RE:Lysanias 8

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Von Kyrene, gr. Grammatiker u. Lehrer d. Eratosthenes
Band XIII,2 (1927) S. 25082511
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8) L. aus Kyrene, griechischer Grammatiker und Lehrer des Eratosthenes (vgl. Suid. s. Ἐρατυσθένης). Nach Athen. VII 304 B. XIV 620C verfaßte er eine Schrift περὶ ἰαμβοποιάν, XI 504 B wird er dagegen ohne Angabe des Buchtitels als Gewährsmann für den Gebrauch von κρατηρίζειν bei Herodoros erwähnt. Kaibel z. St. erschien eine derartige lexikologische Notiz zu dem alten Mythographen so unwahrscheinlich, daß er, wohl um das Zitat derselben Schrift zuweisen zu können, eine Verwechslung mit dem Mimographen Herondas vermutete. Die von Athenaios im Wortlaut angeführte Stelle zeigt aber keine Spur eines iambischen Rhythmus, auch war der Grammatiker [2509] ein enger Zeitgenosse des Dichters, während doch gleich darauf, was Kaibel Übersah, Sophron (d τοὺς μίμους πεποιηκώς) als ein noch älterer Zeuge als Herodoros für jene Glosse, vermutlich ebenfalls aus L., angeführt wird. Was wir sonst über die wissenschaftliche Tätigkeit des L. wissen, beschränkt sich auf einige Bemerkungen zu Homer und Euripides, die sich in unseren Scholien erhalten haben.

Der Versuch, unsere Kenntnis seiner Leistungen zu erweitern, war daher wohl begreiflich, er ist aber bisher erfolglos geblieben. Wenn ich trotzdem darauf eingehe, so geschieht es, weil der erste Schritt nach jener Richtung seltsamerweise widerspruchslosen Beifall gefunden hat, zuletzt noch bei C. Robert Oedipus Ö 57. Tzetzes Proleg. in Hesiod. op. p. 30 G. berichtet, καθώς ὁ Κυρηναῖος Λυσίμαχος ἐν τῷ πρώτψ περὶ ποιητῶν Ἰστορεί, daß sich die zwei feindlichen Brüder Helikon und Kithairon befehdet hätten, 2 und in Chil. VI 917ff. fügt er hinzu, daß sie sich wie die Söhne des Oidipus gegenseitig getötet hätten, ὡς ἔγραψε Λυσίμαχος ἄνηρ ὁ Κυρηναῖος. Die sehr selten erwähnte Verwandlungssage findet sich zuerst, wie es scheint, bei Korinna, die Lysimachos nachweisbar in den Θηβαῖκα παράδοξα zitiert hatte (vgl. Schot Eur. Phoen. 26), was für das Folgende nicht ganz belanglos ist. Da nun L. als Verfasser einer Schrift περὶ ἴαμβοποιων bezeugt ist (s. o.) und dreimal (Athen. XI ! 504 B. Schot Hom. Il. IX 378. Suid. s. Ἐρατοσθένης) ὁ Κυρηναῖος genannt wird, Lysimachos dagegen sonst nirgends dieses Ethnikon erhält, so vermutete wohl deshalb C. Müller FHG III 334. 