RE:Lucilius 22

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Bassus, Sex. Von Vitellius 69 n. Chr. zum Kommandanten der kaiserl. Flotte
Band XIII,2 (1927) S. 16401642
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22) Sex. Lucilius Bassus (die Angabe seines Vornamens findet sich nur in den Militärdiplomen). Er war zuerst Praefect einer Ala und [1641] 1641 Lucilius (Bassus)

wurde von Vitellins (im J. 69 n. Chr.) sogleich zum Kommandanten der kaiserlichen flotte, und zwar ausnahmsweise der vereinigten beiden Flotten, der Classis Ravennas und der Classis Mise-nensis, erhoben. Doch genügte selbst das seinem Ehrgeiz nicht; er strebte die Würde eines Prae-fectue praetorio an, und da er sie nicht erlangte, sann er auf Verrat. Er verband sich in Ravenna mit (Ä.) Caecina (Alienus) zum Abfall von Vitellins und zum Anschluß an den im Osten er-10 hobenen neuen Kaiser Vespasian. Es gelang ihm um so leichter, die ravennatische Flotte zum Abfall zu bewegen, als sie nach der treuen Gefolgschaft, die sie dem Otho geleistet hatte (Tac. hist. I 87. II 11. 14. 15. 28. 32; Agr. 7), nur ungern Vitellins gehorchte; außerdem setzte sich die Mannschaft zu einem großen Teil aus Dal-matern und Pannoniern zusammen, also Angehörigen von Provinzen, die bereits auf Vespa-sians Seite standen (Tac. hist. II100.101. III 12). 20

Der Vorgang der Abfallsbewegung geht aus Tac. hist. III 12 nicht ganz klar hervor; L. nahm jedenfalls eine zaghafte Haltung ein, und vielleicht deshalb erhob die Flotte an seiner Stelle den Procurator von Pannonien Cornelius Fu-scus zu ihrem Kommandanten, der sogleich herbeieilte, während L. in Haft genommen und nach Atria gebracht wurde. Allerdings wurde er dann durch die Intervention des kaiserlichen Freigelassenen Hormus wieder befreit und Vespasian 30 beließ ihn im Flottenkommando; vgl. auch Tac. hist. III 6. 13. 36. 40.

Wahrscheinlich schon auf die Nachricht von dem Verrat des L. hatte Vitellins (vgl. Tac. III 36) ihm einen Nachfolger im Kommando der Flotte von Misenum gegeben, den Claudius Apollinaris (Tac. III 57. 77; vgl. 76); aber auch diese Flotte fiel von Vitellins ab (Tac. III 56. 57. 76. 77). Dennoch wurde Claudius Apollinaris als Befehlshaber der Flotte von Vespasian nicht be-40 stätigt, sondern L. auch in Misenum wieder als Praefect eingesetzt; er wurde nach dem Tode des Vitellius (in den letzten Tagen des J. 69) mit Reiterei nach Kampanien geschickt, um dort die Ordnung wieder herzustellen (Tac. IV 3).

Bis mindestens April 71 stand er an der Spitze beider Flotten, wie wir aus Militärdiplo-men sehen. Wir kennen nicht weniger als vier solche Urkunden, die seinen Namen nennen, drei davon sind an demselben Tage, am 5. April 71, 5C ausgestellt, uixl zwar auf Grund derselben Kaiserkonstitution: 1. CIL III 1959[1] dipl. IX = Dessau I 1990 und 2. Cagnat Compt. rend, de Facad. des inscr. 1920, 427. 429 für die das-sis Misenensis, 3. CIL III 850[2] dipl. VII (p. 1959 dipl. VIII) = Dessau I 1991 für die classis Ravennas, 4. eine vom 9. Februar 71 wieder für die classis Misenensis, Kubitschek Östen. Jahresh. XVII 151f., Taf. III. IV.

L. gehört zu den Männern des Ritterranges, 6( die Vespasian für ihre Verdienste in den Senatorenstand erhob (Tac. hist. II 82; vgl. Pick Ztschr. f. Num. XIII 1885, 208, 8); es ist nämlich kaum zu bezweifeln, daß er identisch ist mit dem kaiserlichen Legaten in Judäa wahrscheinlich im J. 72, von dem Joseph. bell. lud. VII 163ff. (= Zonar. VI 28f.) berichtet, wenngleich hier sein Name in der Form Λούρος Βάασος [1642] 'Lucilius (Hirnis) 1642:'

überliefert ist. Er war in dieser Stellung der Nachfolger des Sex. Vettulanus Cerialis; wenigstens übernahm er von diesem die Truppen (von Legionen befand sich darunter die Legio X Fre-tensis, Joseph. bell. lud. VII 164), mit denen er die nach dem Falle Jerusalems noch zu bezwingenden Festungen Herodeion, Machairus und Masada erobern sollte. Pas gelang ihm bei Herodeion sehr bald (Joseph. bell. lud. VII 163 = Zonar. VI 28 p. 77 Dind.). Länger dauerte die Belagerung von Machairus, dessen ungemein günstige natürliche Lage noch durch vielfache militärische Befestigungen verstärkt wurde. Bassus ging bei der Belagerung äußerst gründlich und methodisch zu Werke, aber erst die Gefangennahme eines wegen seiner Tapferkeit angesehenen Jünglings aus der Stadt, namens Eleazar, spielte ihm die Festung in die Hände, indem er durch die Drohung, den Gefangenen ans Kreuz schlagen zu lassen, ihre Kapitulation erzwang (Joseph. bell. lud. VII 164–209 = Zonar. 77–79). Dann setzte er den Vernichtungskrieg gegen diejenigen Juden fort, die sich in die Waldschlucht lardes geflüchtet hatten; sie wurden dort sämtlich niedergemacht (Joseph. VII 210–215. Zonar. 80). – Dem L. und dem Procurator Laberius Maximus fiel auch die Aufgabe zu, von Judäa, das durch Kriegsrecht zu einem zinspfiichtigen Lande geworden und dessen Boden dem römischen Staat als Eigentum anheimgefallen war, in diesem Sinne Besitz zu ergreifen (Joseph. 216f.). Ehe er aber die Eroberung des Landes durch den Fall der letzten, in den Händen der Aufständischen befindlichen Festung Masada vollenden konnte, starb er; sein Nachfolger wurde (L.) Flavius Silva (Norius Bassus), Joseph. 252 = Zonar. VI 29 p. 81. Vgl. Schürer Gesch. d. jüd. Volkes I®⁴ 637. 644. Prosop. imp. Rom. II 302f., 283.

[Stein. ]
  1. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 1959.
  2. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 850.