RE:Matrona 3
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
|---|---|---|---|
| |||
| Freigeborene verheiratete Römerin | |||
| Band XIV,2 (1930) S. 2300–2305 | |||
| Bildergalerie | |||
| Register XIV,2 | Register m | ||
| |||
3) [...] [2301] [2302] [2303] [2304] [2305] Matrona
2300
6. Der Homertext Xs als ein Zweig vorale-xandrinischer Überlieferung, wobei es weniger auf die tatsächlichen Varianten ankommt, also auf eventuell neue Lesarten (z. B. v. 12 ἐπιτετράφαται cc ἐπιτέτραπται, 80 ἀναμίξ oe ἐπιμίξ 88 ου μὴν οὐδ’ee οὐδὲ μὲν οὐδ) 95 τριοκαίδεκα [von Eustath. bezeugt] θ δνοκαίδεκα, frg. 4, 3 κατὰ νωτον ex? ἐπὶ νώτον, fg. 5, 1 ἀπὸ παοοαλόφιν ὄο ἐκ π.), als darauf, daß bekannte, aber strittige Lesarten und 10 Verse eine Stütze und Bestätigung erfahren.
Weland De praecipuis parodiarum homeri-carum scriptoribus apud Graecos, Gött. 1833. Peltzer De parodicaGraecorum poesi et de Hip-ponactis, Hegemonie, Matronis fragment is, Münster 1855. Paessens De Matronis parodiarum re-liquiis, Kempen 1856. v. Wilamowitz Herm. XL 173ff. (zu Hegemon von Thasosj. P. Brandt Corpusculum poesis epicae Graecae ludibundae I (1888) 53ff. [Diehl]
20 Matrona. 1) Heute die Marne. Bildet mit dem Unterlaufe der Seine die Grenze zwischen den Beigen und den eigentlichen Galliern. Caes. bell. Gall. I 1, 2 Gallos ... a Belgis Matrona et Sequana diwM, ähnlich Auson. Mos. 461 u. m. m. XV 11, 3, vgl. Desjardins Géogr. II 442. Die M. wird als Quell- oder Flußgöttin verehrt auf der Inschrift CIL XIII 2,[1] 5674; vgl, Roscher II 2, 2479. Etymologisch gehört M. wahrscheinlich zu ir. mathir = Mutter. Holder Altcelt. Sprach-
10 sch. H 4681Ï. D o 11 i n Langue Gaul. 89.
2) Paßhöhe der Straße Segusio (Susa)-Brigan-tio (Briançon), heute Mont Genèvre. Itin. Burdig. 556. Der Name M. soll nach Ammian (XV 10, 6) von einem Unglücksfalle herrühren, den dort eine vornehme Dame (M. = femina nobilis) erlitten hatte. Desjardins Géogr. I 83, 1. 2. IV 32ff. 167 pl VII. Miller Itin. Rom. 228f.
[H. G. Wackernagel]
3) Matrona abgeleitet von mater wie patronus 0 von pater oder Bellona von bellum, bezeichnet die freigeborene verheiratete Römerin; die Begriffe ehrbar, vornehm, würdevoll, zurückhaltend mögen daibei mitschwingen (die Völkerpsychologie verwendet das Wort m. für die Frauen der höheren Schichten, die ängstlich von dem Verkehr mit Angehörigen niederer Schichten ferngehalten werden; dieser Typus hat sich herausgebildet bei den sog. höheren Primitiven [Thurn-w a 1 d in Kafka Hdbck d. vergleichenden Psy-) chol I 183]).
