RE:Marcius 46

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Censorinus, L. cos. 149 v. Chr.
Band XIV,2 (1930) S. 15521554
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46) [...] [1553] [1554] Marcins (Censorinus) 1552}}

Im J. 8 v. Chr. bekleidete er zusammen mit C. Asinius Gallus den Consulat ÇLiebenam Fast, cons. imp. rom. 8; Vaglieri Diz. epigr. II 1041); in diesem Amte wurde ihm und seinem Kollegen durch Senatsbeschluß die Termination des Tiber übertragen, wovon noch etliche erhaltene Steine Zeugnis ablegen (CIL VI 1235a-n;[1] VI 31541a-s;[2] Dessau 5923a-d. Kornemann o. Bd. IV S. 1790f.). In diesem Jahre richtete er auch im Verein mit seinem Kollegen die}} ludi votivi pro reditu Caesaris divi fili Augusti σωτηρ καΧ εὐεργέτης verliehen wurde und nach seinem Tode ihm zu Ehren auch Spiele, Κηνσορινηά, eingerichtet wurden.

In Aquinum war er, wie uns eine dortige Inschrift lehrt, (CIL X 5396)[3] Ehrenbürger. An ihn ist von Horaz die achte Ode des vierten Buches gerichtet.

RE:Marcius 45

45) Cn. Marcins Censorinus beantragte im J. 631 = 123 oder 682 = 122 ein Gesetz über die Wahl von Kriegstribunen, zu dem C. Gracchus das Wort ergriff}} (G. Gracchus in rogatione Cn. Marei Censorini bei Charis. GL I 208, 20, s, Bd. HAS. 1386, 33. Häpke C. Gracchi or. frg. 80); vielleicht war er Volkstribun und Bundesgenosse des Gracchus, wie ja auch weiterhin Marcii Censorini zu den Vorkämpfern der Volks-partei gehörten (Nr. 43. 47).

RE:Marcius 46

46) L. Marcius Censorinus war Sohn und Enkel eines Gaius (Fasti Cap. 605: C.}} [f. C.] n. 607: C. [f,] C. n.). Manlius Censorinus statt Mordus]. Oros. IV 22, 1. Cassiod. Censorin. de die nat. 17, 11. Appian. Lib. 75. Zonar. IX 26. Zosim. II 4, 2), wobei ihm der Oberbefehl über die Flotte zufiel (Appian. Lib« 75. 90). Nach Appian war er es, der den karthagischen Gesandten im Lager von Utika erst die Forderung, alle Waffen auszuliefern, mitteilte (Lib. 80), dann nach deren Erfüllung die weitere Forderung, ihre Stadt zu verlassen und sich 80 Stadien von der Küste entfernt anzusiedeln (ebd. 80f.), und der auf die Rede des Karthagers Bannon mit einer ausführlichen Rechtfertigung [1553] 1553 Marcins (Censorinus)

dieser Maßregel antwortete (ebd. 86–90). Der rhetorische Charakter der letzten Erwiderung ist ohne weiteres deutlich (vgl. Kahrstedt Gesch. der Karthager III 644, 1, auch G seil Hist. de l’Afrique du Nord III 350); nur der Epilog¹ (90) ist geschichtlich; aber daß M. überhaupt der Sprecher war, steht in Widerspruch mit Diod. XXXII 6, 3 und ist deshalb möglicherweise vollständig zu verwerfen (s. o. S. 1136, 585.). M. ging mit 20 Fünfruderern dicht bei Karthago vor Anker (Appian. 90). Als nach längerem Warten der Angriff auf die Stadt von beiden Consuln eröfinet wurde, faßte er im Süden festen Fuß und schlug sein Lager vor den Mauern auf der schmalen Landzunge auf, die den Golf von Tunis vom Meere trennt (Appian. 97). Von hier fuhr er quer über den Golf, um Holz für den Bau von Belagerungsgerät zu holen, wurde aber beim Holzfällen von feindlichen Reitertrupps überfallen und erlitt beträchtliche Verluste (ebd. vgl. Zonar. IX 26). Doch baute er nun Maschinen, verbreiterte die Nehrung durch Aufschüttungen an ihrer Innenseite und führte zwei riesige Sturmböcke gegen die südliche Stadtmauer, mit denen er in der Tat eine Bresche legte (Appian. 98. Zonar.; vgl. zur topographischen Erläuterung Oehler o. Bd. X S. 2153, 585. 2155, 165. 2167, 575. 2190, 55; Klio XXI 387. 389. Kromayer Schlachtenatlas. Röm. Abt. 51–54. Bl. 11, 1 mit Einzeichnung der drei Lager des M.). Obgleich die Belagerten den Schaden eiligst ausbesserten, glückte es ihm am nächsten Tage, an dieser Stelle in die Stadt einzudringen; hier aber wurden die Seinigen von allen Seiten heftig angegriSen und wieder hinausgedrängt; nur der Kriegstribun Scipio hatte seine Cohorte außerhalb der Mauer zurückgehalten und nahm die Weichenden auf (Appian. a. O. Zonar. vgl. Liv. ep. XLIX; ep. Oxyr. XLIX Oros. IV 22, 7; o. Bd. IV S. 1443, 526.). Im Hochsommer hatten die Truppen des M. zwischen dem versumpften Golf von Tunis und den hohen Stadtmauern von Krankheiten zu leiden und mußten deswegen von hier an das Meer im Nordwesten der Stadt verlegt werden (Appian. 99. Zonar. IX 27; vgl. Bd. X S. 2156, 85. 2182, 388. Klio a. O. Drittes Lager bei Kromayera. O.). Die Unternehmungen gegen die Stadt kamen ins Stocken; auch die Flotte wurde durch Brander bedroht (Appian. vgl. Graefe Herm. LVII 432). M. unternahm mit ihr einige Streifzüge an der Küste und besetzte die kleine Insel Aigimuros (Bd. I S. 964) nahe dem Hermäischen Vorgebirge (Kap Bon) zur Sicherung der Seeverbindung mit Italien (Zonar. vgl. Kahrstedt 630f. 634. 648); dann kehrte er noch im Herbst selbst nach Rom zurück, um dort die Wahlen zu leiten (Appian. Zonar. Liv. ep. XLIX. Oros. vgl. G s e 11 357f., 6). 607 = 147 war M. Censor nrit L. Cornelius Lentulus Lupus (Fasti Cap. Neue Fasti Antiates 1921, 128. Val. Max. VI 9, 10. Bei Fest. 285: L. Corneli Lentuli C. [Censorini sequi-tur censura] ist entweder die Ergänzung oder das Pränomen unrichtig). Gewidmet war dem M. eine Schrift des Akademikers Kleitomachos, die später in einer Neubearbeitung dem Satirendichter Lucilius gewidmet wurde (Cie. acad. pr. II 102; vgl. Arnim o. Bd. XI S. 658, 496. Kappelmacher Bd. XIII S. 1621, 556.). Da der Ver- [1554] Marcins (Censorinus) 1554

