RE:Mettius 9
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Modestus, Trebonius Proculus Sen. der flavisch-trajanischen Zeit | |||
| Band XV,2 (1932) S. 1499–1502 | |||
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| Register XV,2 | Register mb | ||
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9) Trebonius Proculus Mettius Modestus, ein Senator der flavisch-trajanischen Zeit.
Name. [Τρ]εβώνι[ος] [Πρό]κλος Μέττιος [Μό]δεστος Hicks Journ. hell, stud. X 74 nr. 27 Lyda, Mettius Modestus CIL III 355[1] Aezani = CIG 3835 add. p. 1064L = Le Bas III 860–863. Plin. ep. I 5, 5.13. [Μ]έττιος Μόδεστος Inschrift aus Kaunos Waddington fast, des prov. As. nr. 124. Μέτ[τι]ος Μό[θ]ε[σ]τος Inschrift aus Patara CIG 4280 = Cagnat IGR III 669. Μέ[τ]τ[ιος] Μόδεστος Inschrift aus Patara CIG 4279 = Cagnat IGR III 668 = Syll. or, II 561 = Tituli Asiae minoris II 2, 421. ὑέττιος Μό ... Patara CIG 4280. Modestus Plin. ep. I 5, 5. 6. 7. 13. 14. Μόδεστος Inschrift aus Ephesos Curtius Herm. IV 178 - = Greek inscr. in the Brit. mus. III 149, nr. 486 = Syll. II³ 833.
Abstammung. 'Er war der Sohn des Mettius Rufus (Cagnat IGR III 668. 669), des Praefecten Ägyptens in den J. 89–91 n. Chr. (Stein Der röm. Ritterstand 337). Bezüglich der nomina gentilicia Trebonius Proculus sind wir ganz im unklaren, möglicherweise ist er durch Adoption in die gens Mettia gelangt, das nomen gentilicium Modestus führte er nach seinem Großvater väterlicherseits (Mettius) Modestus, der unter Kaiser Nero oder kurz vorher als Praefect Ägypten verwaltete (Suid. s. Snaφρόδιτος Χοχρωνεύς 389 B. Stein 338).
Leben. Über sein Leben und seine Laufbahn vor der Übernahme der Praetur sind wir nicht unterrichtet; in welche Zeit diese fällt, läßt sich nicht mit Sicherheit sagen. Plin. ep. I 5, 5 erzählt gelegentlich aderam Arrio-nillae .... rogatu Aruleni Rustiei. Regulus contra. Nitebamur nos in parte causae sententia Metti Modesti, optimi viri: is tune in exilio erat, a Domitiano relegatus. Aus Tac. Agrie. 45 geht hervor, daß der Tod des Consularen Iunius Aru-lenus Rusticue nach dem Agricolas, also nicht vor Ende des J. 93 n. Chr. anzusetzen ist (Kroll o. [1500] Mettins
1500
Bd. X S. 1084 Nr. 149); dieses Jahr ergibt sich somit als terminus ante quem für die Praetur des M. Mithin fällt seine Geburt vor das J. 60 n. Chr. Die Tilgung des Namens seines Vaters auf zwei Inschriften von Koptos aus dem J. 90 (Syll. or. II 561. Cagnat IGR I 1183 = Syll. or. II 674) bringt Stein Kitterstand 338 meines Erachtens mit Recht mit seiner Verbannung (Plin. ep. I 5, 5) in Zusammenhang. In dieser lebte er 10 noch zur Zeit der Abfassung des Briefes Plin.
ep. I 5, 5 (I 5, 13 wird er als exul bezeichnet); da das Schreiben vor der Rückkehr des Iunius Mauricus aus dem Exil (Plin. ep. I 5, 10 exspecto Mauricum; non dum ab exilio v en erat, ähnlich Plin. ep. I 5, 16), die nach dem 1. Jänner 97, aber noch unter Nerva, wahrscheinlich bald nach dessen Regierungsantritt erfolgte (Groag o. Bd. X S. 1052), also noch im J. 97 geschrieben ist (M o m m s e n Herm. III 20 36 = Ges. Schr. IV 372, unrichtig Ganter
o. Bd. IV S. 138 im J. 100), erklärt sich allenfalls die Verbannung des M. durch Teilnahme an der (in ihren Einzelheiten unbekannten) Bewegung des J, 93 gegen Domitians autokratische Tendenzen (Mommsen Ges. Schr. IV 421. Weynand o. Bd. VI S. 2577). Diese Ansicht wird durch Plin. ep. I 5, 6 (Ule [Regulus] -.. quod de pietate Modesti sentias, ähnlich Plin. ep. I 5, 13) bekräftigt; vielleicht hatte dabei 30 auch der berüchtigte Delator M. Aquilius Regu
lus seine Hand mit im Spiele; die Worte Plin. ep. I 5, 13 interrogavi (sc. Regulus), .., non ut übi (sc. Plinius) nocerem, sed ut Modesto; ep. I 5, 14 scripsit (Modestus) in epistula quadam, quae apud Domitianum recitata est: Regulus omnium bipedum nequissimus zeigen, daß er ihm keineswegs wohlgesinnt war. Das nächste Amt, das unseres Wissens M. bekleidete, war das eines legatus pro praetore Lyciae et Pamphyliae. Der 40 Annahme, diese Stellung noch in die Regierungs
zeit Domitians zu setzen (zuletzt Stein 337), widerspricht die Tatsache, daß der Name seines Vaters auf den beiden Inschriften von Patara (Cagnat IGR III 668- 669) nicht eradiert ist, außer man will annehmen, die beiden Denkmäler seien übersehen worden. Die Inschriften von Patara aber geben keine Handhabe für die Bestimmung der Zeit seiner (zumindest zweijährigen) Wirksamkeit in Lykien. Die Inschrift von 50 Kaunos, in der [πρεσβευτὴν καὶ ἀντιστράτηγον
