RE:Liturgien
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Gottesdienstordnung der christlichen Kirche | |||
| Band XIII,1 (1926) S. 798–804 | |||
| Bildergalerie | |||
| Register XIII,1 | Register lf | ||
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Liturgien der christlichen Kirche. Die ältesten liturgischen Formulare des Christentums sind uns in der Didache 7. 9. 10. 14 erhalten: es sind Gebete und Anweisungen für Taufe und Herrenmahl in einfachster Gestalt. Die letzteren zeigen noch deutliche Abhängigkeit von jüdischen Tischgebeten (s. G. Loeschcke Jüdisches und Heidnisches im christlichen Kult 1910; derselbe: Zur Frage nach der Einsetzung und Herkunft der Eucharistie, Ztschr. f. wiss. Theol. 1912, 60193–205). Die kurzen Bemerkungen des Plinius epist. X 96 (an Traian) dürften ebenfalls auf Taufe und Agape (Herrenmahl) zu deuten sein (Lietzmann in Gesch. Studien für Hauck 1916, 34–38 und Rh. Mus. 1916, 280). Eine ausführliche Beschreibung des altchristlichen Gottesdienstes samt der Taufe gibt Iustin (s. o. Bd. X S. 1332 nr. 11) ApoL I 61. 65–67. Wir ersehen daraus, daß um 150 bereits die wesentlichen [799] Elemente aller späteren L. vorhanden sind. Der Gottesdienst zerfällt in zwei Teile: der erste, die später sogenannte Missa cateçhumenorum, besteht aus Schriftverlesung und Predigt, ist also dem synagogalen Gottesdienst nachgebildet. Der zweite Teil, die Missa fidetium (so genannt, weil bald nur noch die Getauften, die Fideles im engeren Sinn, an ihm teilnehmen durften), beginnt mit dem allgemeinen Fürbittgebet, es folgt der Friedenskuß und die Darbringung von Brot 10 und Wein, Über denen der Célébrant sein mit einer Anrufung des ,Logos* (Epiklese) verbundenes ,EuchariBtie‘gebet spricht. Darnach beginnt die Verteilung der geweihten Gaben an die Kommunikanten durch die Diakonen.
Dem frühen 3. Jhdt. entstammt die L. der Hippolytischen Kirchenordnung (s. o. Bd. VIII S. 1877), die uns zuerst ein vollständiges Formular mit Gebeten und Anweisungen (Rubriken) bietet: der Text bei F. X. Funk Didascalia et Constitutiones apost. II 99–100. Didasc. Apost. fragm. Veron. lat. ed. Hauler I 106f. Schermann Die allgem. Kirchenordnung I (1914) 41–45. Lietzmann Lit. Texte VI (Kl. Texte 61) 26–30. Diese L. ist dann mit vielen Erweiterungen in die Canones Hippolyti, die verschiedenen orientalischen Übersetzungen der sogenannten Ägypt. Kirchenordnung (s. o. Bd. IX 8. 489f.) und das Testamentum Domini nostri Jesu Christi (syr. et. lat. ed. Rahmani 87ff., arabisch im Oriens christianus, hrsg. v. A. Baumstark I 8ff.) Übergegangen (vgl. Schermann Aegyt. Abendmahlsßturg. 1912,121ff.). Wir haben hier nur den eigentlichen Kern der Missa fidelium. Den Anfang macht ein Dialog zwischen den Cele-branten und dem Volk: Cel. Dominu» vobiscum. Resp. Et cum spiritu tuo. Cel. Sursum corda. Resp. Habemus ad Dominum. Cel. Gratias agamus Domino. Resp. Dignum et iustum est. Dann beginnt das Eucharistiegebet des Celebranten (Gratias tibi referimus usw,), in dem Gott für die Erlösung durch Christus Dank gesagt wird: Er ward vom Himmel herabgesandt in den Leib der Jungfrau, wurde geboren und nahm freiwillig das Leiden auf sich, um Tod und Hölle zu überwinden. Mit den Worten qui cumque traderetur voluntariae passioni... accipiens panem gratias tibi agens divit: Accipite, mandiccate usw. wird die Erzählung der Abendmahlseinsetzung eingeleitet, die mit den Worten schließt: quando hoc facitis, meam commcmorationcm facitis. Hieran knüpft die ,Anamnese* an: Memores igitur mortis et resurrectionis eius offerimus tibi panem et. eali-cem gratias tibi agentes quia nos dignos habuisti adstare coram te et tibi ministrare. Es folgt die ,Epiklese*: Et petimus, ut mittas spiritum tuum sanctum in oblationem sanctae ecclesiae in unum congregans. Des omnibus qui percipiunt sanctis in repletionem Spiritus sancti ad confirmationem fidei in veritate, ut te laudemus usw. Damit ist 6C der Weiheakt vollzogen und die Austeilung und der Genuß der Gaben durch die Gemeinde (Communia) kann beginnen. Nach diesem Schema und teilweise auch unter Beibehaltung dieses Wortlautes verläuft die Konsekration der Elemente seit dem 3. Jhdt. fast in allen Liturgien: nur daß sonst stets das Eucharistiegebet in das von der Gemeinde respektiv dem Chor gesungene [800] Sanctus (Isaias 6, 3 mit Erweiterungen, meist Matth. 21, 5) ausklingt und darnach vom Celebranten mit Vere sanctus wieder aufgenommen wird. Zwischen Epiklese und Kommunion schiebt sich ein langes, sorgfältig gegliedertes Fürbittgebet ein.