342, wie übrigens schon vor ihm Stiehle Philot IV 100, daß Tzetzes versehentlich, und zwar gleich zweimal – es handelt sich überdies um zwei zeitlich weit aussinanderliegende Werke! – Lysimachos statt L. verschrieben habe, wobei außerdem ohne weiteres vorausgesetzt wird, -daß die Schrift entgegen der wiederholten Angabe des Athenaios περὶ ποιητῶν betitelt war. Die methodisch höchst bedenkliche Konjektur ist aber auch aus sachlichen Gründen abzulehnen, denn gerade für thebanische Sagengeschichte war jenes Werk des Lysimachos eines der am meisten benutzten Quellen; s. den Art., wo auch eine Erklärung des Titels περὶ ποιητῶν gegeben ist. Weiter als C. Müller, eine hinfällige Hypothese auf der anderen auf bauend, ging dann Baumstark Philol. LIII 708–716, der ein umfangreiches Werk des L. περὶ ποιητῶν, mit Teiltiteln wie περὶ ἰαμβοποιῶν, ἐποποιῶν und τραγικῶν annimmt. in dem sich die zitierten Stellen leicht unterbringen ließen. Da ferner L. einmal in den Euripidesscholien als Tadler des Dichters erscheint, so seien alle ähnlichen polemischen Äußerungen in diesen Scholien – sie sind bekanntlich sehr zahlreich – ebenfalls auf ihn znrück-zuführen. Die zunächst in Frage kommende Stelle findet sich Schol. Eur. Andr. 10 ριφέντα πύργων] Λυσανίας – wofür man umgekehrt ganz willkürlich, wie schon aus dem folgenden erhellt. Λυσίμαχος hat s-hreiben wollen – κατηγορεὶ Εὐριπίδον κακώς λέγων αὐτὸν ἔξειληφεναι τὸ πορ 'Ὀμήρω (II. XXIV 735) ... οὐχ ὡς πάντως γενόμενον... Ξάνθον δὲ ... Στησίχορον μετ γαὸ ὠττορεῖν... ω ἤκολουθηκεναι Εὐριπίδης... Λῖ¹- [2510] σίμαχος er τῷ δευτέρω τῶν Νόστων ἀνέγραφεν κτλ. Wir haben es hier mit einem ζήτημα παρ Ἰστορίαν zu tun, von dem v. Wilamowitz Eur. Herakl. I 136, 23 sagt, daß es das einzige von einem Grammatiker aus der ersten Hälfte des 3. Jhdts sei, was wohl, wie aus den Homerscholien a. a. O. erhellt, dahin zu modifizieren sein dürfte, daß L nicht der Urheber des ζήτημα, sondern nur einer seiner λυτικοί war. Nun erfahren wir 0 aus Schol. Hom. Il. X 682 ἔτ τῷ Μουσείῳ τῷ χατά Ἀλεξάνδρειαν νόμος ἤν προβάλλεσθαι ζητήματα καί τὰς γενομενας λύσεις ἀναγράφεσθαι. Aus diesen ἀναγραφαί ging das alexandrinische Corpus ζητημάτων καὶ λύσεων hervor, das Porphy-rios nach eigener Aussage ausgiebig benutzte; s. Λύσεις. Nichts ist daher wahrscheinlicher, als daß auch L. in Alexandrien lebte, und daß seine λύσεις in jenes Corpus aufgenommen wurden und so zur Kenntnis der späteren ὕπομνη ματισταί gelangten. Eine Spezialschrift περί τραγφδιῶν anzunehmen, in der er als Euripidoma-stix auftrat, sind wir nicht berechtigt. Noch weniger Anlaß haben wir, mit Baumstark Schol. Eur. Hec. 3, wo es sich ebenfalls um ein ζήτημα handelt, wegen der Wendung πολλάκις δὲ υ Εὐριπίδης αὐτοσχεδιάζει ἐν ταίς γενεαλογίαις, ὡς καὶ ἔαυτῳ ἐνίοτε ἐναντία λέγειν dem daselbst gar nicht genannten L, überhaupt zuzuweisen. Über die Kritiker des Euripides, der auch eifrige Verteidi· lOger fand, vgl. W. Eisperger Philol. Suppl.-Bd.

