RE:Lutatius 4
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Catulus, C., cos. 242 v. Chr. | |||
| Band XIII,2 (1927) S. 2068–2071 | |||
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50 4) C. Lutatius Catulus, Sohn eines C. und
Enkel eines C. (Fasti Cap. Acta triumph.), älterer Bruder des Q. Lutatius Cerco Nr. 13 (Zonar. VIII 17), wurde als erster seines Geschlechts zum Consul gewählt, und zwar für 512 = 242 mit dem Flamen Martialis A. Postumius Albinus (Fasti Cap. Chronogr. Hydat. Chron. Pasch. Liv. XXIII 13, 3. Eutrop. II 27, 1. Cassiod.). Damals war in Rom beschlossen worden, noch einmal den Krieg zur See* nach fast fünfjähriger Unter-60 brechung wieder aufzunehmen, wofür 200 Penteren aus Privatmitteln erbaut wurden (Polyb. I 59, 1–8). Der Oberpontifex L. MeMlus, der als zweiter Plebeier soeben diese Würde erlangt hatte, untersagte dem patrizischen Amtsgenossen des L. auf Grund seiner priesterlichen Pflichten, die Stadt Rom zu verlassen (Liv. ep. XIX. XXXVII 51, 1f. Val. Max. I 1, 2. Tac. ann. III 71), und verschaffte so seinem eigenen Standesgenossen [2069] 2069
Lutatius
L. mit dem Flottenkommando die Gelegenheit, sein und seines Hauses Glück und Ruhm für alle Zeiten zu begründen (vgl. Röm. Adels-Parteien 261). Allerdings wurde dafür dem Praetor urbanus ein zweiter Praetor zur Seite gestellt (Liv. ep. XIX) und nun der Praetor urbanus Q. Valerius Falto neben L. mit dem Oberbefehl beiraut (Val. Max. II 8, 2. Oros. IV 10, 5. Zonar. VIII 17Anf., vgl. Mommsen St.-R. Π195,1. 196, 2). Im Anfang des Sommers 1 trafen sie auf dem Kriegsschauplätze ein; die festen Stellungen der Karthager in Drepana am Fuß des Eryx und in Lilybaion wurden nunmehr wieder zur See vollständig blockiert und mit größerem Nachdruck angegriffen; gleichzeitig wurden in Erwartung eines feindlichen Entsatzversuches von Afrika her die Flottenmannschaften unablässig eingeübt. Bei einem Sturmangriff auf Drepana wurde L. von einem Katapultgeschoß schwer am Schenkel verwundet (Varro de vita p. R. III bei Non. 552, 22. Val. Max. II 8, 2. Eutrop. II 27, 1. Oros. IV 10, 5. Zonar. VIII 17 Ant), so daß er beim Erscheinen der karthagischen Flotte seine Bewegungsfähigkeit noch nicht wieder erlangt hatte. Aber es kam vor allem auf die Raschheit des Entschlusses an (u. a. gut betont von Liv. XXII 14, 13 in einer Rede), und darin liegt das große Verdienst des L.; deshalb gebührte ihm der Ruhm des Sieges bei den Aegatischen Inseln und der glücklichen; Beendigung des ganzen Krieges, auch wenn er in der Schlacht selbst dem Valerius Falto die Leitung überlassen mußte (Val. Max.). Der Tag der Entscheidung war der 10. März (Eutrop. 11 27, 2), offenbar des neuen J. 513 = 241 (vgl. u. a. Le uze Deutsche Literaturztg. XXV 674f. De Sanctis Storia dei Romani III 1, 264–267). Die Hauptquelle, Polyb. I 60, 1–62, 2 berichtet darüber: Die Karthager rüsteten nach dem Wiederauftauchen einer römischen Seemacht ebenfalls eine Flotte aus und schickten sie unter Führung des Hanno mit reichen Vorräten, Kriegsmaterial und neuausgehobenen Mannschaften ihren noch in Sizilien unter Hamilkar Barkas kämpfenden Streitkräften zu Hilfe. Sie ankerte bei Hiera, der westlichsten der Aegatischen Inseln, wollte, sobald günstiger Segelwind sich erhob, an den Eryx heranfahren, hier ihre Ladung löschen und Hamilkar mit seinen kriegserprobten Soldaten an Bord nehmen. L. wollte es dazu nicht kommen lassen; er nahm seinerseits erlesene Mannschaften des Landheers auf die Schiffe, ging bis Aegusa, der südöstlichen Insel der Aegaten-gruppe vor und traf alle Anordnungen, um am folgenden Tage die Seeschlacht zu liefern. Obgleich sich am frühen Morgen der von den Karthagern erwartete Westwind erhob, fuhr er ihnen in einer langen Frontlinie entgegen und erfocht mit seinen schnell beweglichen Schiffen und seinen wohl ausgeruhten, gutgeschulten und kampftüchtigen Mannschaften in kurzer Zeit einen vollständigen Sieg über die schwerbcladenen Fahrzeuge der Feinde, deren Leute von der Überfahrt ermüdet und für den Kampf noch nicht vorbereitet waren; er bohrte fünfzig Schiffe in den Grund, nahm siebzig mit ihrer Bemannung und brachte nicht wiel weniger als 10000 Gefangene ins Lager bei Lilybaion; den Rest der [2070] Lutatius 2070.