Aus dem 4. Jhdt. haben wir eine Beschreibung der L. in den Apostolischen Konstitutionen II 57 und - besonders wichtig, weil in Jerusalem lokalisiert und um 850 datiert - in den ,mystagogischen‘ Katechesen des Cyrill von Jerusalem (Zusammenstellung der Texte bei Lietzmann Lit. Texte I² 1909 - KL Texte 5. Brightman Liturgies Eastern and Western I 1890, 28–30 und 464–470). Ein vollständiges L.-Formular mit allen Gebeten für die Katechumenen wie für die Gläubigenmesse ist in das VIII. Buch der Apostolischen Konstitutionen eingelegt (VIII 5–15, Brightman 1–27. Lietzmann Lit. Texte VI = Kl. Texte 61); hier ist der syrisch-byzantinische Typ in seinem Grundstock bereits voll ausgebildet. Vielfach problematisch ist für uns noch die Weiterentwicklung, namentlich des ersten Teils der Sonntagsliturgie, der Kateehumenenmesse. Die Lesungen werden mannigfaltig ausgestaltet, meist wird ein Psalm als Gesangstück zwischen die Prosatexte (des Alten Testamentes, der Episteln und Evangelien) geschoben, den ein besonders ausgebildeter ψάλτης, später auch ein Sängerchor vorträgt. Das allgemeine, gegliederte Fürbittgebet, das im 4. Jhd. bereits hinter der Konsekration und in wenig anderer Form am Beginn der Missa fidelium erscheint, dringt mit einigen Variationen auch in die Katechumenenmesse. Die Darbringung der als Opfergaben der Gemeinde erscheinenden Elemente Brot und Wein wurde zu einer Opferprozession (μεγάλη εἰσοδος) ausgestaltet, bei der der Celebrant mit Gefolge aus einer Seitentür des Altarraumes heraustrat und nach feierlichem Durchschreiten des Kirchenraumes die Gaben zum Altar trug; der Chor sang dabei den .Cherubs-hymnus¹: ol τὰ χερουβίμ μυστικως εἰκονίζοντες καὶ τῆ ζωοποιφ τριάδι τὸν τρισάγιον ὕμνον προσὰ δοντες πάσαν τὴν βιωτικην ἀποθώμεδα μέριμναν: ὡς τὸν βασιλέα τῶν ὄλων ὑποδεχόμενοι ταῖς ἄγγελικαις ἀοράτως δορυφορούμενον τάξεσιν' ἀλληλούια. Als Analogon dazu wurde in der Katechumenen Messe ein »Kleiner Einzug⁴ gebildet, bei dem das Evangelienbuch feierlich zum Altar getragen wird: dabei singt der Chor das »Trishagion*: ἄγιος ὁ θεάς, ἄγιος ἰσχυρός, ἄγιος ἀθάνατος, ἐλέησον ἠμάς. Über den Zusammenhang dieser ,Einzüge* mit der Ausbildung der den Altarraum abschließenden und mit drei Türen versehenen Bilderwand (εἰκονοσταλις) der griechischen Kirchengebäude vgl. Holl Arch. f. Rel.-Wiss. IX 365–384. Im 6. Jhdt. dürfte diese theatralisch-mystische Ausgestaltung der orientalischen L. zur Vollendung gediehen) sein. Ihre Wirkungen sind in Gallien und Spanien, teilweise auch in Mailand, kräftig, in Rom schwach zu spüren. Darstellungen des heutigen griechischrussischen Gottesdienstes bei Dim. Sokolow Darst. d. Gottesd. d. orthodox-kath. Kirche des Morgenlandes, deutsch von Morosow 1893. Nützlich auch Rojewsky Euchologion d. ortho-dox-kath. Kirche, ins Deutsche übertragen 1861.
