RE:Leros 1

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Sporadeninsel zw. Lepsia u. Kalymnos an d. karischen Küste
Band XII,2 (1925) S. 20942098
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Leros. 1) [...] [2095] [2096] [2097] [2098]

RE:Lero

Lero. (Λήρων, Strab. IV 185. Plin. III 79. Itin. Ant. p. 504. 505, bei Ptolem. II 10, 21 Ληρώνη), eine der lerinischen Inseln (s. Lerina), mit sinem Heiligtume des Heros Leron (Strab. a. a. O.), j. St Marguerite. Sie war, wie die benachbarten Inseln an der narbonensischen Küste durch Korallenfischerei bekannt. Der Name ist fast zweifellos vorkeltisch, ob jedoch ligurisch (so Möllenhoff Deutsche Altertumsk, III 179f.) 10 oder phoinikisch oder sonstiger Herkunft, läßt sich nicht unterscheiden. Vgl. Gröhler Franz. Ortsn. I 324. Der alte Name ist erhalten in der Bezeichnung der Inselgruppe Des de Lerins.

Leros (Λερός, ἡ, Lëros). 1) (Herodot V 125. Thuc. VIII 26f. Dion. Hal. Din. 11. Strab. X 487f. XIV 635. Plin. n. h. IV 69. V 133 Leros. Hygin. astr. II 33. Ael. nat. an. IV 42. V 27. Athen. XIV 655c. Stadiasm. m. m. 273ff. Eustath. 20 Dion. per. 530. Suid. Phot. s. Μελεαγρίδες), Name einer Sporadeninsel zwischen Lepsia und Kalym-nos an Kariens Küste.

Der Name gehört zu den vielen zweisilbigen Namen des östlichen Mittelmeergebiets, die aus der griechischen Sprache nicht erklärt werden können.

Aus der Literatur, a) Antik: Pherekydes FHG I xxxiv. Deinarchos Λερου Ἰοτορία FHG IV 391a.b; b) aus der Neuzeit.: Bürchner (1895) Die Insel Leros, Münch. 1898 mit Karte 1:50000. Buondelmonti (15. Jhdt. Anfang) Liber insularum Archipelagi ed. Legrand. Der Schreibfehler Faradonisi statt Faraclonisi (Φαρακλός [so in der griechischen Übersetzung] im Nordwesten = Kahlinsel), spukt biß in die neuesten Publikationen (Mittelmeerhandb.). Belon (1555) Les Observations de plusieurs Singularitez ... en Grèce, Asie Par. 1588, 193. Dellamare (1895). A. Didot (1816 7) Notes d’un Voyage fait dans le Levante en 1816 et 1817. Gedeén (Γενεῶν) Ἔγγραφοι λίθοι καὶ κεράμια, K/pel 1893, 42ff. Graves (um 1836) Brit. Admiralitätskarte 1666. Haussoullier Les Iles Milésiennes Léros -Lepsia-Patmos-Les Korsiae, Rev. Philol. XXVI (1902) 125ff. Krumbacher(1884) Griech. Reis., Berl. 1886, 1.2ff. Lacroix L’Univers XXXVIII, Par. 1853 (1881 Titelaufl.) 208bff. Ikonomöpu-los (ὌΙκονομοπουλος) Λεριακά, Athen und Kairo 1888. Paton (1894). Classic. Review VIII (1894) 30 376ff. Roß (1841) Reisen auf den griechischen Inseln des Ägäischen Meeres, Stuttg. und Töb. 1843, (II. llüff. Sonnini (1788) Voyage en Grèce, Par. an IX (1801) I 270f.

Inschriften. Didot Itinéraire d’un Voyage du Levant 366. CIG II 2263. Roß Inscr. graec. ined. II, Athenis 1842, 68ff. SakkelionΈφθμ. ἀρχ. 1862, 93. 155; ἸΙαρνασσός 1886, 93. 155. Wilhelm Arck-epigr. Mitt XV (1892) 3. Paton Glass. Review VIII (1894) 376. Fontrier Bull. 60hell. XX (1895) 550f. Bürchner Athen. Mitt. XXI (1896) 34ff.

Münzen. Babe Ion Inventaire Sommaire de la Coll. Waddington nr. 2024 pl. IV 9 eine Elektronmünze, gefunden auf L.; wenn die Zugehörigkeit zu L. festgehalten wird, muß diese Münze vor der Okkupation der Insel durch die Milesier angesetzt werden. Spätere auf L. geprägte Münzen sind uns bisher unbekannt. [2095] Größe der Insel: 49,4km-, (55km- mit Umgebungsinselchen), Papamichalopulos und Kritsas ΛΓΕλληπκαὶ Νήσοι 132. Fläche (etwas größer als*die des bayrischen Ammersees [45, 4 km²|).

