RE:Maion 1

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Thebaner, Sohn d. Haimon, im Hinterhalt gg. Tydeus
Band XIV,1 (1928) S. 579–581 (EL)
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Maion (Μαίων, Μ$ων). 1) Thebaner, Sohn des Haimon, mit Lykophantes Führer des Hinterhaltes, den die Thebaner dem heimkehrenden Ty-deus gelegt hatten, der vor Beginn des Krieges der Sieben als Gesandter nach Theben gekommen war. Tydeus tötete die 51 anderen, nur den M. ließ er leben ,ὕεων τεράεσσι πιθήσας*. Hom. Il. IV 394ff. Apollod. III 67. Stat Theb. II 692ff. 80 läßt den Tydeus ihm höhnische Aufträge mit auf den Weg geben. M. erwies sich für diese Milde später dadurch dankbar, daß er den Tydeus am Wege nach Chalkis begrub. Paus. IX 18, 2; s. Robert Oidipus I 192, 63. Wenn nach Schol. Ven. A. II. a. a. O. einige meinten, Tydeus habe den M. verschont, weil er ein Herold gewesen sei, oder nach Schol. B T zu v. 398, weil Athena es ihm gesagt habe oder weil dem Tydeus die Lanze zerbrochen sei, so sind das, wie Robert 192 mit 40 Recht sagt, nur Lösungsversuche. Jedenfalls liegt hier, wie Bethe bemerkt hat, ein fest ausgeprägtes Sagenbild vor, und M. ist eine alte theba-nische Sagenfigur. Robert 192 möchte den Grund für die Rettung des M. darin finden, daß der ionische Dichter den M. mit dem Eponymos von Maionien (s. Nr. 2) identifizierte, wenn auch diese Verbindung, wie er selbst sagt, nirgends bezeugt ist. Aber dies ist nicht wahrscheinlich; s. v. Wi-lamowitz Ilias und Homer 418, 1. Auch Grup- 50 pes Meinung (Gr. Myth. 292), M. sei aus einer altboiotischen Musenkultstätte in die thebanische Sage übernommen worden, ist abzulehnen; 8. Nr.2. Als Mutter des M. nennt Aristophanes von Byzanz in der Hypothesis zu Soph. Ant. die Antigone. Er sagt, den Stoff behandle auch Euripides; nur werde bei ihm Antigone dem M. zur Fraugegeben; der Schluß lautet: καὶ τέκνον τίκτει τὸν Μαίονα. Überliefert ist freilich Αἰμονετ, eine Handschrift hat Μαίμονα; s. Robert 388. Da es aber ganz unβθ wahrscheinlich ist, daß der Sohn denselben Namen trägt wie der Vater, hat Nauck statt dessen Μαίονα hergestellt, wofür auch die Lesarten der Handschriften sprechen. Diese Änderung war allgemein angenommen; nur Gruppe Gr. Myth. 536, 7 bezweifelte die Richtigkeit, doch ohne Gründe anzugeben. Dann hat Robert 381ff. ausführlich über die Antigone des Euripides und die [580] Maion 580

damit zusammenhängenden Fragen gehandelt. Er verwirft S. 388 (vgl. Preller-Robert Gr. Myth. Π⁴ 947, 3) ebenfalls Maiova, wenn er auch die Überlieferung aus dem angeführten Grunde nicht für richtig hält. Aber durch Naucks Konjektur ergäbe sich eine unmögliche Chronologie, da Ty-deus, der nach Homer den M. verschonte, bei der Erzeugung des M. bereits gefallen gewesen wäre. Dies sei selbst für die Heldensage undenkbar. Ich > glaube nicht, daß dieser Grund stichhaltig ist.

