheid wußte (Herodot. VIII 21), und darum hielt er aus, trotzdem sein Kampf aussichtslos war. Tatsächlich entwickelte sich denn auch dar aufhin die eigentliche Seeschlacht am dritten Tage; wäre L. in aller Frühe abgezogen und hätte die Stellung pieisgegeben, so wäre die Flotte ebenfalls abgefahren, aber ohne Kampf, wie sie es tatsächlich anAbend tat, nachdem sie die Nachricht vom Fall des Passes erhalten hatte, Herodot. VIII 21. Also hielt er befehlsgemäß

Pauly-Wieeowa-Kroll XII [2018] Leonidas

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aus im Angesicht des sicheren Todes, bis die Wirkung eingetreten war, die sich die oberste Heeresleitung von seinem Ausharren versprochen hatte. Das bleibt sein Ruhm, und auch die Umsicht des Oberfeldherrn wird man ihm nicht absprechen dürfen: er opferte nur gerade so viel, wie unbedingt nötig war, und ließ die übrigen Bundesgenossen abziehen.