fasser ein geborener und vaterlandsliebender Karthager war, so hatte er vielleicht die Schrift an M. vor dessen Consulat gerichtet (Cichorius Untersuch, zu Lucilius 41f.) und hat später die Erinnerung daran auslöschen wollen, indem er eine zweite Auflage einem andern Römer verehrte.

RE:Marcius 47

47) L. (Marcius) Censorinus war Münzmeister unter der Herrschaft der Volkspartei 671 = 83 als Haupt eines Kollegiums, dessen zwei andere Mit-10 glieder P. Crepusius und C* Mamilius Limetanus (o. S. 957f. Nr. 8) waren (Mommsen Munzw. 602f. Nr. 230. Babelon Monn, de la rép. rom. II 172–174. 194–196. G r u e b e r Coins of the roman rep. I 3360. 343f. Willers Gesch. d. röm. Kupferprägung 141f.). Wenn er die Statue des Marsyas vom Forum auf seinen Münzen abbildete, so war es wohl weniger ein etymologisches Spiel mit den Namen Marsyas-Marcius, was ihn dazu bewog, als die symbolische Bedeutung des 20 Standbildes (s. Suppl.-Bd. IV S. 504). M. war gewiß ein jüngerer Bruder des Marianers C. Censorinus Nr. 43 und Vater des L. Censorinus Nr. 48. 49.

48) L. Marcius Censorinus war L. f. C. n. (Acta triumph.). Sein Vater ist wahrscheinlich Nr. 47 und dessen älterer Bruder, der den Vornamen des Großvaters C, trug, Nr. 43; da beide der marianischen Partei angehörten, ist es nur natürlich, daß M. sich an Caesar und dessen Erben 30 anschloß. Am 15. März 710 = 44 waren C. Cal-visius Sabinus (Bd. III S. 141 1f. Nr. 13) und M. die einzigen Freunde, die den Dictator gegen seine Mörder zu schützen versuchten, aber dem Andrang der Übermacht weichen mußten (Nik. Damasc. v. Caes. 25, 96); zum Lohne sollten sie später gemeinsam das Consulat erhalten (s. u.). Schon Mitte April nennt ihn Oie. ad Att. XIV 10, 2 unter den typischen Caesarianern, die sich auch nach dem Ende des Herrschers der seiner 40 Gunst verdankten Güter erfreuen durften (vgl.

6, 1 und Phil. XI 36: Censorinum ...in paee sectorem). Für 711 = 43 verschaffte ihm, ebenso wie dem P. Ventidius, Antonius die Praetur, und zwar die Stadtpraetur; aber er folgte dem Antonius im Anfang des Jahres in den mutinen-sischen Krieg, wurde deswegen von Cicero in den später gehaltenen seiner Philippischen Reden (XI 11. 36. XII 20. XIII 2. 26) mit Ventidius zusammen an die Spitze der Anhänger des An-50 tonius gestellt und aufs heftigste angegriffen, wohl auch auf Ciceros Betreiben (XI 36 vgl. über Ventidius XIV 21) schließlich vom Senat als Staatsfeind geächtet. Dafür brachte ihn, der schon unter Caesar seinen materiellen Vorteil wahrzunehmen verstanden hatte, der Umschwung nach dem Abschluß des Triumvirats und den Proskrip-ticnen in den Besitz des Hauses Ciceros auf dem Palatin (Vell. II 14, 3, von Drumann GR¹ VI 387, 85 ohne Not auf seinen Sohn Nr. 44 be-60 zogen). Ende 712 = 42 nach der Schlacht bei Philippi wurde er von Antonius als sein Statthalter in Makedonien und Achaia eingesetzt (Plut. Ant. 24, 1) und blieb hier bis Ende 714 = 40. Während dieser Zeit wurde er in Athen durch eine Statue geehrt (IG III 567 ohne jeden Titel) und erwarb sich den Anspruch auf einen Triumph ex Macedonia, den er nach berühmten Mustern – des C. Marius von 650 = 104 und des

  1. Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 1235.
  2. Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 31541.
  3. Corpus Inscriptionum Latinarum X, 5396.