XI 1-76. Gudeman u. Bd. II AS. 665-667 und die dort zitierte Dissertation von L. E. Lord. Wiederum nur als}} λυτικός erscheint L. mehrmals in den Homerscholien. So zu II. IX 378 dvoaνίας δὲ ὁ Κυρηναῖος καὶ Ἀριστοφάνης καὶ Ἀριστούχος man beachte die Zusammenstellung! ἐν κηρὸς μοίρα φασὶ λέγειν τὸν ποιητὴν Δωρικώς μεταβαλόντα τὸ ἡ εἰς ä. Νέσος δὲ ὁ Χίος καὶ τό à μηκύνει οὐδέν φροντίσας τοῦ μέτρου. ἸΟΉρακλείδης δὲ φασιν, ὅτι τὰ ἐκ τοῦ ἡ εἰς βραχυ à μεταγόμενα Ἰωνικὰ ἐστιν, ἄλλ' ὅν Δωριέων συστολαί. ἀντιφράζει μέντοι J ποιητῆς κτλ. Vgl. dazu Aristonikos und Eustathios a. a. O. Eine viel erörterte ἀπορία bildete der Widerspruch in II. XII 438 δς πρώτος ἐσήλατο τείχος Ἀχαιῶν mit dem gleichlautenden Vers in XVI 558, den Schol. B zu letzterer Stelle wie folgt ausdrückt: Πώς ἐτέρωθι λέγων ὁ ποιητῆς τὸν Ἔκτορα πρώτως ἐσάλλεσθαι, νῦν λέγει τὸν Σαρπήδονα; ρητέον 50 οὐν ὅτι τὸ ἐσήλατο ἀντὶ τὸν ἐοάλευσε... καὶ ψιλὸς ἀναγτωστέον καὶ δὶ ἐνός Λ usw. Daß der Urheber dieser λύσις L. war, beweisen Schol. A Ἀρίσταρχος καὶ οἱ ἄπ' αὐτοῦ δασύνουσι, Λυσανίας δὲ ψιλεί mit näherer Begründung, ἄμεινον δὲ πείόεσθαι Ἀριστάρχῳ usw. und die besonders ausführliche Erörterung des Eustathios a. a. O.: ?r δὲ τοῖς 'Ἠροδώρου καὶ Ἀπίωνος φέρεται ὡς οἰ· δεὶ πείθεσθαι Λυσανία... ὥστε οὐτὲ μόνου- Πορφυρίον ἄλλα καὶ Λυσανίου ἐστιν ἡ ρηόεῖσα ἔξη γησις καὶ οὐδὲ πάνν ἀποδάκτέα ἐστὶ τοῖς παλαιοῖς.

οἱ δ' αὐτοί, ὁ Ἀπίων δηλαδὴ καὶ ὁ Ἠρόδωρος... οὐτω γὰρ, φασί, δοκεὶ 'Ἀριστάρχῳ}} USW Aristar-chos verhielt sich meist skeptisch gegen ἀπορίαι und λύσεις (s. d.), wenn er aber hier die διπλὴ πρὸς τὸ ζητούμενον setzte, so war es doch wohl mehr di? Achtung, die er dem L. zollte, als die Sache, die ihn dazu veranlaßte, und nicht minder gilt dies für die Späteren, die seine Ansicht nicht [2511] unterdrückten, obwohl sie sich auf die Seite des Aristarch stellten. Daß aber eine derartige Exegese in einem nirgends bezeugten Buche περὶ ἐποποιῶν bezw. περὶ ποιητῶν gestanden haben sollte, wird außer Baumstark wohl niemand glaubhaft finden. Endlich begegnen wir einer Worterklärung des L., der ebenfalls ein ζήτημα zugrunde liegen dürfte, im Etym. M. s. ὑπερικταίνοντο... Κράτης τὸ ἄγαν ἐπάλλονται (sc. οἱ πόδες Ἐνρυκλείπς) ὑπερεςετείνοντο (VVachsmuth 10 De Cratete 30. 55), Λυσανίας ἐπὶ τοῦ τρέμειν φηαὶ τετάχθαι (was nach Kuhn ken ad Tim. p. 21 eine Lesart wie ὑποακταίνοντο voransetzt) ἡ δασύνεται, ὥστε εἶναι ὑπερικνοῦντο. οἱ δὲ πόδες διικοῦντο διὰ τὴν χαράν ὑπὲρ τὸ μετρον τῆς δννάμεως. Nach dem SchoL Od. XXIII 3. Eustath. a. a. O. und der langen, aber konfusen Auseinandersetzung im Apoll. Lex. 158, 8 hat Aristarch sich der einen Erklärung des L. gegen Krates angeschlossen und das dunkle ἄπαξ εἰρηθενον 20 mit ἰκνεῖσθαι in Verbindung gebracht, eine Auffassung, die nach Lehrs De Aristarchi studiis Hom. 312. 2 auch Verg. Aen. IV 641 studio properabat anili geteilt zu haben scheint. Wie hier zufällig der Name des L. bei einem ganz späten Lexikographen sich erhalten hat, so wird er an gar manchen anderen Stellen in unseren Scholien durch Aristarch verdrängt worden sein; doch fehlen uns sichere Kriterien, diese Fälle zu bezeichnen. Alles in allem wird man dem 30 L. wohl einen höheren Rang unter den alexandrinischen Philologen einräumen müssen, als ihm bisher zuerkannt worden ist.