RE:Medon 11
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Ostlokrische Sagengestalt, zugehörig zum troian. Sagenkreis | |||
| Band XV,1 (1931) S. 109–111 | |||
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| Register XV,1 | Register mb | ||
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11) [...] [110] [111] 109
Medon
von seinem Vasallen Seuthes gestürzt wird, auf unseren M. zu beziehen, desgleichen die Erwähnung athenischer Kolonisten im Reich des »alten* Amadokos (wahrscheinlich doch vor Aigospotamoi) bei Isokr. V 6, und die Nennung des Amadokos d πατήρ Harpokr. s. v. = Theopomp. frg. 99 Oxf. Die richtige Namensform ist aber M.; die Münzen (Head HN³282) schreiben Μητοκό. Vgl. zu allem Höck Herm. XXVI 83ff. 455.
RE:Medon 1
Medon. 1) Sohn des Oileus und der Nymphe 10 Rhene. Anführer der Mannschaften des Philoktet (Hom. Il. II 716–728. XIII 693ff. Eustath. 328, 28). Er war wohnhaft in Phylake, wohin er (aus Opus) nach der Ermordung eines Verwandten seiner Stiefmutter Eriopis entwichen war. M. wird von Aineias getötet (Hom. II. XV 332ff. (vgl. C. Robert Die griech. Heidensag. 1042). Als Mutter des M. wird auch eine Alkimache erwähnt, die Tochter des Aiakos (Schoh Hom. II. XII! 694). Nach Gruppe (Gr. Myth. 113.20 615) Kurzname für Alkimedon, eine alte thessa-lisch-troische Sagengestalt. ___
RE:Medon 2
2) Bundesgenosse der Troer (Hom. II. XVÜ 216. Verg. Aen. VI 483).
3) Herold der Freier in Ithaka (Hom. Od. XVI 252. XVII 172), teilt der Penelope den gegen Telemachos geplanten Anschlag mit (Od. IV 677ff. XVI 412), wird auf Bitte des Telemachos beim Freiermord geschont (Hom. Od. XXII 356ff.), versucht den Zorn der Ithakenser gegen Odysseus zu 36 beschwichtigen (Hom. Od. XXIV 489ff.). Apollod. epit. VII 27 wird er als einer der Freier (aus Dulichion) bezeichnet, ebenso Ovid. Her. I 91.
RE:Medon 4
4) Baumeister in Killa, Gemahl der Iphia-nassa, Vater des Menalkes, der von Neoptolemos getötet wird (Quint. Smyrn. VIII 294ff.).
RE:Medon 5
5) Phrygier, Vater eines Zechis, der von Teukros getötet wird (Quint. Smyrn. X 125ff.).
RE:Medon 6
6) Einer der beiden Söhne von Pylades und Elektra (Paus. II 16, 7 = Hellanikos FHG I 51 4( frg. 43. FGrHist 4 F 155. Schol. Eur. Or. 1654). Nach einer der Sagen über den Tod des Hera-kliden Aristodemos hatte M. und sein Bruder diesen getötet (Paus. III 1, 6). M. ist identisch mit Medeon, Sohn des Pylades, dem eponymen Heros einer phokischen Stadt (Steph. Byz. s. v. Schol. Hom. Il. II 501).
7) Ältester Sohn des Kodros, streitet sich mit seinem Bruder Neleus um die Herrschaft, welche ihm vom delphischen Orakel zugewiesen 5( wird (Paus. VII 2, 1. Ailian. var. hist. VIII 5. Kellan. FHG I 47 frg. 10. FGrHist 4 F 125; vgl. Toepffer Att. Genealogie 229. Scherling o. Bd. XI S. 987). Er war der erste Archont (Euseb. chron. Sch. 1186. Arm. Sch. II 60. Vell. Paterc. I 2, 3; vgl. Marm. Par. I 27 Jacoby 10/11).
RE:Medon 8
8) Kentaur (Ovid. met. XII 303), der im Kampfe mit den Lapithen verwundet wird.
RE:Medon 9
9) Einer der tyrrhenischen Seeräuber, die 6 von Dionysos in Delphine verwandelt werden (Ovid. met. III 671. Hyg. fab. 134).