Neben m. stehen die Bezeichnungen mater-familias und uxor: uxor ist die Frau in der Ehe sine in manum conventione (Cic. top. 14 genus est uxor; eins duae formas: una matrumfamilias, eae sunt, quae in manum convenerunt; altera earum, quae tantummodo uxores habentùr); sie erhält kein Erbrecht in der Familie ihres Mannes (vgl. Quint. inst. V 10, 62), sondern bleibt in dem ihrer Familie und in der potestas ihres Vaters | (Dig. XXXXIII 30, 1, 5); die Ehe sine in manum conventione war in der Kaiserzeit die allgemein übliche (Friedländer Sittengesch. I10 278). – Nahe verwandt miteinander sind die Begriffe m. und materfamilias: Beide kommen zunächst nur Frauen in munus-Ehe (deren verschiedene Arten hier nicht behandelt werden sollen) zu. Jede materfamilias ist auch m., doch ist – bei strengem Sprachgebrauch – nicht jede m. auch [2301] 2301
Matrona
materfamilias; denn materfamilias kann nur die Frau sein, deren Mann sui iuris ist; wenn der Mann noch der patria potestas untersteht, kommt der Frau nur die Bezeichnung m. zu (Fest. S. 125 M materfamiliae non ante dicebatur, quam vir eius paterfamiliae dictus esset; nee possunt hoc nomine plures in una familia praeter unam appellari. sed nec vidua hoc nomine nee, quae sine hliis est, vocari potest). Unhaltbar ist die Gram-matikererfindung, in. bezeichne die Mutter eines i Kindes, materfamilias die Mutter mehrerer Kinder (Aelius Melissus bei Gell. XVIII 6, 4), der Gellius entgegentritt mit den Worten probabilius est, quod idonei vocum antiquarum enarratores tradiderunt, matronam dictam esse proprie, quae in matrimonium cum viro convenisset, quoad in eo matrimonio maneret, etiamsi liberi nondum nati forent, dictamque ita esse a matris nomine non adepto iam sed cum spe et omine mox adipis-cendi, unde ipsum quoque matrimonium dicitur 2 (XVIII 6, 8); freilich bringt nun Gellius einen neuen unrichtigen Gegensatz zwischen m. und materfamilias (nämlich den Gegensatz uxor–m.), wenn er fortfährt, matrem autem familias appel-latam esse eam solam, quae in mariti manu man-cipioque aut in eius, in cuius maritus, manu mancipioque esset, quoniam non in matrimonium tantum, sed in familiam quoque mariti et in sui heredis loco venisset. (Zum Bisherigen vgl. noch Marquardt-Mau, Privatleben d. Römer j 5, 3.)·
Wenn im folgenden von der Kleidung der vornehmen römischen Hausfrau und weiter von ihrer Stellung in der Familie, in der Gesellschaft, im Kultwesen und im öffentlich-rechtlichen Leben gesprochen wird, so gilt das zu Sagende zwar in erster Linie für die m. in dem oben gegebenen Sinne, gilt aber zum mindesten für die Kaiserzeit kaum weniger für die uxor sine in manum conventione, wie ja überhaupt die Bezeichnungen * m., materfamilias, uxor vielfach nicht streng auseinandergehalten werden.
Die Kleidung der m.: Wie den römischen Bürger die Toga kennzeichnete, so erwies – wenigstens in den letzten Jahrhunderten der Republik und den ersten der Kaiserzeit – die lange, unten mit einem besonderen Streifen, der instita, verbrämte Stola die m. (comment. Cruqu. Horat. sat. I 2, 29 quia matronae stola utuniur ad imos usque pedes demissa, cuius imam partem ambit instita subsuta. B1 ü m n e r Röm. Privataltertümer 232). Früher sollen auch die m. die Toga getragen haben (Non. p. 540 u. a.). Später wurde die Stola fast völlig durch andere Gewänder verdrängt (B 1 ü m n e r 233). Doch galt sie – vielleicht mit purpurner instita besetzt (Hübner Comment. Mommsen. 1877, 110) – noch weiterhin als Ehrenkleid, galt die Bezeichnung stolata femina als Ehrentitel der Frauen mit dem ius trium libe-rorum (Hübner 105. Friedländer Sitten-gesch. I10 282L). – Bezüglich der sonstigen Tracht der m. muß auf andere Stellen verwiesen werden (z. B. Art. Haartracht o. Bd. VII S. 2135–2145)
Die m. in der Familie: Die Stellung der Römerin in Familie und Haus ist eingehend gezeichnet von Marquardt-Mau Privatleben d. Romer 57–61 und B1 ü m n e r Röm. Privatalter· [2302] Matrona
2302
tümer 364f.; s. auch Friedländer Sitten-gesch. 110 278 u. a. Es sollen daher hier nur einige besonders wichtige Züge erwähnt werden:
Erstmals am Tage nach der Hochzeit (s. o. Bd. VIII S. 2131S.) – Durchschnittsalter der römischen Mädchen bei der Verheiratung war 14 Jahre (Friedländer Sittengesch. IV 9 u-io 134. Blümner Röm. Privataltert. 343) – zeigt sich die junge Frau in der Tracht der m. (Schol. Hör, 0 sat. II 2, 60 dies secundus a nuptiis, quo .,. virgo ad inuliebrem habitum eomponilur), um den Göttern des Hauses ihr Opfer darzubringen (Ma-crob. I 15, 22 postridie... nuptam in domo viri dominium incipere oportet adipisci et rem facere divinam). Ein Mahl, die repotia, schließt danach die Hochzeitsfeierlichkeiten ab (Fest. S. 280 M. repotia: postridie nuptias apud novum maritum cenatur, quia quasi reftcitur potatio, Blümner 361).
