RE:Malavis(χ)
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Gestalt d. etr. Mythenkreises | |||
| Band XIV,1 (1928) S. 847–849 | |||
| Bildergalerie | |||
| Register XIV,1 | Register m | ||
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Malavis(χ) 'Malavis).' Zu den nicht sicher gedeuteter Gestalten des etruskischen Mythenkreises, die von Darstellungen der bildenden Kunst bekannt sind, gehört die auf einer Reihe von Spiegeln inschrift-ßch bezeugte malaθisλ. Der Name ist auch in der Form malavis überliefert, auf einem von den anderen inhaltlich abweichenden Spiegelbild (vgl. Etr. Sp.V Taf. 85, 2. Append. ad CII 773): Die stehende unbekleidete, mit Halskette und Brustband angetane m. neigt sich einem als hercle (Herakles) bezeichneten Jüngling zu; gleichfalls ein Paar, antithetisch zu diesem, bilden die beiden Gottheiten aplu und artumes (Apollon und Artemis). Körte Etr. Sp.V S. 105 weist dies Bild einem Kreis von jeweils vier Figuren enthaltenden Spiegeldarstellungen zu, die bei anscheinend gleicher Kompositionsform wechselnde Namen aufweisen (vgl. z. B Etr. Sp. Taf. V 84: ela%Mre, elinei, turan, laran), Es sei dahingestellt, ob seine Annahme, daß diese Darstellungen nur ein in etruskischen Fabriken zur Dekoration von Spiegeln häufig verwandtes Schema wiedergeben und die ursprüngliche Bedeutung der Komposition (Helena und die Dioskuren) vergessen war, in allen Punkten zutrifft; jeden-4 falls aber läßt sich die Funktion der malavis nach diesem Bilde nicht bestimmen. Anders Hegt es bei den Spiegeln Taf. 213–216; sie behandeln mit gewissen Modifikationen und stilistischen Varianten das gleiche Thema: Die Schmückung einer «als malavis% bezeichneten, sitzenden, bekleideten Frau durch sie umgebende weibliche Gestalten oder Genien, m. wird jeweils von zwei Figuren eingerahmt, mit Ausnahme von Taf. 213, wo außer den beiden ihr das Diadem 51 befestigenden Frauen (epie (?) und mundux) noch die einen Zweig haltende turan (Aphrodite) und hinθial (Psyche, ἐΊδωλον) anwesend sind, letztere hinter m. stehend, einen Spiegel in der Hand. turan erscheint auch auf dem Spiegel Taf. 215; sie befestigt das Diadem; die auf der anderen Seite von m. stehende res%ualc hält eine Kette ω der Hand. Taf. 216 wird m. von zwei Flügelgenien, deren einer wiederum ein Diadem befestigt, Taf. 214 von zwei männlichen (?) Gestalten 60 – eine von ihnen mit einem Spiegel – eingerahmt.
Es handelt sich also um eine typisch wiederkehrende Szene, die sich auch auf anderen Spiegeln, wo die Beischrift m. fehlt, findet; z. B. Taf. 211, 212, 319, V, 22 und Nachtr. 6, wo die •ehmückenden Frauen als xipnu (mit Spiegel) und öalfna) gekennzeichnet sind. Ältere Versuche, in malavisr eine Gestalt des griechischen Mythos [848] Malavis) 848 ï
I zu erkennen, führten zu keinem sicheren Ergebnis z- und sind in einem gewissen Sinne überhaupt als r- irrtümlich zu bezeichnen. Vgl. über sie Deecke
Myth. Lex. e v. Denn es kann keinem Zweifel) , unterliegen, daß hier eine Szene von allgemeiner, typischer Bedeutung dargestellt wiid, welche die s Schmückung einer Frau zum Gegenstand hat, ver-; s wandt den auf attischen Pyxiden so häufig sich t findenden Darstellungen derVorbereitung zur Hoch-
. 10zeit Vgl. Körte Etr. Sp.V S. 27f. Erinnert sei I zum Vergleich etwa an die Kertscher Deckelschale, i Furtwängler-Reichold Taf. 68, Text. II ? 8.37f., oder an zwei Pyxiden, Furtwängler-
> Reich old Taf. 57, Text. I S. 287f., oder auch
an den ebd. II Abb. 18 reproduzierten korin-i thischen Spiegel, der zwar der Darstellung nach nicht so nah verwandt ist, aber dennoch hier von Wichtigkeit erscheint, weil es sich um einen der nicht häufigen Fälle griechischer Spiegelgravierung 20 handelt Auch die einzelnen Attribute entsprechen sich auf diesen Vasenbildern und den etruskischen Spiegelszenen: Die Befestigung eines Diadems bzw. eines Kopfputzes findet sich bei beiden, ebenso Spiegel, Halskette und der Zweig in der Hand einer Frauengestalt. Auch die Anwesenheit von kinθial (Psyche) auf dem etruskischen Spiegel würde gut zu dem Typ dieser Szenen passen.
Es bleibt die Frage, welche spezielle Bedeutung nun der Hauptfigur, m., zuzuerkennen 30 ist. Man könnte vermuten, daß eine mythische Szene das Vorbild dieser Darstellungen bildete, etwa die Schmückung der Helena, wie Gerhard diese Szene, allerdings von der irrtümlichen Lesung malacis ausgehend, deutete (Berlin. Wii.kelmanns-programm 1844). Auch den griechischen Vasenbildern sind ja zum Teil mythologische Namen (wie die der Meerestöchter) beigegeben. Jedoch ißt nicht einzusehen, warum dann nicht der in Etrurien so fest wurzelnde etruskisierte Name der :0 Helena (elinafi), elinei) verwendet wurde. Wahrscheinlicher ist, daß wie schon Helbig Bull. dell’ Ist. 1873, 58 vermutete, in m. kein Eigenname, sondern ein Appellativum vorliegt. Die Morphologie des Wortes scheint dafür zu sprechen; das gleiche könnte auch für die anderen weiblichen, meist als Göttinnen aus dem Kreise der Aphrodite* bezeichneten Gestalten (res%ualc, munθu%, Balina), xipnu) gelten; vgl. Fiesel Forsch, z. griech. u. lat. Gram. VII 27f. Die Bedeutung der Benennung m. läßt) sich vorläufig nicht sicher bestimmen, doch könnte eventuell in einer Reihe von etruskischen Worten und Namen der gleiche Stamm vorliegen, von denen hier genannt seien: malena. malstria (= Spiegel?); vgl. Etr. Sp. V Taf. 145; Pauli Etr. Stu. III 73; Etr. Sp. Taf. 112; die Eigennamen maalnas CIE 4083, malamenai 177 (archaisch), malatrinisa 2570; malare ad CIE 52 c, I 604ff. und die Form male der Agramer Leinwandrolle. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß sich malavis über das Etruskische hinaus an den griechisch - vorgriechischen Stamm malafä anknüpfen läßt. Panofka Abh. Ak. Berl. 1846, 219ff. hat Namen und Bedeutung der m. mit der lemnischen, auf Münzen daXge-stellten Göttin Μαλάχη gleichgesetzt. Eine Verwandtschaft der Namen scheint nicht unmöglich. Eine eingehende Untersuchung, die auch den Namen der etruskischen Spiegelgestalt mlaeux (s.d.) und den Stamm mlax mit einzubeziehen hätte, [849] 849 Malchija
könnte möglicherweise hier weiterführen. Die von Assmann Arch. Anz. 1914 82ff. versuchte Erklärung von malavis aus dem Hebräischen (mal* bisch, malbusch) entbehrt der sicheren sprachlichen Grundlage.