Lage und Gliederung. Die Insel liegt im Ikarischen Meer (Strab. X 488), 6 km südlich vom Südende der 21 km² großen Insel Lepsia; ein nicht ganz 2 km breiter Sund, Διαπόρι, trennt die Südspitze von L. von der Nordhuk von Ka-lymnos. Die Insel stellt die weitverzweigten oberen Höhen des untergetauchten Umgebungsfestlands dar. Tiefeingeschnittene Buchten, besonders im nördlichen Teil, bilden unzählige Landvorsprünge, die nach Versicherung befreundeter Lerier selbst von den nächsten Anwohnern keine Namen erhalten haben; eine reiche Flur von vorgelagerten Inselchen und Klippen verleiht der nördlichen wie südlichen Hälfte eine ungemein reiche Gliederung. Die Westküste von L. fällt etwa in einem Durchschnittsneigungswinkel von 30° zum Meeresschelf ab. Nicht nur in Hinsicht auf die geologischen, sondern auch auf die plastischen Verhältnisse stellt sich L. als eine Fortsetzung der östlich gegenüberliegenden Küstenterrassen dar.

Die Tiefflächen von Παρθένι (Parthenion im Altertum), Πλοφοντης (Πολῦφυτος), Συκιά, Ἄμμος auchZivôa und"·!. Θεολόγος (Toannes) sind nicht unfruchtbar.

Die Erhebungen im nördlichen Teil (s. meine Karte): Καστράκι im Nordwesten 295 m, Klidi im Nordosten 377 m. im südlichen Teil: Βαθειὰ Λαγκάδα (= breite Schlucht) 341 m.

Geologisches. Nach Philippson (Peterra. Mitt, Erg.-H. 183 Karte) zeigt L. im Nordteil vermutlich Tonschiefer, im Südteil eocänen Flysch. Aus meinen vielen Handstücken verschiedensten Fundorts (Bürchner 24f.) scheint hervorzugehen, daß eine ältere Formation von archaischem Habitus mit kristallinischen Schiefern, Quarz- und Marmorarten und eine jüngere mit dolomitischen grauen Kalken, mit Schieferton, dabei auch Tonschiefer, wenigen Sandsteinen und Breccien vorhanden sind. Ein GeröUstück von dem Weiler Ἴθκτης enthält Magneteisen. Unter diesen Gesteinproben befinden sich solche von Eruptivgesteinen nicht. Flynsch nach Martelli Ricerchi ßeologiche e Geografico-fisiche nelle Sporadi Meri-dionali, Boll. Soc. Geogr. Ital. Ser. I (1912) 12.

Bewässerung. Hoch und ungünstig gelegene Orte entbehren der fließenden Quellen. Man mußte schon in alter Zeit Behälter zum Auffangen des Regenwassers graben. Ein solch ganz alter Brunnen befindet sich im Gebiet Ἠλοφούτης. Sonst gibt es viele Quellen (11 allein vom Meroviglirucken), eine mit lauem Wasser: ΠαληασκΛονπή am Kastron, deren Name auf eine alte Kultstätte des Heilgottes zu deuten scheint.

Siedelungen (s. meine Karte). Eine der ältesten Ansiedlungen auf der Insel war vermutlich beim Heiligtum der Παρθένος (jetzt Παρθένι) im nördlichen Teil der Insel. In diesem findet man auch δολάρια, halb unterirdische, niedrige Grabgewölbe, bei Parthéni. aber auch bei Smalu, so daß die sehr alte antike Ansiedlung östlich vom Höhenrücken Turloti bis zu Smalü und Kamara im Westen gereicht haben muß. Im nörd- [2096] lichen Teil findet man die meisten Baustücke ohne Mörtel und die meisten hellenischen und römischen Münzen (die byzantinischen Münzen findet man besonders im mittleren Teil der Insel um die Johanniter bürg). Ehreninschriften wurden im 2. Jhdt. im Ἰερὸν τῆς Παρθένου aufbewahrt. Dort hat auch nach Roß (s. a. O. 119) die alte Stadt gelegen. Um zum Schutz vor Seeräubern einen Platz zu haben, der Übersicht über die 10 weitere Umgebung und Sicherheit gewährte, verlegte man den Ort der Stadt an die heutige Stelle).