Seinigen führte Hanno zunächst nach Hiera zurück. Die übrigen Schlachtberichte heben soweit sie etwas ausführlicher sind, die ausschlaggebenden Umstände ganz übereinstimmend hervor (Flor. 1 18, 33–37. Eutrop. II 27, 1. Oros. IV 10 5–8. Diod. XXIV 11. Zonar. VIII 17; kurze Erwähnungen Liv. ep. XIX. XXII 14, 13 XXIII 13, 3f. XXVIII 38, 9. 41, 3. XLV 38, 4.’ Nep. Handle. 1, 3. Sil. Ital. VI 684–688. Auct
Ode vir. ill. 41, 1. Ampel. 46, 3. Ined. Vatic. 4 [beiDrachmann Diodors röm. Annalen 70,4ff.]), gehen aber stark auseinander hinsichtlich der Stärke beider Flotten und der Verluste. Auf der einen Seite steht Diod. XXIV 11; Römische Flotte 300 Kriegsschiffe und 700 andere Fahrzeuge, ingesamt 1000; punische Flotte 250 Kriegsschiffe und dazu noch Lastschiffe; karthagische Verluste 117 Schiffe, davon 20 mjt Bemannung, römische 80 Schiffe; karthagische Gefangene nach 20 Philinos 6000 Mann, nach anderen 4400. Offenbar ist Philinos die Quelle für alle diese Angaben; er wollte die Übermacht der Römer und deren Verluste möglichst groß darstellen und die karthagischen abschwächen; die Gesamtzahl der panischen Schiffsverluste bei ihm, 117, ist fast dieselbe wie bei Polybios, 120; den 20 mit Bemannung genommenen Schiffen entsprechen die 6000 Gefangenen des Philinos, da die Pentere mit 300Ruderern bemannt war (vgl. Polyb. 196, 7). 10 Auf der andern Seite steht Livius in den Auszügen des Ἐπῖτορ. H 27, 2 und Oros. IV 10, 5–7: Römische Flotte 300 Schiffe (ebenso Auct. de vir. ill. 41, 1); karthagische Flotte 400 Schiffe (sogar 600 vir. ill. a. O.); karthagische Verluste 63 Schiffe genommen, 125 versenkt, 32000 Mann gefangen, 13000 (Eutrop., 14000 Oros.) tot; römische Verluste .12 versenkte Schiffe. Hier stimmt die römische Flottenstärke mit der Zahl der Kriegsschiffe bei Philinos, 300, gegen Polybios, 40 200; sonst tritt hier das entgegengesetzte Streben nach Vergrößerung des römischen Sieges hervor. Polybios hat zwischen den Übertreibungen beider Parteien die Mitte zu halten gesucht (so auch Meltzer Gesch. der Karthager 11 584); immerhin könnte bei ihm die Zahl der Schiffe des L. ein Versehen (διαχοσίων statt τριακοσίων) oder eine Ungenauigkeit sein (nur die neugebauten, nicht die noch vorhandenen älteren Schiffe). Die geschlagenen Punier setzten von Hiera bald ihre 50 Fahrt nach Karthago fort (Diod. Zonar.), wo ihr
Führer Hanno seine Niederlage am Kreuze büssen mußte (Zonar.). Nach den römischen Berichten griff der siegreiche L. noch die punische Stellung am Eryx an und tötete dabei 2000 Feinde (Oros. IV 10, 8); das ist schwerlich ganz zutreffend. Karthago war jetzt außerstande, den Krieg fortzusetzen, und beauftragte Hamilkar mit den Friedensverhandlungen, auf die L. bereitwilliget cinging, da auch in Rom die Erschöpfung groß 60war (Polyb. I 62, 2–7) und er den Ruhm der