•0 Entgegen) der griechischen, besonders athenischen, Sitte steht in Sachen der Familie und des Hauses in Rom die Frau dem Manne als gleichberechtigte Gefährtin zur Seite (Col. XII praef. 7 flagrabat ... mutier pulcherrima diligen-tiae aemutatione, studens negotia viri cura sua maiora atque meliora reddere. nihil conspiciebatur in domo dividuum, nihil quod aut maritus aut femina proprium esse iuris sui diceret, sed in commune conspirabatur ab utroque, ui cum fo-10 rensibus negotiis matronalis industria rationem parem faceret. Dion. Hal. II 25 γυνὴ κυρία τὸν οἰκου τὸν αὐτὸν τρόπον ἤν, ὤσπερ καὶ ὁ ἀνήρ). In Familienangelegenheiten wird ihre Ansicht gehört,, so namentlich bei Verheiratung der Kinder (Liv. XXXVIII 57, 7 beklagt sich Aemilia, die Frau des P, Scipio Africanus, weil sie bei der Verlobung ihrer Tochter nicht befragt wurde), wie ja auch die Erziehung der kleinen Kinder hauptsächlich ihr obliegt (Tac. dial. 28 ülius ... in ... gremio 40 ac sinu malris educabatur, cuius praecipua laus erat, tueri domum et inservire liberis). Die Sorgen um die Hauswirtschaft nimmt sie dem Gatten möglichst ab (Col. XII praef. 7 apud Romanos usque in patrum nostrorum memoriam fere do· mesticus tabor matronalis fuit, tamquam ad requiem forensium exercitationum omni cura deposita patribusfamilias intra domesticos pénates se recipientibus); daher verwaltet sie auch die Vorräte und trägt Sorge für die Schlüssel zu 50 Kammer und Keller (Cac. ad fam. XVI 26, 2 gedenkt Quintus seiner Mutter, quae lagonas etiam inanes obsignabat, ne dicerentur inanes aliquae fuisse, quae furtim essent exsiccatae). Augustinus (conf. IX 8, 17) spricht von den dominas apothe-corum et cellariorum. Tertull. exhort, castit. 12 (ed· Oehler 1753) sind neben anderen Frauenpflichten erwähnt domus administrada,familia regenda,claves custodiendae, victus procurandus. Das claves adi· mere war vielleicht schon im Zwölftafelgesetz ein 60 Zeichen der Eheauflösung (Cic. Phil. II 69). (Über Ausnahmen hinsichtlich des Schlüssels zur cella vinaria vgl. Blümner Privataltert. 365, 1). Selbsttätig istdieFraubei dar "Woll-und Webarbeit. Augustus trug fast ausschließlich Kleider, die von seiner Frau oder seinen Verwandten gefertigt waren (Suet. Aug, 73 veste non temere quam domestica usus est ab sorore et uxore et filia nep-tibusque confecta. Arnob. II 67 matresfamilias [2303] 2303
Matrona
vestrae in atriis operantur domorum industrias testificantes suas); Grabsteine, welche als Symbol hausfraulichen Fleißes das Bild eines Webstuhls tragen, oder welche die Verstorbene als lanidca o. ä. rühmen, sind nicht selten (vgl. Friedländer Sittengeseh. 110 270). Dagegen braucht die Frau nicht mitzuwirken bei den verachteten Arbeiten des Mahlens und Kochens (Plut. quaest. Rom. 85 ἐγράφη μὴτ ἄλειν ἄνδρι Ψωμαίῳ γυναίκα μήτε μαγειρεύειν). Die Frau nimmt teil an den Mahlzeiten des Mannes (Plut. praec. coniug. 