20) L. Lucretius Flavus Tricipitinus. Im J. 361 = 393 sind zum ersten Male, nachdem fünfzehn Jahre hindurch nur Consulartribunen gewählt worden waren, wieder zwei Consuln gewählt worden, nach den Resten der Fasti Capi-tolini zunächst L. Valerius Potitus und P. Cornelius Maluginensis (vgl. Chronogr.: Potito et Malluginense) und dann an deren Stelle L. Lucretius Flavus und Ser. Sulpicius Camerinus (vgl. Hydat. Chron. Pasch. Liv. V 29, 2 mit allen drei Namen, daraus Cassiodorus ohne Kognomen, ebenso Diod. XIV 99, 1 = XV 8, 1). Derselbe L. Lucretius ist dann im Laufe von wenig mehr als einem Jahrzehnt viermal Consulartribun gewesen, nämlich 363 = 391 (Chronogr. Liv. V 32, 1f. Diod. XIV 107, 1 = XV 15, 1), 366 = 388 (Liv. VI 4, 7. Diod. XV 23, 1), 371 = 383 (Chronogr. Liv. VI 21, 1. Diod. XV 38, 1 ohne Pränomen) und 373 = 381 (Chronogr. Liv. VI 22, 5. Diod. XV 48, 1). Ein Kognomen gibt ihm Diodor nirgends und Livius nur beim zweiten Tribunat: Tricipitinzts; dieser fügt auch niemals eine Ite-
[1684]
rationsziffer hinzu; Chronographus bietet beim ersten und vierten Tribunat: Tricipitino und beim dritten Flavo III. Es scheint demnach sicher, daß der Consul und der Tribun dieser vier Jahre derselbe L. Lucretius war, was Livius nicht merkte, und von den Fasti Capitolini mit den beiden Cognomina Flavus und Tricipitinus bezeichnet wurde. Die häufige Wiederkehr desselben Namens in den Fasten eines so kurzen 10 Zeitraums spricht für seine Bedeutung; Spuren davon finden sich auch in den Annalen. Für das Consulatsjahr beweist die Übereinstimmung von Livius und Diodor einerseits die Führung eines erfolgreichen Krieges mit den Aequern (Liv. V 29, 5. Diod. XIV 102, 4) und anderseits die Aufteilung des eroberten vejentischen Gebiets (Liv. V 30, 8. Diod.) und für das erste Tribu-natsjahr einen Feldzug gegen Volsinii (Liv. V 32, 2. Diod. XIV 109, 7); an allen diesen Be-20 gebenheiten hatte nach Livius L. großen Anteil.
Die Aufteilung des vejentischen Gebiets war nach Livius eine Entschädigung der Plebs nach Ablehnung des Planes, den Sitz der Macht von Rom nach Veji zu verlegen, und dieser Plan soll nach der gallischen Katastrophe von neuem erwogen worden sein. In dem Bericht des Plut. Camill. 32, 1–3 über die dahin gehende Beratung des Senats von 365 = 389 erscheint L. als der, welcher gewöhnlich zuerst um seine Meinung befragt 30 wurde, und damals, durch ein vorbedeutendes Zeichen bestimmt, seine Ansicht dagegen abgab; diese Rolle ist ihm zugeteilt worden, weil unter seinem Consulat jener Übersiedlungsplan zuerst erwogen und abgelehnt worden war, und weil der in den Fasten auf zahlreiche Consuhrtribu-nen folgende erste Consul für den ranghöchsten Senator gehalten werden durfte. In einem der drei ersten Tribunate ist sein Amtsgenosse im Consulat, Ser. Sulpicius, immer wieder unter 40 seinen Kollegen gewesen.