In der Zeit der byzantinischen Herrschaft galt Παρθένι mit dem nördlichen Inselteil nur mehr als προάστειον (= Vorwerk) des Städtchens auf dem Isthmos, das sich ganz allmählich vielleicht aus der Befestigung, die die Milesier auf den Vorschlag des Hekataios um 498 v. Chr. (Hero-dot. V 125) angelegt hatten, entwickelte. 1087 n. Chr. aber wurde diese durch die Kaiserin 20 Anna Dükäna Dalassini ganz dem hl. Christö-dulos vom Latros (Latmosi und vom Kloster Pyli auf Kos übergeben; die Zivilbevölkerung bekam den südlichen Teil der Insel bei Lépida (Paljö-kastro von Xerökampos) angewiesen. Teménia aber, nördlich davon, war ebenfalls Klosterbesitz von Patmos. Sein Name geht auf ein τέμενος einer Gottheit zurück.

Tn dem mittleren Teil der Insel, beim jetzi gen Panteli, bei der Quelle Παληον Ἀσκλούπη 80 (Asklepios, s. meine Karte) wurden fast keine hellenischen Inschriften gefunden; es gibt dort einen kleinen Aquädukt (Καμάρες) nach römischer Art, den ich nicht untersuchen konnte.

Ein ansehnliches altgriechisches Werk im Südteil ist die kleine Befestigung beim oben erwähn ten Xerökampos (s. meine Karte; Abb. und Plan von Dawkins und Wace Annual Brit. School Athens 1905/6, 173) auf einer Felshöhe, die die Bucht von Lakki und die von Xerökampos be-40 herrscht. Das alte hellenische Mauerwerk (1 m etwa stark) dürfte im letzten Teil des 4, vor-christl. Jhdts. entstanden sein, Bedeutung gewann die Befestigung im Mittelalter um 1087 n. Chr. (s. o.). Einbau einer Kirche der Pana-jia in frühchristlicher Zeit.

Parthenion. An dem innersten Winkel einer Bucht im Norden von L., an einer Stelle, die noch jetzt Ὠαρθένι heißt, lag in der Nähe eines jetzigen Meierhofs des Joannisklosters von 50 Patmos nahe am Meeresstrand ein Heiligtum (Ἰερόν Inschr.) der lokallis (Suid. Phot) , später θΑρτεμις Παρθένος (dass. Rev. 1894, 376. Clyt. FHG II 333 frg. 1). Der ursprüngliche Kult scheint der einer Göttin der Zeagungskraft gewesen zu sein; s. o. Bd. II S. 1396, 19ff. Die Gegend war und ist etwas morastig (Clyt. a. a. O. Bürchner a. O. 15). Von den Priestern wurden Perlhühner (ἀελεαγρίδε; ; Mythos Athen. XIV 655e; s. den Art. Meleagridesi gehegt, 60 die schon früh aus Afrika den Griechen bekannt geworden waren. Eine Priesterin wird genannt CIG II add. 2661b (vgl. Keil Philol. IX 457).

Die Stelle des antiken Heiligtums ist noch nicht mit Sicherheit festgestellt. Roß (a. O. 121). suchte es beim Metöchi von Patmos. Die Inschrift, die ich in den Athen. Mitt. XXI (18u6) 34L veröffentlichte, in der als Aufbewahrungsort der Stele das Parthenion angegeben ist, scheint [2097] so ziemlich in situ gefunden. Die wohlbehauenen Marmorblöcke, aus denen die zerfallene byzantinische Kirche gebaut war (Ikonomöpulos 157), haben jedenfalls früher Bestandteile des Heiligtums gebildet. Einige Blöcke aus Marmor und anderen Steinen eines antiken kleinen Molo(?) liegen auch unterhalb dem Meereswasser. Der hellenische Wachtturm, der keineswegs, wie Iko-nomöpulos (164) meint, die Stelle des Tempels der Parthenos (Paton Class. Rev. 1894, 376.1 Dawkins und Wace Ann. Brit. School Athens 1905/6, 172 Abbild.) einnimmt, wurde von den alten Griechen und jedenfalls auch von den Johanniterrittern (Plan Ikonomopulos 164. Beschreibung Bürchner Leros 15) benützt und ist besser erhalten als die byzantinische Kirche. Der Meierhof (μετόχιον) dicht daran gehört dem Pat-moskloster seit dem 11. Jhdt. Infolge des vielen Gestrüpps und wegen einiger Pflanzanlagen kann das Gelände nicht recht aufgenommen werden.* Im Mittelalter war die Gegend ,Παρθένι* um das μετόχιον von Klosterinsassen bewohnt, 1263 n. Chr. von 46 Familien.