15 oi τὰς γυναίκας μὴ ἠδέως βλέπυντες καὶ πινούοας μετ' αὐτῶν διδάσκουσιν ἐμπίπλασθαι μόνας γενομενας); die Sitte, daß sie zum Mahle sitzt (nicht liegt) und sich des Weines enthält, wird in der Kaiserzeit nicht mehr beachtet (Val. Mas. II 1, 2 feminae cum vi-ris cubantibus sedentes cenitabant... quod genus severitatis aetas nostra diligentius in Capitolio quam in suis domibus conservai, videlicet quia magis ad rem periinet dearum quam mulierum disciplinant contineri; ebd. II 1, 5 vini usus olim Romanis feminis ignotus fuit und sonst oft). Jederzeit tritt der Gatte der Gattin höflich entgegen; er redet sie als domina an (Digest. XXXII 1, 41 peto a te, domina uxor). Unpassende Gespräche oder Handlungen sind in Gegenwart der Frau streng verpönt (Tac. dial. 28. Plut. Romul. 20, 4 αἰσχρον δὲ μηδένα εἰπεῖν παρούσης γυναικός, μηδ' ὄφθηναι γυμνόν)* Ihr Geburtstag wird festlich giefeiert (Sen. frg. 51 ro canda. domina, celebrandus natalis eius. Ovid. trist. V 5. (Näheres bei W. Schmidt Geburtstag i. Altert., RelV.uV. VII 1, 21–31.)
Die m. in der Gesellschaft: Wie in der Familie, so genießt die m. auch in der Gesellschaft hohe Achtung. Die schon erwähnte Anrede domina wird selbstverständlich auch von Nichtfamilienangehörigen gebraucht (Epictet. ench. 40 al γυναίκες εὐθυς ἀπὸ τεσσαρεοκαίδεκα ἐτῶν ὑπὸ τῶν ἀνδρῶν κυρίαι καλούνται). Auf der Straße tritt man ihr achtungsvoll entgegen und macht ihr Platz (Val. Max. V 2, 1 sanxit (sc. senatus) ...ut feminis semita viri cederent. Plut. Rom. 20 ἐξίοτασθαι μὲν oduti βαδιζούσαις). Allerdings sind ihr – vielleicht gilt dies mehr von der älteren Zeit – im Verkehr gewisse Grenzen gezogen; eigne Freunde soll sie nicht haben (Plut. praec. coniug. 19 ἴδιους ob δεὶ κτάοθαι φίλους τὴν γυναίκα, κοινοῖς δὲ χρὴ· σθαὶ τοῖς τοῦ ἀνδρός; über die Procuratoren, die oft die Rolle des Hausfreundes spielten, siehe Friedländer Sittengeseh. I10 278L). In der Öffentlichkeit soll sie nicht ohne Geleit sich zeigen (Senec. contr. II 7, 3 Müll, matrona, quae tuta esse adversus sollicitatoris lasciviam volet, prodeat in tantum ornata, quantum ne immunda sit; habeat comités eius aetatis, quae impudicum, si nihil aliud, in verecundiam annorum movere possit). Doch darf man kaum mit Becker-Göll GallusII? aus Liv. XXXIV 1 schließen, der Mann habe allgemein das Recht gehabt, seiner Frau das Ausgehen zu verbieten; es handelt sich hier wohl um einen Ausnahmefall, wo denn auch das Verbot nichts fruchtete. Im allgemeinen darf die Römerin ohne sonderliche Einschränkung am öffentlichen Leben teilnehmen. Sie besucht – mit Erlaubnis des Gatten (Val. Max. VI 3, 12) – Theater und Spiel (Ovid. ars I 93 ut redit itque [2304] Matroua
2304