Die orientalischen Liturgien pflegen mit [801] dem Namen eines berühmten Kirchenmannes oder gar eines Apostels geschmückt zu werden: es ist wohl nicht zweifelhaft, daß für ältere Gebete oder Formulare gelegentlich ein Zusammenhang mit liturgischer Produktion des präsumptiven Verfassers angenommen werden darf.
Die wichtigsten Liturgien sind folgende:
Liturgia S. Basilii: älteste Form, erhalten im Cod. Barberin. III 55 saec. YUI, abgedruckt beiC.A. Swainson GreekLiturgies 1884, 76–94. Brightman 309–344. Spätere Formen bei Swainson 151–171. Brightman 400–411 und in allen neueren Ritualbüchern der griechischen Kirche (Εὐχολόγιον τὸ μέγα). Daß Basilius liturgisch tätig gewesen ist, wissen wir, und es ist nicht unmöglich, daß das Gebet der προσκομιδή (Swainson 79a. Brightman 319), das speziell als εὐχή... τοῦ ἄγιου Βασιλείου bezeichnet wird, irgendwie auf ihn zurückgeht und mit der Zeit der ganzen L. den Namen gegeben hat.
Liturgia S. Johannis Chryostomi: älteste Form gleichfalls im Barber. III 55 erhalten und an den zitierten Stellen neben der Basiliusliturgie abgedruckt. Handausgabe mit erläuterndem Material von Baumstark Die Konstantinop. Meßliturgie vor dem 9. Jhdt. (- KL Texte 35). Spätere Formen bei Swainson 101–144 und Brightman 353–399 und in den modernen Euchologien. Eine in Unteritalien gebrauchte Form des 12. Jhdts. edierte Engdahl Beiträge zur Kenntnis der byzantinischen Liturgie 1908 (Neue Studien z. Gesch. d. Theol. u. Kirche, hrsg. von Bonwetsch und Seeberg Bd. V). In dieser L. finden wir zwei Gebete speziell als τοῦ Χρυσοστόμου bezeichnet) Swainson 89. 90. Brightman 315, 319. Baumstark nr. 13, 16), aber es fehlen uns sonstige Nachrichten über liturgische Betätigung des Heiligen.
Liturgia S. Jacobi ist die L. von Jerusalem. Der griechische Text ist in mehreren Handschriften erhalten, die Swainson 215- 332 in Parallelkolumnen nebeneinander gedruckt hat; Brightman 31–68 gibt den Text nach einer Hs. des 14. Jhdts. Die älteste Hs. ist der von Cozza-Luzi in der Nova Patrum Bibliotheca X 2, 29–116 abgedruckte Vat. gr. 2282 saec. X. Alle diese Hss. gehen auf eine Redaktion zurück, die zwischen 670 und "87 stattgefunden hat. Die syrische Gestalt der Jacobusliturgie, die heut noch bei den Syrern in Gebrauch ist, haben uns zahlreiche Hss. erhalten. Kritische Ausgabe von Ad. Rücker, Die syrische Jakobosanaphora 1923 (Liturgiegesch. Quellen, hrsg. v. Mohlberg Heft 4) mit deutscher Übersetzung resp. Rekonstruktion der griechischen Vorlage. Dort auch alle weitere Literatur. Engi. Übersetzung bei Brightman 69–110. Eine armenische Rezension der Jakobusliturgie teilt Baumstark Oriens christ. N. S. VII 1ff. in lat. Übersetzung mit. Auf syrischem Gebiet hat eine sehr lebhafte Neubildung von L. stattgefunden, meist in starker Anlehnung an die griechischen Typen: jedes syrische Missale bringt eine Anzahl derartiger Texte. Eine syr. Lit. S. Athanasii edierte Baumstark im Oriens christ. II 96.-129. Die vollständigste Sammlung in lateinischer Übersetzung gibt Re-naudot Liturgiarum Orientalium collectio Vol. [802] 11, Paris 1716 (Nachdruck Frankfurt 1847). Die Nestorianer gebrauchen ferner die stark abweichende ,L. der Apostel Adai und Mari¹, lat. bei Renaudot II 587–597, engl. bei Brightman 252–305. Fragmente einer syrischen Liturgie saec. VI edierte C ὁ ἡ ἡ ὁ 11 y’ im Oriens christ. N. S. ΣΙΙ (1925) 99–128 (vgl. Brightman 511–518).