zu ergänzen ist, kann aber ebensogut in die Regierungszeit Domitians wie Traians gesetzt werden, da von dem Namen des Kaisers nur das Cognomen Γερμανικός erhalten ist (Αὐτοκράτορος ... [Σεβαστου Γερμανι[κου])· Kaiser Domitian führte das Cognomen Gennanicus seit dem J. 83 (Stein o. Bd. VII S. 1253), Kaiser Traian seit dem Ende des J. 97 (Stein o. Bd. IV S. 142 und Bd. VII S. 1253). L i e b e n a m Rom. Staats-60 verw. 260. Stech Senatores Romani qui fuerint inde a Vespasiano usque ad Traiani exitum (Klio Beih. X) 67. 88 nr. 843. 1166 setzen, da Mommsen diese Inschrift auf Domitian bezieht, dieses Amt des M. in die Regierungszeit Domitians. Auch Dessau PIR II 373 nr. 404 ist dieser Meinung und setzt die obenerwähnte sententia des M. in die Zeit seiner Tätigkeit als legatus pro praetore Lyciae et Pamphyliae. Gehören indes die [1501] 1501
Mettius
Inschriften von Patara in die Zeit Traians, so war mittlerweile die Restitution von Vater und Sohn erfolgt (Stein 338, 2), nach Dessau PIR II 373 unter Nerva. Waddington glaubt, daß M. unter Berücksichtigung der vorausgehenden Bemerkung über seine Verbannung und Zurückberufung nicht Vorgänger, sondern Nachfolger des L. Iulius Marinus gewesen sei, für dessen Statthalterschaft in Lykien Groag o. Bd. X S. 671 Nr. 342 dem Ansätze Juni 98 bis Juni 100 vor dem Juni 99 bis Juni 101 den Vorzug gibt. Wir müßten infolgedessen annehmen, daß M. in den J. 100–102 in Lykien gewirkt hat. Auch Dittenbergerzu CIA III 13 setzt die Tätigkeit des M. in Lykien in trajanische Zeit.
Mit der Gepflogenheit der Zeit, daß die Statthalter der praetorischen kaiserlichen Provinzen bei oder bald nach ihrem Abgänge das Consulat bekleiden, wurde jedenfalls auch im Falle des M. nicht gebrochen (Stein 337), wenn wir auch darüber kein Zeugnis besitzen. Sein Suffectcon-sulat, das er vielleicht erst nach langer praetorischer Dienstzeit erreichte, dürfte ins J. 103 gehören. Schließlich erreichte er das durch Losung besetzte höchste provinziale Amt eines Proconsuls von Asia (vgl. Inschrift von Lyda, s. o.). Den Zweifel Waddingtons, seine Wirksamkeit daselbst unter Traian vor C. Iulius Ferox oder unter Hadrian als Nachfolger des C. Iulius Cornutus Tertullus zu setzen, hat Heberdey IOA VIII 237 zugunsten des letzteren Ansatzes, also für das J. 119/120 entschieden und ihn damitals Vorgänger des Cornelius Priscus im J. 120/121 (Groag o. Bd. IV 8. 1420 Nr. 290) gesichert (vgl. auch IOA VIII 233, 6); dieser Ansatz hat auch deshalb viel für sich, weil er dem um diese Zeit üblichen Intervall von 17 Jahren zwischen Consulat und Proconsulat von Asia Rechnung trägt (vgl. z. B. C. Iulius Ferox Consul im J. 99, Proconsul Asiae im J. 116/117, C. Iulius Cornutus Tertullus Consul im J. 100, Proconsul Asiae im J. 117/118 vgl. Groag o. Bd. X 8. 587 bzw. 574). Von seiner Tätigkeit in Asia gibt der Brief des Kaisers Hadrian an die γερουσία von Ephesus, vom 27. September 120, Aufschluß (Syll.³ II 833); aus ihm entnehmen wir, daß M. jedenfalls als Proconsul Asiae einem von ihm gefällten Spruch in einem Prozeß der γερουσία gegen einige ihrer Schuldner ein Verzeichnis der bereits erledigten Händel angeschlossen habe, was der Kaiser billigt (Curtius Herm. IV 180). Βουλή und δῆμος von Lyda setzen ihm εὐχαριστίας ἔνεκεν eine Statue mit einer Ehreninschrift, in der sie ihn als σωτήρα καὶ εὐεργέτην καὶ τῆς ἠμετέρας πόλε[ω]ς καὶ κοινὴ καὶ κατ’ Ἰδίαν πάντων Λυδατων feiern.
Möglicherweise ist der CIA III 13 genannte Μέττ[ιος] und der in einer Cippusinschrift genannte M. Mettius Modestus (CIL VI 19321,[2] vgl. Groag o. Bd. VIII S. 676 Nr. 35) mit unserem M. identisch (Dessau PIR II 373; o. Nr. 6). Dessau erklärt das Fehlen der Angaben über jegliche Würden des M. entweder mit dessen Verbannung, hält aber hierfür auch einen anderen uns nicht näher bekannten Grund für nicht ausgeschlossen; ist erstere Ansicht richtig, dann gehört die Grabschrift in die letzten Jahre der Regierung des Kaisers Domitian oder in die ersten des Kaisers Traian. [1502] Mettins
1502
Vgl. außer der angeführten Literatur A s -bach Bonn. Jahrb. LXXII 44f.