RE:Lydos 1

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Sagenhafter König d. Lyder
Band XIII,2 (1927) S. 22052208
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Lydos (Λυδος). 1) Sagenhafter König der Lyder, nach dem das früher Μηίονες, Μηονες. θαίονες genannte Volk Avôoi heißen sollte.

A. Die Überlieferung über ihn liegt in vielfach abweichender Gestalt vor.

a) Nach Herodot. 17, vgl. VII 74 stammten die Atys ältesten vorherakleidischen (anders u. g) - Könige Lydiens von L., Sohn des Atys. Lydos Xaeh ihnen herrschten in 22 Generationen 505 Jahre lang die Herakleidcn, dann die Mermnaden. Also dachte man sich L. als im 2. Jahrtausend lebend.

Manes

Atys (bleibt) Tyrsenos (wandert aus)


b) Herodot. I 94 kennt als Solin des Atys und Enkel des Manes nicht L., sondern Tyrsenos. Bei einer großen Hungersnot täuschten sich die Lyder 18 Jahre lang durch Würfel-, Astragalen-, Ball-und andre Spiele, die sie eigens zu diesem Zwecke erfanden, über den Hunger hinweg. Endlich teilte der König Atys das Volk;

die eine Hälfte blieb unter ihm im Lande, die andre wanderte unter Tyrsenos aus und besiedelte Umbrien, wo das Volk noch zu Herodots Zeiten wohnte; nach ihrem König hieß dieser Teil Tyr- [2206] Lydos

2206

«euer. – Wenn an dieser Stelle L. nicht als Sohn des Atys genannt wird, so ist das doch kein Widerspruch zu I 7; beide Stellen brauchen sich nicht auszuschließen, weil der Zusammenhang weder Ï 7 Nennung des Tyrsenos noch I 94 die des L, erforderte. Tatsächlich kennt

c) Tac. ann. IV 55 den Stammbaum

Atys den Etrusker unter Tibe-

- rius jen Sardiauern aus-

10 r Teus. _ ; drücklich als richtig bewandert aus) (bleibt), stätigt hatten. Vgl. g.

d) Herodot. 1171 lehrt weitere Brüder des L. kennen. Während nach kretischer Überlieferung die Karer durch Dorier und Toner von den Inseln auf das kleinasiatische Festland vertrieben seien, hielten sie sich selbst für Autochthonen von Kleinasien. Sie beriefen sich dafür auf das alte Heiligtum des karischen Zeus in Mylasa, an dem Myser und Lyder als ihre Stammesgenossen teilhatten 20 (vgl. Strab. XIV 659, wohl nach Herodot.), und darauf, daß Kar, Mysoe und L. Brüder waren; vgl. Herodot. VII 74 Μυοοί.., Λυδῶν ἄποικοι. (ähnlich I 171) und u. Abschn. D. Das Bisherige ergäbe den Stammbaum

Atys

Lydos Tyrsenos Kar Mysos.

e) Dion.Hal. 127 kennt folgenden Stammbaum: Zeus cv Ge Okeanos

30 Manes Kallirrhoe Tyllos

Kotys cv Halic Choraios Asie Atys co Kallithea

Lydos Tyrrhenos (bleibt) (wandert aus),

deckt sich also mit Herodot. I 94, wenn auch nicht völlig (dort bleibt Atys zurück, hier L.) und mit der etruskischen Überlieferung bei Ta-40 citus; aber wenn sich auch die Nachrichten über die Hungersnot und die Volksteilung bei Dionysios wiederfinden, so kann er doch nicht nur aus Herodotos geschöpft haben, da er viel reicheres Namenmaterial bietet.

f) Der Lyder Xanthos, den Dionysios von Halikarnassos sehr rühmt, kannte als Bruder des L. den Torebos, ließ aber die

nicht unter Lydos Torebos -Atys, sondern unter seinen

50 (bleibt) (bleibt) Söhnen vor sich gehen und beide Brüder mit ihren Völ

kern, Lydern und Torebern, in Asien bleiben. – Torrebos kennt auch Nikolaos von Damaskos,