Die älteste uns bekannte ägyptische L. ist im Euchologion des Serapion von Thmuis als nr. 13 erhalten (Didasc. et Const. apost. ed. Funk II 172. Lietzmann Liter. Texte VI 30 = Kl. Texte 61); sie umfaßt das Eucharistiegebet mit dem Sanctus, die Einsetzungserzählung, doppeltes Epiklese und anschließendes Für-bittgebet und zeigt einen ursprünglich ganz eigenartigen, aber unter syrischem Einfluß fortgebildeten Typ (Wobbermin in Texte u. Untersuch. N. F. II 3, 1890. Drews in Ztschr. f. Kirchengesch. 1900, 291ff. Baumstark in Röm. Quartal-schr. 1904, 123ff. Brightman Journal of Theol. stud. 1900, 88ff. 247ff. Schermann Ägypt. Abendmahlsliturgie lOOff.). Sodann ist ein liturgisches Fragment auf Papyrus aus dem 7./8. Jhdt. von Bedeutung, das in Der Balyzeh gefunden und von Punit in der Revue Bénédictine XXVI (1909) 34ff. publiziert worden ist (auch in Cabrols Diction, d’archéol. ehret. II 2, 1881ff.). Schermann hat es in Text. u. Unters. III. Reihe Bd. 6, Heft 1b 1910 in der richtigen Reihenfolge der Blätter neu ediert. Vgl. weiter Brightman Journ. Theol. Stud. XII (1911) 310f.
Die übliche L. Ägyptens ist die Liturgia S. Marei, nach mehreren Hss. in Parallelkolumnen ediert bei Swainson 2–73, nach einer Hs. saec. XII bei Brightman 113–143. Dieselbe L. ist in der koptischen Kirche als L. des hl. Kyrillos bekannt und in Gebrauch: engl. bei Brightman 158–188, lat. bei Renaudot Vol. 138–52 (gekürzt), koptisch in jedem koptischen Euchologion, z. B. dem von Tuki (Missale copt. et arab. Rom 1736) oder dem in Kairo 1898 gedruckten Ἐνχολόγιον. Eine Pariser Hs. des 14. Jhdts, hat uns zwei griechische L. Ägyptens bewahrt, in denen sich deutlich die Kontamination mit dem byzantinischen Typus zeigt: die ,ale-xandrinische* Basilius-L. (Renaudot I 57–89) und die ,alexandrinische‘ Gregorios L. (Renaudot 190–126). Eine lateinische Über-50 setzung der koptischen (bohairischen) Form dieser L. gibt Renaudot I 1–25 (Basiliuslit.) und 26–38 (Gregorios). Sahidische Bruchstücke von beiden L. mit deutscher Übersetzung und Rekonstruktion der griechischen Vorlage von Lietzmann Oriens christ. N. S. IX 1–19.
Zur Einführung in die orientalischen L. ist sehr brauchbar Th. Schermanns Einleitung zu Storfs Übersetzung griechischer L. in der Bibl. d. Kirchenväter Bd. V 1912, wo auch gute Literaturangaben. Ferner A. Baumstark Die Messe im Morgenland 1906 = Sig. Kösel Bd. VIII; ders. Vom geschichtlichen Werden der Liturgie 1923 = Eccl. orans Bd. X.
Die abendländischen L. sind im Art. Sacramentarium (s. Bd. I A S. 1664-1667) aufgezählt. Hier folgen einige Nachträge: zu Nr. 2 ,Das fränkische Sacramentarium Gelasianum‘ in alamannischer Überlieferung edierte K. [803] Mohlberg O. S. B. aus dem Sangallensis 348 (e. a. 800) in den Liturgiegesch. Quellen Heft 1/2 (1918). P. Cagin Le sacramentaire gélasien d’Angoulême (= Paris, lat. 816 saec. VIII), Angoulême 1919. Zu nr. 3: Das Sacr. Gregor, nach dem Aachener Urexemplar, 1921, hrsg. v. Lietzmann = Liturgiegesch. Quellen Heft 3. Dazu ders. in Miscellanea Ehrle II 141–158. Dold Ein vorhadrianisehes gregorianisches Palimpsest-sakramcntar 1919 - Texte und Arbeiten hrsg. 1 v. Beuron Abt. I Heft 5; aber die Hs. ist karolingisch, vgl.Mohlberg Theol. Rev. 1919, 210ff. 327ff. H. Dausend O.F.M. Das älteste Sakra-mentar der Münsterkirche zu Essen 1920. Zu nr. 4: Rekonstruktion einer gallikanischcn Messe bei Lietzmann Ordo missae Romanus et Galli-canus 3, 1923 (Kl. Texte 19) 21–29. Missale Qothi cum ed. H. M. Bannister 1917–1919 = Henry Bradshaw Society Vol. 52, 54. Zu nr. 6: de Bruyne Une messe gallicane inédite aus: dem Paris. 256 saec. VII. Zu nr. 7: The Bobbio Missal ed. E.A.Lowel917-1924(= H.Bradshaw Society Vol. 53 vollständiges Faksimile der Hs.!, 58 Text, 61 Notes and Studies von Wilmar t, Lowe, H. A. Wilson), nr. 11: The Stowe Missal ed. F. Warner 1906–1915 (= Bradshaw Society Vol. 31 vollständiges Faksimile der Hs., 32 Text mit Einl. und Register), nr. 12: Die wichtige Hs. von Bergamo saec. IX ist ediert im Auctarium Solesmenee, Séries litur- i gica Tom. I, Vol. I fasc. 1 Codex sacram. Bergo-mensis 1900. Grundlegend für die ambrosianische L. das Missale Ambrosianum duplex e schedis A. Ceriani edd. Ratti et Magistretti 1913 (- Monumenta sacra et profana IV). Wichtig auch B. Wilm art Une exposition de la messe ambrosienne im Jahrb. f. Liturgiewissenschaft II (1922) 47–67. Ein alle französischen Bibliotheken umfassender Handschriftenkatalog ist V. Leroquais Les sacramentaires et les missels manuscrits des bibliothèques publiques de France. 4 Bde., Paris 1924.
