RE:Lysidike 1
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Tochter des Pelops und der Hippodameia | |||
| Band XIII,2 (1927) S. 2544–2547 | |||
| Bildergalerie | |||
| Register XIII,2 | Register lf | ||
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1) Tochter des Pelops und der Hippodameia, mit ihren fünfzehn Geschwistern, elf Brüdern drei Schwestern und einem Halbbruder, Mant. prov. Paroemiogr. gr. II 94 aufgezählt; derselbe [2545] Stammbaum mit kleinen Abweichungen bei Tzetz. Exeg. II. (in Hermanns Ausg, des Drakon von Stratonike) p. 68; Gattin eines Perseiden, jedoch unsicher, welches (Preller-Robert Gr. Myth. II 602, 5).
Nach Apollod. II 49f. hatten Perseus und Andromeda sechs [nach Schol. Ven. B und Schol. Tcwnl. II. XIX 116 fünf] Söhne. Dreien von ihnen schreibt die im einzelnen unter sich abweichende Überlieferung die Pelopide L, als Gattin zu, während in zwei Fällen eine Parallelüherlieferung auch eine andre Gattin des jeweils Genannten) kennt.
Wir finden L. als
a) Gattin Mestors, Mutter der Hippothoe (und daher Ahne des Taphios, Pterelaos und der Kom-aitho) Apollod. II 50 und damit ganz übereinstimmend Tzetz. Lyk. 932. Eine andre Gattin dieses Mestor ist nicht bekannt;
b) Mutter des Amphitryon nach Paus. VIII 14, 2 [s. Schweitzer Herakles 113f.]. Danach wäre sie nicht Mestors Gattin, sondern die seines Bruders Alkaios gewesen, der allgemein als Amphitryons Vater galt. (Daß sie Alkaios’ Gattin war, ist bei Paus. nicht direkt gesagt, sondern nur aus seinem Texte zu erschließen; Irrtum bei Gruppe Gr. Myth. 513, 3). Diese Version lehnten aber nach Paus. die Pheneaten ab und bezeichneten als Eltern Amphitryons Alkaios und die Pheneatin Laonome, Tochter des Guneus. Anderwärts hieß Alkaios’ Gattin auch Astydameia, Tochter des Pelops, oder Hipponome, Tochter des Menoikeus;
c) Mutter der Alkmene [also Gattin des Perseïden Elektryon, der fast stets als Vater der Alkmene galt] nach Plut. Thes. 7. (Der dort mitgeteilte Stammbaum ergibt Theseus und Herakles als Söhne von Kusinen und L. als Großmutter des Herakles und als Schwester von The-seus’ Großvater Pittheus.) Als Gattin des Elektryon und Mutter von sechs Söhnen kennt L: (ohne Nennung ihres Vaters Pelops) Schot Pind. Ol. VII 49a, als Gattin des Elektryon, Tochter des Pelops und Mutter der Alkmene, dasselbe Scholion 49b und Schol. Townl. Hom. Il. XIX 116, als Mutter der Alkmene und ihrer Brüder Schol. Pind. Ol. 50, als Pelopidin und Mutter der Alkmene, aber ohne Angabe ds Gatten Lact. Placid. comm. in Stat. Theb. VI 6 p. 299, 4 Jahnke; als Gattin des Elektryon und Mutter der Alkmene Schol. Plat. Alkib. 120e. Anderwärts werden als Gattin des Elektryon und Mutter der Alkmene Anaxo oder Eurydike angegeben, als Nebenfrau die Phrygerin Mideia, deren Sohn Li-kymnios schon Pind. Ol. VII 49ff. kennt.