FHG III 370, 22. Bei diesem ist nach ihm die lydische Stadt gleichen Namens benannt; also ließ er ihn wohl ebenfalls im Lande bleiben.

g) Strab. V 219 verbindet die Nachrichten

Atys (bleibt) a b Herodots, macht aber

–---–;--Atys zu einem Abkömmling

60 Lydos Tyrrhenos deg Herakles und der Om_ (wandert aus) phale (ähnlich ist Tyrrhenos Sohn dieser Eltern nach ,einigen* bei Dion. Hal. I 28); vgl. L. Nr. 2.

[h) Ps.-Skymnos von Chios orb. descr. 220 gehört nicht hierher (Irrtum bei Benseler Wörterb. gr. Eigenn. und bei Schirmer Myth. Lex. II 2164, 67); Αὐδος ist hier Volks-, nicht Eigenname]. [2207] 2207 Lydos

i) Schol. Ven. B II. II 461 erklärt αἰσιος λειμῶν mit einem dialektischen ἄσις »Flußschlamm', nach anderen von Asios, Sohn des L.

k) Genesis 10, 22 wird als Sohn des Sem und Bruder des Elam, Assur, Arphaehsad und Aram ein Lud genannt, woraus Schubert Gesch. d. Könige v. Lyd. 1 schließt, die Erfindung eines Eponymos der Lyder rühre nicht von den Griechen her, sondern gehe in uralte Zeit zurück; und tatsächlich faßte Joseph. ant. Iud. I 6, 4 diesen Lud, Aovöasj als Stammvater der Lyder. Jesala 66, 19 kennt Lud als Land.

1) Belanglos sind

Steph. Byz. s. ἰπάίνδα, der den Namen dieser lydischen Stadt mit billiger Etymologie von den Königen Attys und L. ableitet,

Eustath. zu Dion, perieg. 837, GGM II 364f., der von Herodot. I 7, und

Tzetz. Lykophr. 1351, der von Herodot. I 7. 94 abhängt.

B. Inhalt dieser Überlieferung. Aus den vorstehenden Angaben geht soviel hervor,

a) daß nach Herodotos die Lyder nicht von Anfang an so hießen,

b) daß nach freilich nicht allgemein geteilter Ansicht Myser [im Norden Kleinasiens], Lyder [in der Mitte] und Karer [im Süden] stammverwandt waren, also große Teile der Bevölkerung Kleinasiens ethnisch eine Einheit darstellten,

c) daß nach vielfach geteilter Ansicht die Etrusker (oder Umbrer) Lyder waren, daß aber ein Gelehrter der Lyder selbst, Xanthos, dem widersprach.

C. Wert der Überlieferung.

Zu Ba: Nach Schubert a. a. O. 2 wird Herodots Angabe I 7 (o. Aa) durch Hom. H. II 864–866 so gewichtig bestätigt, daß an ihrer Richtigkeit im allgemeinen nicht zu zweifeln sei. Ich vermag aber aus diesen Versen nur herauszulesen, daß ihrem Verfasser die Meïoner als Volk in der Zeit des troischen Krieges bekannt waren. Da hätten sie aber, wenn L. im zweiten Jahrtausend lebte, eigentlich schon Lyder heißen müssen. Also bestätigen die Homerverse Herodots Angabe gerade nicht. – Den Umstand, daß die später Lyder Genannten einst Maioner geheißen hätten, erklärt Schubert 2 so, daß ursprünglich die Maioner Herren des Landes waren und von den später eingewanderten Lydern unterworfen oder vertrieben wurden.

