RE:Manlius 88

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Valens, T. cos. 96 n. Chr.
Band XIV,1 (1928) S. 12121213
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88) T. Manlius Valens, Consul des J. 96 n. Chr. (das richtige Pränomen gibt die Inschrift CIL VI 17[1] 707; irrig schreibt Dio LXVII14, ὁ Γοίου Ὀνάλεντος [vgl. Boissevain Dio III p. 182], wobei vielleicht eine Verwechslung mit dem Pränomen des Kollegen vorliegt). Da er im J. 96· im 90. Lebensjahre starb (Dio a. a. O.), fällt seine Geburt in das J. 6/7 n. Chr. oder doch (wenn Dios Angabe nur approximativ ist) um diese Zeit. Herangewachsen schlug Valens die senatorische Laufbahn ein. Da ihm mindestens zweimal ein Legionskommando übertragen wurde, wird er militärisch geschult gewesen sein und den Ruf eines vir militaris genossen haben. Vermutlich vor dem J. 51/52 gelangte er zur Praetur. Denn in diesem Jahre finden wir ihn als Legaten einer Legion des britannischen Heeres (Tac. ann. XII 40). Welche der vier Legionen, die damals in Britannien standen (II Augusta, IX Hispana, XIV Gemina, XX Valeria Victrix) von ihm befehligt wurde, ist nicht überliefert; am ehesten wird an die Legio II Augusta zu denken sein, der die Bekämpfung der Siluren hauptsächlich zur Aufgabe gestellt war (vgl. Hübner Herm. XVI 532. Teuber Beitr. z. Geschichte der Eroberung Britanniens durch die Römer 57ff.). Vielleicht war Valens der Nachfolger Vespasians, der die Legion zur Zeit der Invasion befehligt hatte (s. o. Bd. VI S. 2628). Er wird auch an dem großen Siege über Caractacus im J. 50 teilgenommen haben (vgl. o. Bd. III S. 2809). Wohl in der Zwischenzeit zwischen dem Ableben des Statthalters Ostorius Scapula und der Ankunft des neuen Legaten Didius Gallus (52 n. Chr., vgl. o. Bd. III S. 2813), erlitt die Legion unter Valens eine Niederlage durch die Siluren (Tac. a. a. O.). Obwohl das verlorene Treffen keine weiteren Folgen hatte, da die Barbaren von dem neuen Oberkommandierenden aus dem römischen Gebiet vertrieben wurden (Tac. ann.), wurde seine Bedeutung von Didius – jedenfalls in seinem offiziellen Bericht an den Kaiser Claudius – absichtlich übertrieben (Tac. ann.). Die Folge wird gewesen sein, daß Valens, der damals schon über 45 Jahre zählte, auch weiterhin nur langsam seinen Weg machte. Im J. 69 war der bereits 63jährige Mann über die Rangstufe des Legionslegaten noch nicht hinausgelangt. Er befehligte die von Nero im Herbst 67 neugebildete Legio I Italica (Tac. hist. I 64, vgl. Ritterling o. Bd. XII S. 1408): vielleicht hat ihm Galba das Kommando 'übertragen. Die Legion wurde von Galba nach Lu-gudunum gelegt (Tac. hist. I 59, vgl. Ritterling a. a. O.). Als Vitellins von den Legionen der beiden germanischen Heere zum Imperator ausgerufen wurde, schloß sich – gleich dem [1213] 1213 Manlius (Valens)

Statthalter von Gallia Lugdunensis, IuniusBlaesus – die Besatzung von Lyon, die I Italica und die Ala Tauriana, dem neuen Kaiser an (Tac. a. a. O.); daß Valens dabei bestimmend mitwirkte, geht daraus hervor, daß ihn Tacitus (I 64) als}} bene de partibus (Vitellii) meritus bezeichnet (die von Otho veranlaßte Entsendung einer senatorischen Gesandtschaft an die Legion erwies sich als wirkungslos, Tac. I 74). Als Fabius Valens mit dem niederrheinischen Heer auf seinem 10 Zuge nach Italien nach Lyon kam, reihte er die Legio I Italica seinem Heere ein (Tac. I 64). An den Kämpfen gegen die Othonianer nahm sie rühmlichen Anteil (Tac. II 41. 89, vgl. Ritterling a. a. O.), vermutlich zunächst noch unter dem Befehle des Manlius Valens. Doch wird dieser nach dem Siege seines Kommandos enthoben worden sein. Tacitus berichtet (I 64), daß Fabius Valens ihn zwar öffentlich vor Vitellins gelobt, insgeheim aber Beschuldigungen gegen 20 ihn erhoben habe, weshalb ihm vom Kaiser keine Ehrung zuteil geworden sei. Sicher stand er nicht mehr an der Spitze der Legion, als sich diese auf eigene Faust und führerlos in den Kampf mit den Flavianern einließ und nach schwerer Niederlage zur Kapitulation gezwungen wurde (Tac. III 14. 18. 22. Vgl. Ritterling).

Valens scheint, trotz seiner Zurücksetzung durch Vitellins, erst spät den Anschluß an die siegreiche Sache der Flavier gefunden zu haben, θθ Denn auch unter dem neuen Herrscherhaus verfolgte ihn das gleiche Mißgeschick wie unter den Claudiern (es könnte sein, daß er mit Vespasian, dessen Nachfolger als Legionslegat er vielleicht gewesen ist, schon seit dieser Zeit zerfallen war). Obwohl er längst schon über das normale con-sularische Alter hinaus war, wurde der alte Senator von Vespasian, Titus und Domitian bei der Besetzung der Consulate übergangen und blieb weiter Praetorier. Erst als er das höchste 4Q Alter erreicht hatte, hat Domitian – offenbar mehr der Kuriosität halber als um ihn persönlich zu ehren – den neunzigjährigen Greis zum Consul bestimmt und zwar sogar zum Consul Ordinarius. Im J. 96 führte Valens die Fasces; sein Kollege war C. Antistius Vêtus}} (C. Anti· stio Vetere T. Manlio Valente cos. CIL VI 17[1] 707; [T. M]an[lio] Valente C. Antistio Vetere eos. Röm. Mitt. I 1886, 128; Vetere et Valen. Ann. d. Inst. 1870, 185; Ve. et Val. eos. CIL5f XIV 2012. Dio LXVII 14, 5 [s. o.]; Vetere et Valente consulibus, Eutr. VIII 1; in den Fasten Valente et Vetere Consul. Cpl. Mommsen Chron. min. I 222. iw. Ὀνάλεττοί καὶ Βετέρου Chron. Pasch, ebd.; fehlerhaft Valeriano et Vetere Chronogr. a. 354 ebd. I p. 57 [p. 74: Valentis et Vert]', Fulvio et Vetere Prosper Tiro ebd. p. 418; Fulrius et Vetus Cassiod. Chron. ebd. II p. 140; Flavio et Vetere Victor. Aquit ebd. I p. 692; vgl. Vaglieri Diz. epigr. II 1040). Die 6( Aufregung, in welche die um ein halbes Jahrhundert verspätete Ehrung den uralten Mann versetzt haben wird, mag dazu beigetragen haben, daß er wohl noch während seines Consulates starb (Dio LXVII 14, 5). Eine nicht mehr vorhandene Marmorurne aus Ostia mit der Inschrift Diis Manibus T. Manli Valentis (CIL XIV 1308) gibt uns vielleicht die Grabschrift des Consuls.

[Groag. ]
  1. a b Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 17.