RE:Medon 10
10) Sohn des Keisos, ein Heraklide, König von Argos, dessen Macht vom Volke sehr eingeschränkt wird (Paus. II 19, 2). [v. d. Kolf.]
RE:Medon 11
11) M. eine ostlokrische Sagengestalt, die in den troianischen Sagenkreis verflochten ist (da ich diese Figur sehr ausführlich Philol, LXVII [110] Medon
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411–425 untersucht habe, verweise ich der Kürze halber meistenteils darauf). Er war νόθος νίός des Oileus (Hom. Il. XIII 694 = XV 333); seine Mutter war Rhene (II 728), oder Alkimache (Schot Townl. XIII 694; vgl. Philol. 412, 2); er hatte einen Verwandten seiner Stiefmutter Erio-pis ermordet, wofür er das Vaterland verlassen mußte (XIII 696 = XV 335). In II. XIII 697ff. befehligt er die Phthier zusammen mit Podar-kes, dem Bruder des Protesilaos, und lebt sogar in Phylake (XIII 695f. = XV 334f.), der Heimat des Protesilaos (II 700f.); in II 726f. dagegen stehen die Mannen des Philoktetes unter seinem Befehl [die absurde Behauptung, Philoktet und Protesilaos seien Lokrer gewesen, Schol. Townl. II 53, scheint auf ein Mißverständnis ihrer Beziehungen zu M. zurückzugehen]. In XV 332ff. unterliegt er dem Aineias. Das ist alles. – Der eklatante Widerspruch zwischen den Angaben von Buch XIII und II wurde von den Alten bemerkt, deren Erklärungsversuche ebensowenig wie die modernen gelten können (Philoh 412ff.), denn Φῦῖοι iet eine zu vage Benennung, um damit etwas anzufangen (S. 414f.; gut ist Leafs Bemerkung Homer and history 128; Allens Erklärung Hom. Cat. 115. 172 dagegen befriedigt durchaus nicht). Peppmüllers Behauptung (Berl. Phil. Woch. 1889, 1291), daß XIII aus II schöpfe, ist unrichtig (S. 414f.). Die Anknüpfung an die (frühere Sagengestalt des Protesilaos in XIII im
Vergleich mit der ganz jungen Figur des Philoktetes (S. 416–418; vgl. noch Friedländer Herakles 67, 1. 86–88. Bethe Homer III 92f. Grup-pes Versuch Burs. Jahresber. CXXXIX 596ff„ sowie der von Pettazzoni Riv. di Filol. XXXVII 187, ihn als früh zu erweisen, überzeugt nicht), wäre von vornherein als älter zu betrachten; das wird bestätigt durch die Neuerung in der kleinen Ilias, wonach Podarkes, Bruder des Protesilaos, leine Aristeia erhält, wobei M. als gemeinsamer Führer überflüssig und sogar lästig erscheint, steht daher zur Verfügung jedes Rhapsoden, der Philoktetes einflechten wollte, und eines Befehlshabers für seine Truppen bedarf, und so wird es in Buch II 704ff. stark betont, daß Podarkes der alleinige Führer der Truppen war, obwohl in Buch XV und XVI, wo die Schiffe eben seines Bruders angegriffen werden, er nicht einmal genannt wird (S. 418f.). M. selbst ist wohl recht) spät in das Epos eingedrungen, weil der Rhapsode von XV 332ff. ihn durch Aineias getötet werden läßt, kurz vor dem eigentlichen Angriff auf die Schiffe des Protesilaos (XV 704ff.), obwohl er als Führer der Mannen des Protesilaos vor allem hierher gehört, und das ist offenbar geschehen, weil dieser wohl relativ früh fixierte Teil des Epos M. nicht gekannt hat. Daß M. aber eine rein dichterische Schöpfung ist, wie Robert Stud. 409 behauptet, folgt durchaus 0 nicht, ebensowenig wie ich seiner weiteren Bemerkung, M. sei für den lokrischen Aias was Teukros für den telamonischen (S. 419f.), zustimmen kann, obwohl auch Vürtheim in seinem gelehrten und geistreichen Buche De Aiacis origine usw. 25f. diesen Gedanken etwas weiter ausgeführt hat (vgl. S. 412, 7. 424f. – Den Ton meiner Ausführungen darüber bedauere ich jetzt; die Ansichten selbst aber halte ich aufrecht). [111] 111