Zu diesen den (Gemeinde-)Gottesdienst an Sonn- und Festtagen regelnden liturgischen For-mularien treten nun die Ritualbücher, welche die L. für die übrigen heiligen Handlungen enthalten. Die Forschung auf diesem Gebiet ist noch weniger vorgeschritten als beim Gemeindegottesdienst. Es seien hier nur die wichtigsten Quellcnpublikationen genannt. Für die griechische Kirche ist von größter Bedeutung das als ganzes noch immer nicht publizierte Euchologion Barberinianum (Cod. Barber. III 55 saec. VIII); vgl. Brightman p. LXXXVIIIf., wo auch andere Hss. genannt sind. Znsammenfassend J. Goar Εὐχολόγιον sive Rituale Graecorum, Paris 1647 (Nachdruck Venedig 1730). Aus armenischen Quellen schöpft die englische Publikation von Conybeare Rituale Armenorum 1905 ein überaus wertvolles Material, das u. a. zur Rekonstruktion des Alt-Jerusalemer Festritus dient (das Old Armenian Lectionary p. 507–527). Für den modernen rassischen Ritus eine große Reihe von Textausgaben mit deutscher Übersetzung von A. v. Maltzew 1892–1904. Viel Material orientalischer Herkunft bei Jos. Al. Assemani Codex liturgicus universao ecclesiae, Rom 1749–1766 (anast Neudruck, Paris), namentlich in Bd. VIII [804] und IX. Lateinische Übersetzangen bietet H. Denzinger Ritas Orientalium Copt. Syr. et Annen, in administr. sacram., â Bde., 1853–1854. Für die abendländischen Riten von erheblicher Bedeutung sind auch die sog. Ordines Romani, Beschreibungen der L., die MabillonMus. Italicum, Paris 1689 (= Migne P. LXXVIII) ediert hat: die älteren von ihnen gehen ins 8. Jhdt. und im Grundstock auf eine noch frühere Zeit zurück (s. Koesters Stud. zu Mabillons röm. Ordines 1908). Hier wird nicht nur die Messe, sondern auch die Taufe mit ihren Vorbereitungsakten, die Ordination, die Riten der Karwoche u. a. m. behandelt. Daraus sind die späteren Ritualbücher des Abendlandes herausgewachsen. Grundlegend ist das Werk von Ed. Martène De antiquis ecclesiae ritibus libri IV ed. 2, Antwerpen 1736–1738; aus neuerer Zeit mehrere Publikationen von A. Franz Das Rituale von St. Florian 1904; Die Rituale des Bischofs Heinrich I. von Breslau 1912 und sein zusammenfassendes Werk Die kirchlichen Benediktionen im Mittelalter, 2 Bde. 1909, wo weitere Quellennachweise. Über das kanonische Stundengebet (Brevier) besitzen wir das Werk von S. Bäumer Gesch. d. Breviers 1895. Batiffol Histoire du Bréviaire Romain³ 1911. Für den Orient Baumstark Festbrevier u. Kirchenjahr bei den syrischen Jakobiten 1910 (= Studien z. Gesch. und Kultur d. Altert., herausgegeben von Drerup u. a. III 3–5). Zur ersten Orientierung s. Lietzmann Einführung in d. röm. Brevier (= Kl. Texte 141).