RE:Lysidike
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Form und Bedeutung des Namens | |||
| Band XIII,2 (1927) S. 2544 | |||
| Bildergalerie | |||
| Register XIII,2 | Register lf | ||
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Lysidike (Λυσιδίκη).
A. Form und Bedeutung des Namens.
An der Form könnte auffallen, daß das vorauszusetzende, ihr zugrunde liegende Adjektiv λυσίδικος trotz der Zusammensetzung dreier Endungen wäre. Aber Namen wie L., Lysimaehe sind nicht adjektivische Feminina, sondern substantivische Zusammensetzungen der Stämme λυσί und δικά, μαχά oder aber selbständige Femininbildungen zu den Mannsnamen; vgl. Λύσιππος Αὐσίππη (s. d.). Kretschmer Glotta XII 103 erklärt Ἀνδρομάχη cum grano salis = ,Frau Andromachos¹. – Über die Länge des υ Drakon von Stratonike 62, 15 Herm.
Cic. Phil. XI 6, 14 übersetzt Lysidicus ‚qui omnia iura dissolvit‘, ,der alles Recht zu schanden macht‘. Aber das kann nur böswillige Verdrehung sein, so wie nachher ein ironischer Wortwitz folgt (Germanum ,einen Germanen⁴ oder germanum ,seinen Bruder‘, o. Bd. I S. 2264, 52); denn ,Rechtsauflöser⁴, ,Rechtsverdreher' tauft wohl niemand sein Kind (außer bei besonderer Veranlassung, s. zu Lysinomos). Wahrscheinlicher ist als Bedeutung ,Prozesse schlichtend⁴ (Pape), gesetzlich Friede machend oder den Streit lösend⁴ (Benseler Wörterb. gr. Eigenn.).
Wenn das richtig ist, so ist der Name prinzipiell wichtig. Für keine der unten zu nennenden mythologischen Lysidikai ist es charakteristisch, daß sie Streite schlichtete (abzulehnen Brauns Erklärung der L. Nr.2 auf der Françoisvase, s. u.; oder daß sie das Recht verdrehte); auch ist von keiner von ihnen anzunehmen, dies sei von ihnen in einer uns verlorenen Überlieferung berichtet worden. Vielmehr ist klar, daß der seiner Bedeutung nach an sich ansprechende Name (vgl. etwa unser Friedrich, Frieda) mythologischen Figuren wie sterblichen Mädchen ohne besonderen Nebensinn gegeben wurde, eben nur, weil er schön und deswegen beliebt war. Daraus folgt – hier einmal besonders deutlich –. daß jene Richtung der mythologischen Forschung, die alle Namen als redend ansieht und aus ihnen die Bedeutung der Träger ergründen will, in die Irre geht. Vgl. u. L. Nr. 2 und den Art. Lysippe Abschn. A.