Zu Bb: Ed. Meyer Gesch. d. Altert.¹ faßte Phryger, Myser, Lyder und Karer zu einem einheitlichen indogermanischen Volke der Westkleinasiaten zusammen, nahm dies jedoch ³1913 I 2, 691 (§ 473 Anm.) unter Berufung auf Kretschmer Einl. in die Gesch. d. griech. Spr. zurück; vielmehr hätten wenigstens die Myser nur zahlreiche Elemente der lydischen Sprache in die ihrige aufgenommen. Genaueres läßt sich über die Zugehörigkeit der Lyder erhoffen, wenn auf Grund der amerikanischen Funde in Sardeis die lydische Sprache bekannt geworden sein wird [Enno Littmann Sardis VI, Lydian Inscriptions]. Vgl. noch Toepffer Att. Gen. 196, 2. – Über die Ableitung der lydischen Könige von Heraklee e. Ed. Meyer II 1893, 262 (§ 170 Anm.). Sie beruht nach ihm wohl nicht auf einheimischer Tradition, auf Gleich- [2208] Lydos 2208

Setzung eines lydischen Gottes, von dem das Königshaus abstammte, mit Herakles (wie Ed. Meyer selbst I¹ 256. 400 annahm), sondern [nach griechischer Kombination] auf der Om-phalesage; die lydischen Herakleiden seien in Wirklichkeit nur eine griechische Variante der Atyaden, ihrer angeblichen Vorgänger; Literatur bei Ed. Meyer.

Zu Bc: Toepffer 195 leitet den Namen 10 der Tyrrhener als regelrecht gebildetes Ethnikon von Tyrrha, einer alten Stadt im südlichen Lykien, Etym. M. 771, 55, her. Die Auswanderung infolge der Hungersnot bei Herodot. I 94 sei durch nichts zu verdächtigen und nicht zu ignorieren; Lyder und Tyrrhener seien durch das Mutterrecht verbunden. Dagegen will Ed. Meyer II 501 § 320 Herodot und überhaupt allen antiken Angaben über die lydische Heimat der Etrusker nicht glauben und ebenso G. Körte 20 Art. Etrusker o. Bd. VI S. 731, 56 (s. auch W e e g e Etr. Malerei 65ff.); doch nimmt Körte, trotzdem er Herodots Bericht wegen seiner »völlig* sagenhaften Form ablehnt [eine solche kann ich darin nicht finden], mit Recht Herkunft der Etrusker aus dem Osten an (Kretschmer Glotta XI 276). Inwieweit Verwandtschaft gerade mit den Lydern vorliegt, wird sich wohl ebenfalls erst nach Erforschung der lydischen und etruskischen Sprache und der altlydischen Kultur 30 feststellen lassen; vorläufig ,relationship.., can-not be denied* Littmann 82; ,die Verwandtschaft ... tritt immer klarer hervor’, Karo Athen. Mitt. XLV 1920, 145.

D. K u n s t d a r s t e 11 u n g. L. mit seinen Brüdern Kar und Mysos sieht zweifelnd Mendel Cat. des Sculpt. grecques, rom.... d. Musées imp. ottom. I 446. 468 auf einer Platte (Reinach Rép. Rei. I 174, 25) des Frieses vom Hekate-tempel in Lagina, Karien, wohl aus dem letzten 40 Viertel des 1. Jhdts. v. Chr.; die drei Brüder werden von Hermes (als παιδοτρόφῦζ) unter den Schutz des karischen Zeus und der Hekate gestellt. Es würde jedoch auffallen, die drei Brüder, die Völker repräsentieren sollen, als Kinder dargestellt zu sehen. Was Men del hierfür beibringt, befriedigt nicht; die von ihm angezogenen Denkmäler stellen allerdings Kinder als Repräsentanten einer Bevölkerung dar, aber mit Vater oder Mutter, so auf einer Großbronze 50 Nervas Italia mit Söhnchen und Töchterchen. Das ist doch wohl etwas anderes.

[Lamer. ]