Mehr wüßten wir über L. c) aus dem Papyrus-fragment einer Eoie Hesiods R z a c h³ nr. 245b. Robert Oidipus II 40, über ihre Söhne und wie nach deren Tod in der Schlacht gegen Ta-phier Alkmene die einzige Freude der Eltern bleibt, wenn die Ergänzungen des Papyrus durch v. Wilamowitz DLZ XXXIV 1913, 1865 sicher wären. Wir lernen aber aus dem Papyrus nur Πέλοπος περικαλλέα kennen, und zwar, weil dann von einem Ehebett die Rede ist, II. π. (κουρην?. Welche jedoch der vier (s. o.) Pelops-töchter gemeint war, sehen wir nicht; oder wenn L., so doch nicht, ob, wie v. Wilamowitz [2546] annimmt, grade als Gattin des Elektryon oder L. a) oder L. b); v. 20 ist, wie Nor sa sah, Ἠλ)εκτρυών(η (= Alkmene) möglich. Die Namen der Söhne, soweit sie erhalten sind, Eurybios, Kelaineus und Nomios, geben keine genaue Entscheidung, da wir sie sonst kaum kennen. Für v. Wilamowitz spricht allerdings, daß Kelaineus Schol. Pind. Ol. VII 49a Sohn der L. und des Elektryon ist und daß der ebenda genannte 10Amphimachos sich zu dem Ἄμ... des Papyrus fügt; aber die anderen L.-Söhne des Schol ions passen nicht zu den Namen des Papyrus, und anderwärts ist grade Kelaineus nicht Sohn derL., sondern der Anaxo. So ist die Ergänzung des Papyrus durch v. Wilamowitz (neuerdings ähnlich Körte Arch. f. Pap.-Forsch. VII 116) ansprechend, aber nicht sicher.
Der Belesenheit Grappes (Gr. Myth. 1493, 5) verdanke ich den Hinweis darauf, daß nach 20Nikandros ( Schneider Nieandrealß.; L.nach Schneiders Emendation fürLysiake; die Verse des Nikandros auch bei Westermann Biogr. 62) die Attaliden sich Nachkommen des Herakles und durch diesen solche der Pelopidin L. (c) nannten; dadurch [auf dem Wege Hippodanvda Tantalos] brachten sie sich in die nächste Verwandtschaft mit den mythischen Vorfahren der früheren Herrscher [eher: mit den mythischen Herrschern] in den von ihnen besetzten Gebieten.
In dem großen Wirrsal der Nachrichten a-c ist soviel klar, daß es sich bei den genannten bysidikai nicht um mehrere Figuren in der Weise handeln kann, daß die drei Brüder gleichnamige Gattinnen gehabt hätten, sondern nur um eine L; die Diskrepanz muß im Namen der Gatten stecken. Und zwar, wird sie weniger auf willkürlichen Kombinationen Späterer als auf dem Alter der Sage beruhen. Wie sich nämlich Argo-lis durch die Ausgrabungen als eines der ältesten 40 Kulturgebiete Griechenlands erwiesen hat, so stellen die Perseussagen einen der ältesten Mythenkomplexe dar, Kuhnert Myth. Lex. III 2023, 55. So mag die Verschiedenheit der Überlieferung auf eine Zeit zurückgehen, als die Sagen noch nicht schriftlich fixiert waren, sondern nur mündlich weitergegeben wurden. Nur die Angabe, L. sei Schwester, nicht Tochter des Pelops, in Schol. Pind. Ol. VII 46–48 Abel scheint antikes wirkliches Versehen zu sein.
Ein Versuch, weitere Ordnung in die Überlieferung zu bringen und die Ehe der L. mit einem der drei Perseïden als die ursprüngliche zu ermitteln, könnte darauf hinweisen, daß die Version b schon im Altertum von einzelnen bezweifelt wurde, c aber, weil in der Theseussage auftauchend, als die attische angesehen werden kann; einen Zweifel an b, dessen Berechtigung ich aber nicht recht beurteilen kann, äußert auch Gruppe Gr. Myth. 515, 2. Für a aber 60 spricht vielleicht, daß dem Alkaios und Elek-tryon sonst andre Gattinnen beigelegt werden, deren Namen also für die besser beglaubigten zu halten wären, dem Mestor aber nur L. Dann wäre diese von Schirmer und hier mit Recht als erste eingeordnet und, soweit wir Überhaupt nachkommen können, die echte, d. h. die alte argeiische.
Ist das richtig, so ist es ein beachtenswertes [2547] Zeugnis dafür, daß die Angaben der apollodori-eehen Bibliothek mit Umsicht aus dem Wüste der Überlieferung ausgewählt sind.
Über Gruppes Ansicht, die Namen der Pelopidinnen L. und Nikippe seien zu Lysippe verschmolzen, s. den Art. Lysippe Abschn. A.
Wenn unsere L. als Tochter des Pelops die Gattin eines Perseïden wird, so handelt es sich also um eine Eleierin, die nach Argolis verheiratet wird. Also bezog fälschlich Schirmer die L. der Françoisvase hier ein, die sicher eine Athenerin ist, s. L. Nr. 2.