RE:Marcellinus 50
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Hermogenesscholiast | |||
| Band XIV,2 (1930) S. 1487–1488 | |||
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50) Μαρκελλῖνοs, der Hermogenesscholiast. In der Katene zu Hermogenes περὶ στάσεων (Rhet. gr. IV Walz) finden sich zahlreiche Scholien mit dem Stichworte Μαρκελλίνου. Nach Walz S. VII und Rabe Rh. Mus. LXIV 585 ist Par. gr. 2923 saec. jener XI (Py) der Archetypus der bekannten Hss.-Katene, nach Rabe 586 aber nicht zugleich die Ur-Hs. der Katene, deren Kompilator und Zeit unbekannt sind. Rabe 587–589 berichtigte die Zuweisung der Markellinosscholien bei Walz nach Py. — Der Katena geht eine der typischen Rhetorikeinleitungen (analysiert von Rabe 578) voraus, deren Herkunft zweifelhaft ist: aus Syrianos kann sie nicht stammen; der Schlußabschnitt (Rhet. gr. IV 37, 7–38, 22) gehört nach Rabe sicher M. Rabe vermutete (584), daß der Katenenkompilator den größten Teil seiner Einleitung der M.-Einleitung entnahm. — In seiner Ausgabe der Athanasioseinleitung des Matrit. gr. 4687 (Rh. Mus. LXIV 548ff., vgl. 558. Schissel Byz. Neugr. Jahrb. III 43 A 1) vermerkte Rabe Parallelstellen aus M. und betrachtete überhaupt (585) den Sophisten Athanasios aus Alexandreia als Hauptgewährsmann des M. Daher gilt auch für Glöckner Py als Zeuge für Athanasios (vgl. Schissel Byz. Neugr. Jahrb. III 194). Andere Parallelen zu M. verzeichneten gelegentlich Richter Byzantion III 191. 195-197. Schissel Philol. Wochenschr. XLVII (1927) 828. Eine systematische Untersuchung des Kommentares fehlt.
Anhaltspunkte für die Zeitbestimmung des M. suchte man bisher nur von außen. Schilling Jahrb. f. Philol. Suppl. XXVIII 693 schließt [1488] daraus, daß Georgios Monos einen so berühmten Techniker, wie M., nicht anführte, daß er ihn nicht kannte. Georgios hätte also vor M. gelebt. Da Schilling den Georgios ins 5. Jhdt. setzte, indem er ihn zum Zeitgenossen Syrians machte, so müßte M. ans Ende des 5. oder in den Anfang des 6. Jhdts. gestellt werden, eine Ansicht, die auch Christ-Schmid Gesch. griech. Lit.⁶ 935 ohne Begründung vertritt. Die Argumentation Schillings ist aber alles eher, als zwingend. Jene Techniker nannten durchaus nicht alle Gewährsleute, die sie kannten und benützten. Auch könnte Georgios ein Zeitgenosse des M. gewesen sein und ihn nicht gekannt haben. Eine bessere Handhabe zur Datierung des M.-Kommentares böte seine Abhängigkeit von dem des Sophisten Athanasios, wenn sie zutrifft. Nach der Vermutung Glöckners (Bresl. philol. Abh. VIII 2, 92) und Keils (Gött. Gel. Nachr., philol.-hist. Kl. 1907, 189) lebte Athanasios, der Sophist, am Ende des 4. Jhdts.; so käme man für M. ins 5. Jhdt. Die endgültige Lösung dieser Frage muß eine auf eine Neuausgabe gegründete Untersuchung des Kommentares bringen.
Offen ist ferner die Frage, ob M., der Hermogeneserklärer, auch die Thukydidesbiographie verfaßte und Aischines erklärte. Gudeman[WS 1] o. Bd. II A S. 684, 12[WS 2] verneint es ohne Begründung, wie Levy Philol. Wochenschr. XLII (1922) 1037 hervorhebt. John De veterum studiis Thucydideis, Diss. Greifswald 1922, 17ff. und nach ihm Oomen De Zosimo Ascalonita atque Marcellino, Diss. Münster 1926, 74f. bejahen die auch von Christ-Schmid vertretene und an sich wahrscheinliche Identität. Wurde doch dazumal in der Rhetorenschule viel Thukydides betrieben (vgl. z. B. Damaskios Leben des Philosophen Isidoros 51, 30 Asmus) und war doch der Hermogeneserklärer M. sicher Redelehrer! Freilich begründet Oomen seine Behauptung sehr schwach, wenn er für sie die Verwendung von Redewendungen, wie ἰστέον ὅτι und dergleichen in den Scholien des M. sowohl, wie auch in der Thukydidesbiographie anführt. Denn solche Formeln sind, wie schon Levy richtig bemerkte, allgemeine Scholienterminologie in jener Zeit. John und Oomen urteilen entgegengesetzt über das Verhältnis des M., des Thukydidesbiographen zu Zosimos von Askalon. John läßt M. von Zosimos abhängen und setzt ihn daher um 500 an; Oomen tritt mit Recht für das bisher geltende Verhältnis M.s zu Zosimos ein und kommt damit auf die Jahre um 450 als Blütezeit des M. Dies stimmt etwa zu dem Ansatze, den man für den Hermogeneserklärer M. gewinnt, wenn man ihn vom Sophisten Athanasios abhängen läßt, dessen Zeitansatz allerdings auch nur eine ungewisse Vermutung ist. Ist der Aischineserklärer M. mit dem Hermogeneserklärer M. und dem Thukydidesbiographen M. identisch, so muß unser M. eine gewisse Bedeutung und eine nennenswerte Schule besessen haben. Schol. Aesch. II 6 sprechen nämlich von Anhangern des M.: παράδοξος] ταύτην οἱ περὶ Μαρκελλῖνον προκατασκευήν φασιν· ἔστι δὲ τρίτον προοίμιον.