frequens longum formica per agmen ... sic ruit in célébrés cultissima femina ludos. Plut. Sulla 35, ὁ οὐκω δὲ τῶν τόπω, διακεκριμένων, ἄ)Χ ἔτι τοῦ θεάτρου συμμιγοὺς ἀνδράσιν καὶ γυναιξιν ὄντος (über die hier angedeutete spätere Einschränkung s. Suet. Aug. 44. Marquardt-Mau Privatl. 66) und erscheint vor Gericht, gelegentlich als Fürsprecherin (Cie. Font. 46; Cael. 4. Cato orig. 107 Cato igitur dissuadet, nevesuos 10 neue alienos quis liberos ad misericordiam con-ciliandam producat neve uxores neve ullas omnino feminas), öfters als Zeugin (Cie. Verr. II 94. Ascon. Mil. p. 36 Stangl. Tac. ann. III 49. Digest. XXII 5, 18 colligitur etiam mulieres testimonii in iudicio dicendi ins habere; XXVIII 1, 20, 6), wobei sie noch ganz besonderen Schutz vor Behelligung genießt (Val. Max. II 1, 5 sed quo ma-tronale decus verecundiae munimento tutius esset, in ins vocanti matronam corpus eius attingere 20 non permiserunt, ui inviolala manus alienae taetu
stola relinqueretur).
Sinn und Wesen des conventus matronarum, der gelegentlich erwähnt wird, sind nicht recht deutlich; er scheint religiösen Ursprungs gewesen zu sein (Friedländer Sittengesch. 110 282). – Handwerker- oder Berufsvereinigungen erwählen sich bisweilen Frauen als patronae, sei cs, daß deren Männer patroni der Vereine waren oder auch nicht (vgl. o. Bd. IV S. 424).
$θ Die m. im Kultwesen: Wie die Eheschließung eine religiöse Handlung war, so galt auch die Ehe selbst als göttlichem Schutz unterstellt. (Ob allerdings das sacellum dcae Viriplacae wirklich allgemein der Platz war, an dem Ehezerwürfnisse geschlichtet wurden (Val. Max. II 1, 6), scheint fraglich (Wissowa Religion 243). Über eine Feier der Wiederkehr des Hochzeitstages ist nichts bekannt. Es gab dafür in Rom mehrere Frauenfeste, deren wichtigstes die am 1. März 40 gefeierten Matronalia sind (erwähnt Plut. Rom.
21, 1 und oft; vgl. W i s s o w a 185). An. diesem Tag betet die Frau mit dem Gatten um Segen für die Ehe und erhält wie am Geburtstag Geschenke (Tibull. III 1, 1–4. Digest. XXIV 1, 31, 8 st vir urori munus immodicum Kalen-dis Martiis aut natali die dedisset, donatio est; sie selbst bewirtet ihre Sklaven (Macrob. Sat. I 12, 7 servis cenas apponebant matronae, ut domini Saturnalibus: illae, ut principio anni ad 50 promptum obsequium honore servos invitarent, hi.,.). Auch das Fest der Mater Matuta, die am 11. Juni gefeierten Matralia, ist ein uraltes Fest der Matronen (s. Wissowa 110f.; auch 257f. über Fortuna). Aus Griechenland stammt das sacrum anniversarium Cereris, das zur Zeit des 2. panischen Krieges im August von den Römerinnen gefeiert wurde (W i s s o w a 300), ebenso wohl das Fest der Bona Dea, das unter strengem Ausschluß der Männer in einer Dezember-50 nacht abgehalten wurde (bekannt durch die Clo
diusaffäre; Wissowa 216f.). Italischen Ursprungs scheinen dagegen die Carmentalia zu sein, die die Römerinnen im Januar feierten. Hohe Verehrung zollte die Römerin auch der Gaia Caecilia oder Tanaquil, der Frau des Tarqui-nias Priscius, als dem Vorbild einer guten Hausfrau; Andenken an sie befanden sich im Tempel des SemoSancus auf dem Quirinal (Plin.n.h.VIII [2305] 2305