Beendigung des dreiundzwanzigjährigen Krieges nicht seinen Nachfolgern überlassen wollte (Zonar.). Der Wortlaut des zwischen L. und Hamilkar abgeschlossenen Vertrages liegt bei Polyb. 162,8f-vor (vgl. III 21, 2. 29, 3. 30, 3. Liv. ep. XIX XXI 18, 8. 10. 19, 2f. XXX 22. 4. 44, 1. Eutrop. II 27, 2–4. Oros. IV 11, 1. Nep. Hamilc. 1, 5. Sil. Ital. XIII 729–731. Auct. de vir. ill. 41, 2. [2071] 2071
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Appian. Sic. 2, 1f.; wichtig Naev. bell. Pun. VII [frg. 48 Baehr.] bei Non. 474,17ff. mit der Erläuterung von Leo Der Saturn. Vers 35, 5 und jetzt besonders von Cichorius Röm. Studien 51f.); er wurde in Rom nicht ohne weiteres gutgeheißen, sondern es wurde, und zwar unseres Wissens zum ersten Male, eine Zehnerkommission vom Volke gewählt und nach Sizilien gesandt, die dann die Bedingungen hinsichtlich der Kriegsentschädigung verschärlte und hinsichtlich der Gebietsabtretung durch eine später bedeutsame Klausel änderte (Polyb. I 63, 1–3; vgl. über die Kommission Mommsen St.-R. II 643. 692, über den Friedensschluß Meltzer II 350–356). An der Spitze der zehn Kommissare stand der Bruder des L., der neue Consul Q. Lutatius Cerco, und ordnete in vollem Einvernehmen mit ihm den Übergang Siziliens mit Ausnahme des syrakusanischen Reiches aus karthagischem in römischen Besitz (Zonar. VIII 17; vgl. für Einzelheiten Polyb. II 7, 10. Appian. Sic. 2, 2). Am Ende des Sommers kehrte L. nach Rom heim und feierte am 4. Oktober 513–241 den ihm vom Senat bewilligten Triumph (de Poenis ex Sicilia navale [so!] egit Acta triumph. Val. Max. II8.2. Zonar.). Auch Valerius Falto beanspruchte dieselbe Ehre und erhielt sie zwei Tage darauf, am 6. Okt., als Triumphus navalis ex Sicilia doch nicht de Poenis (Acta triumph.), obgleich der Streit über seinen Anspruch bis zu einer förmlichen Sponsio zwischen ihm und L. gediehen und von dem hoch angesehenen A. Atilius Calatinus (o. Bd. II S. 2o8of) zu seinen Ungunsten entschieden war (Val. Max.); vermutlich spielten auch hierbei Gegensätze zwischen dem Patriziat und den im ganzen sizilischen Kriege führenden Plebeiem mit, so daß schließlich der Senat einen Ausgleich suchte (nicht haltbar meine frühere Ansicht De gente Valeria [Berliner Dies. 1891] 60f. und nicht überzeugend die Ausführungen von A. Solari Rivista di filol. XXXIV 131 –136. 139. 140). Sonst ist von L. nur bekannt, daß er der luturna einen Tempel im Marsfeld erbaute (Serv. Aen, XII 139, freilich ohne Pränomen und Zeitbestimmung des betreffenden Lutatius CatulÜs). Da nicht der gefeierte Beendiger des ersten panischen Krieges, sondern nur sein Bruder Cerco Nr. 13, mit dem er von Val. Max. I 3, 2 (oder wenigstens von dessen Epitomatoren Paris und Nepotianus) zusammengeworfen wird, einige Jahre darauf zur Censur gelangt ist, wird er wohl seinen Ruhm nicht viel überlebt haben. Sein Seesieg ist von einem späteren Nachkommen seines Bruders. Q. Cerco Nr. 14, auf Münzbildern verherrlicht werden (s. d. und Willers Studien zur griech. Kunst [Leipz. 1914] 99ff. 103f., dessen Vermutungen aber doch auf einer etwas unsichem Grundlage, der Deutung von Münzbeizeichen als Schiffsschnabel und Katapult, zu ruhen scheinen).