Schicksale der Bewohner (s. Bürchner 29ff.). Vor der Besiedelung der Insel durch die Milesier war die Insel jedenfalls bewohnt (Le-leger? Karer, später Hellenen). Ob die Bewohner vor der milesischen Okkupation schon Münzen geprägt haben, ist ungewiß. Die zweifelhaften Münzen (s. o.) zeigen griechisches Gepräge. Unter ‘ den νήσοι Καλύδναι (Hom. Il. II 677) verstanden mehrere antike Gelehrte Kalymnos und L. (Strab. X 489, s. o. Bd. X S. 1762, 17ff.). Ist das richtig, dann wäre auch für L. mythische Herakleiden-herrschaft vielleicht denkbar. Roß (a. O. 119, 5) nimmt die Besiedelung mit dorischen Ansiedlern als wahrscheinlich an. Der Gnomiker Demodokos, von dem wir fast nichts wissen, von dem auch nur sehr wenig und nicht ganz Beglaubigtes überliefert ist (s. o. Bd. IV S. 2870, 35ff.), wird als ,Lerier· bezeichnet. Der Sinnspruch Anth. XI 235, der ihm zugeschrieben wird, ist verdächtig und die Annahme Bergks (PLG⁴ II 65), Phokylides antworte in frg. 1 auf Anth. XI 235 unwahrscheinlich. Er lautet: [χαὶ τόδε Jθoôôm·] Μιλήοιοι ἀξύνετοι()) μὲν Οὐκ εἰοί, δρωσιν δ' οἰὰ περ ἀξύνέτοι. Der angebliche Trutzspruch des Phokylides darauf wird so überliefert (frg. 1 bei Strab. X 487. Eustath. zu Dion. 530): Kai τόδε Φωκνλίδεω ’ Ἀέριοι κακοὶ ὄνχ δ μὲν δς δ' ου, Πάντες πλὴν Προκλέους καὶ Προκλέης Ἀέριος. Strabon fügt hinzu, daß die Lerier verleumdet worden seien.

498 v. Chr. riet Hekataios von Miletos (s. o. Bd. VII S. 2669, 61ft) gegenüber den feigen Vorschlägen des Aristagoras, L. zu besetzen und zu befestigen, um später nach Miletos zurückkehren zu können (Herodot. V 125). Wann die Besetzung von Ikaros und L. (Anaximen. frg. 4, Script, rer. Alex. M. 36) erfolgte, ist nicht bekannt, geschah aber vor 494 v. Chr. Die Insel teilte dann die Schicksale der Milesier lange Zeit. Seit der Mitte des 5. vorchristl. Jhdts. bildeten die milesischen Leute, die nach L übergesiedelt waren, einen δῆμος Ἀερίων, Le Bas Voyage III 2, 84 nr. 240. Haussoullier Rev. Philol. XXVI 126ff Als Μιλήοιοι Ἀέριοι Μιλήοιοι ἐξ Λέρον, bei der de-lisch-attischen Symmachie Köhler Urkunden und Untersuch. 157 (ionischer Tribut). Die mi- [2098] lesischeu Ansiedler auf L. zahlen in den J. 454 –451 (samt Lepsia, Akrite, Patmos, Tragia, Le-binthos, Beloch Griech. Gesch. II 2, 367) die große Summe von 3 Talenten; später steuern sie meist zusammen mit den Milesiern.

412 v. Chr. der Athener Phrynichos im Hafen von L.p)> Thuc. VIII 27. Demokratie in L. Roß Inscr. ined. II 128 und Inschrift aus dem 2. vor-christl. Jhdt. (Michel Recueil nr. 372). Epony-.0 mos ist ein Stephanephoros, das beschließende Volk, die οἱ οἰκήτορες ol ἐν Λέρῳ, Ἀέριοι οἱ κατοικονντες ἐν Ἀέρῳ, Beamte χρυσονόμοι; genannt wird der Monat Metageitnion (wie in Athen und Miletos), die Lerier obliegen auch nach dieser Inschrift der κατὰ Φύλασσαν ἐργασία. Das Christentum findet frühzeitig Aufnahme (Roß Reisen II 120. Evangelidis Χριστιανισμὸς ἐν ταῖς Κυκλασί. ἐν Ἠρμουπόλει 1906, 4. Bürchner 38). Die Schicksale in der späteren Zeit, die Erbauung und Ϊ0 Verteidigung der Befestigung auf dem Isthmos durch den deutschen Johanniter-Ritter Schlegel-holtz Bürchner 38ff.