Euripides hat nur den Namen aus Homer entnommen; das übrige konnte ihm gleich sein. Nun will Robert nach einer 390 Abb. 53 (vgl. Arch. Jahrb, IV Taf. 7) wiedergegebenen Tarentiner Vasenscherbe in Karlsruhe Αἰων lesen. Auf der Scherbe ist ein Frauenkopf mit der Beischrift Εὐρυδίκη; links sind die Reste zweier Männerköpfe, deren einer den Namen Αἰων aufweist, während bei dem zweiten ΛΑΚ oder ΛΑΕ steht. ¹ Vor Αἰων ein Al zu ergänzen erklärt Robert für ausgeschlossen. Man hat diese Scherbe mit den Darstellungen aus der Unterwelt, die sich auf derselben Vase finden, in Verbindung gebracht; in diesen kommt auch Orpheus vor. Nach Robert aber ist diese so naheliegende Verbindung nicht angängig. Aber selbst wenn die Eurydike der Scherbe die Frau des Kreon sein sollte, können wir doch aus den Beischriften keine Schlüsse ziehen. Den zweiten Namen nämlich, den Robert 391 zu Λάκος, Λάκης oder Λάσος ergänzt, erklärt er als den einer Nebenfigur aus dem Kreise Kreons. Wer steht dafür, daß der uns ebensowenig bekannte Aion nicht auch eine solche gewesen ist? Man muß daher an Naucks Maiova festhalten. Die Frage nach dem Inhalte des Euripideischen Dramas, dessen Fragmente FTG 404ff. stehen, und damit nach der Rolle, die M. darin spielt, ist verschieden beantwortet worden. Für die Entscheidung ist es wichtig, ob man in Hyg. fab. 72 mit Heydemann Über eine nacheurip. Antigone (Arch. Ztg. XXVIII 108ff.) den Inhalt einer späteren TragödieodermitWelcker Gr. Trag. II563ff. und anderen den des Euripideischen Dramas sieht. Man wird unbedingt denen recht geben (vgl. R o -bert), die es für ausgeschlossen halten, daß Hy-gin nicht den Euripides, sondern einen späteren Dichter benutzt hat; vgl. auch Ribbeck Röm. Trag. 486, 4. Der Schluß freilich dieser Inhaltsangabe ist nicht euripideisch; hier hat Hygin geändert, weil er des Herakles Heirat mit der Megara gleich anschließen wollte. M.Mayer De Euripidis mythopoeia hat bereits den Inhalt des Stückes rekonstruiert. Robert spricht noch einmal alles durch. Seine Darlegungen sind in allem Wesentlichen überzeugend. Danach wird Antigone, nachdem sie bei der Bestattung ihres Bruders ertappt worden ist, dem Haimon übergeben, damit er sie töte. Aber er gewinnt sie lieb und bringt sie heimlich zu einem Hirten, wo sie den M. gebiert. Euripides behandelt nun in seinem Drama die Erkennung des zum Knaben herangewachsenen M. durch seinen Großvater Kreon. Jener ist nach Theben gekommen und hat in einem Knabenagon gesiegt. Kreon entdeckt an seiner Schulter das Wahrzeichen seines Geschlechtes, eine Lanze. Also muß M. der Sohn Haimons sein. Der Aufenthalt der Antigone wird entdeckt, offenbar durch die Unvorsichtigkeit des ahnungslosen Knaben; Kre- [581] 581

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ons Diener bringen sie herbei, und es kommt zu einer ernsten Auseinandersetzung zwischen Kreon und M. sowie Haimon. Schließlich greift Herakles ein, nicht als Heros, sondern als Mensch, und bewirkt die Begnadigung der Antigone. Kreon erkennt den M. als seinen Enkel an. Hiermit scheinen allerdings die oben zitierten Schlußworte des Aristophanes in Widerspruch zu stehen. Aber Robert sagt S. 392 mit Recht, dieser Satz sei nur hinzugefügt, um die große Verschiedenheit 10 zwischen Sophokles und Euripides hervorzuheben; ,bei Euripides ist Antigone sogar glückliche Mutter*. Das Präsens τίκτει könnte sehr gut im Prolog gestanden haben, wenn auch nicht der ganze Satz, wie Robert richtig betont, als Euripidesfrag-ment anzusehen ist.

Zwei Tarentiner Vasen illustrieren die Antigone des Euripides: eine in Ruvo mit einigen beigeschriebenen Namen, bei Robert Abb. 51; nach dieser ist die andere in Berlin, Abb. 52, 20 bestimmt, obwohl sie keine Beischriften trägt; s. Preller-Robert 392, 2. Die Darstellungen sind in der Hauptsache gleich: Herakles ist im Gespräch mit Kreon; Antigone steht gefesselt dabei. Hinter der Gattin, auf der Berliner Vase hinter dem Vater, steht Haimon tief betrübt. Dazwischen steht ein nicht mit Namen bezeichneter Knabe, offenbar M., der Sohn der beiden.