Matrona
194. Plut. quaest. Rom. 30. Preller-Jordan Röm. Myth. II 274).
Im religiösen Leben Roms haben die Frauen immer eine große Rolle gespielt; so nehmen sie insbesondere an allen Bittgängen teil (Wissowa 424). Bekannt ist, daß eine ganze Reihe orientalischer Kulte besonders durch die Frauen Eingang in Rom und überhaupt dm Westen gefunden hat (Kult der Großen Mutter, Isiskult; auch die jüdische und christliche Religion; Friedländer Sittengesch. I10 302–305). Die Leidenschaft, mit der viele Frauen sich den fremden Kulten zuwandten, ließ wohl Plut.arch. praec. coniug. 19 die Forderung aufstellen, θεούς, οὓς d ἄνηρ νομίζει ὑέβεσθαι τῆ γαμέτη καὶ γινώσκθν μόνους προσήκει.
Die m, im öffentlich-rechtlichen Leben: Der Freiheit, die die Frau im Alltagsleben genoß, entspricht auch ihre bürgerlich-rechtliche Stellung. Sie darf vom Manne weder verkauft, noch willkürlich getötet werden (Plut. Rom. 22, 3 τὸν θ ἀποδὸ μ ἐν ὅν γυναίκα Φύεσθαι χθονῖοις θεοις, Augustin. ep. 157, 31 uxor quam nullis humanis legibus licet wendete). Einzig wenn der Mann die Frau beim Ehebruch ertappt, darf er sie (wie auch den Ehebrecher) töten (Cato bei Gell. X 23, 4f. Hör. sat. II 7, 61), bis mit der lex Iulia de adulteriis auch diese Ausnahme fällt. Bed Vergehen, die sich die Frau als Gattin zuschulden kommen läßt, entscheidet eine Art von Familiengericht, zu dem man cognatij propinqui, gelegentlich auch amici zuzieht (Marquardt-Mau 5, 3). Auch darf das manus-Recht über die Frau nicht einem andern übertragen werden (Marquardt-Mau 6, 1), da noxae datio ein Ausfluß der potestas, nicht aber der manus ist (E, Böcking Pandekten P 176, 8). So ist also die verheiratete Frau doch in vielem persönlich freier als vor ihrer Verheiratung, solange sie noch der palria potestas unterstellt war. Ehescheidung, die in der Zeit der Republik ziemlich erschwert war, auch wenn der Wunsch vom Manne ausging, ist zur Kaiserzeit lenserklärung eines der Gatten – also auch der lenserklärung eines der Gatten – also auch der Frau – möglich (Beispiel: Cic. ad fam. VIII 7, 2 Paulla Valeria ... divortium sine causa ... fecit; nuptura est D. Bruto. Gti. inst. I 137a virum re-pudio misso proinde compellere polestt atque si ei numquam nupta fuisset).
Gegenüber den genannten wichtigen Tatsachen sind kaum erwähnenswert Kleinigkeiten wie etwa der unter Tiberius gestellte Antrag, daß Frauen, die sich in der Öffentlichkeit ohne Stola sehen ließen, bestraft werden sollten (Marquardt-Mau 581, 8), oder auch, daß Caesar den Frauen das Recht, sich in der Sänfte tragen zu lassen, erheblich einschränkte (Friedländer Sittengesch. 110 293. Blüm ner Privatalt. 448, 14).
Ans Ende der obigen Angaben über die m. dürfen vielleicht die Worte gesetzt werden, die Friedländer Sittengesch. I10 267 seinem Abschnitt über die Frauen voranstellt: ,Wenn alle Darstellungen ... um so unvollständiger bleiben, je mehr sie auf gelegentlichen, zerstreuten, nicht selten einseitigen Äußerungen beruhen, so gilt dies am meisten von dem Leben der Frauen, von dem sich zusammenhängende Anschauungen am schwersten gewinnen lassen?