Medon
Die Ausführlichkeit der Angaben über M. macht es wahrscheinlich, daß er in einem anderen Sagenkreis schon ausgebildet war, aus dem er für die Ilias entlehnt wurde. Nun erwähnt Aristoteles, der die lokrischen genealogischen Sagen bekanntlich sehr ausführlich behandelt hat, in der Ὀπουντίων πολιτεία (frg. 564) gerade einen Medon mit der seltenen Deklinationsform Μέδωνος im Genetiv, und daß dieser mit dem homerischen Heros gleichzustellen ist, beweist die Tatsache, daß Miδων oder Μεδεῶν (die Überlieferung schwankt) weitverbreitet in Phokis, Boiotien und Lokris als Heroen- und Stadtname vorkommt (die Belege S. 420f.). Daß er auch in Thessalien erscheint, bestätigt die Hias selbst, während die Einzelheiten von seiner unehelichen Abstammung, Mord und Flucht (wohl z. T. nach dem bekannten Vorgang der Patroklossage) dichterisch gestaltet waren, um die Tatsache der engen Verwandtschaft zwischen lokrischen und thessalischen Sagen über M. zu erklären (S. 422f.). Der Name erscheint auch in der Form Μέδοντες (s. d.), oder Μίδωνες oder sogar Μεδώνες, als vorgeschichtliche Kennzeichnung für die Lokrer, die um die Thermopylen wohnten, wobei man an die Tatsache erinnert wird, daß gerade der Sohn von Elektra und Pylades (ursprünglich ,der Mann von Pylai‘, d. h. Thermopylen, s. S- 421) eben Μεδων (Hellanik. FGrHist I 4 F 155 bei Paus. II 16, 6. Schol. Eur. Or. 1654) oder sogar Μεδεῶν (Steph. Byz. s. v. Schol. D Hom. II. II 501) hieß, gewiß als Eponyme der anwohnenden Lokrer. Es ist dann dieser alte Stammheros oder vielleicht auch Gottheit (,der Herrscher‘, etwa wie ,Baal‘; vgl. S. 423) Mittelgriechenlands, dessen Spuren noch zu finden sind in Boiotien, Phokis, Thessalien und speziell Ostlokris, in welch letzterem Lande um die Thermopylen er vorkommt als Eponyme eines Teils dieses ohnehin sehr zersplitterten Volks, den die Rhapsoden auch in den troianischen Sagenkreis eingeflochten haben. – Daß der Name M. nicht griechisch sei, wie Fick Vorgr. Ortsn. 110 meint, sehe ich nicht ein (vgl. S. 423 und die Anm.). Übrigens scheint der dalmatische Medeon richtiger Meteon zu heißen. Cousin Etudes de Géogr. anc. 430.
RE:Medon 12
12) Lakedaimonier, Bildhauer. Arbeitete ein Weihgeschenk der Megarer in Olympia, Kampf des Herakles mit Aeheloos (dessen Kult in Megara o. Bd. I S. 214, 46) dabei Zeus (für den man kaum Oineus einsetzen darf), Deianira, Ares (als Helfer des Aeheloos), Athena mit Helm, Speer und Schild (auf Seite des Herakles); das Material war Zedernholz mit Gold. Die Statuen waren im Schatzhaus der Megarer aufgesteilt (Pans. VI 19, 12, 14, wo der Künstlername in das als Name unmögliche devrai verdorben ist); die Athena war zur Zeit des Pausanias (V 17, 2) in das Heraion übertragen. Pausanias nennt M. Bruder des Dorykleidas (s. o. Bd. V S. 1577), was wohl auf Überlieferung beruht, und Schüler des Dipoinos und Skyllis, was Kombination sein wird. M. gehört wahrscheinlich in die Zeit um 600, die Gruppe ist also älter als das Schatzhaus, in dem sie später stand (zu diesem vgl. Weickert Typen der archaischen Architektur 132. E. N. Gardiner Olympia 226 liest zu Unrecht aus Pausanias Gleichzeitigkeit heraus).