RE:Minucius 38

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Basilus, L. Hieß urpsrünglich M. Satrius (von Nr. 37 adoptiert), praet. ohne
Band XV,2 (1932) S. 19481950
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38) L. Minucius Basilus hieß ursprünglich M. Satrius und empfing den neuen Namen erst infolge der testamentarischen Adoption durch den Bruder seiner Mutter Nr. 37; die Adoption scheint in Kraft getreten zu sein, obgleich die Bestimmungen über den Nachlaß gefälscht waren und deshalb für ungültig erklärt wurden. Wahrscheinlich nach der Bekleidung der Quaestur ging M. zu Caesar nach Gallien. Gewiß ist er der Minucius, auf den Cicero im September 700 = 54 für die Beförderung von Briefen dorthin rechnete (ad Q. fr. III 1, 21), denn im folgenden Jahre ist er zuerst als Legat nachweisbar. Er bewährte sich damals, 701 = 53, im Feldzug gegen Ambiorix als Führer der Reiterei (Caes. beü. Gall. VI 29, 4–30, 2) und erhielt 702 52 das Kommando der einen Legion, die bei den Römern in die Winterquartiere kam (ebd. VII 90, 5; s. Drumann-Groebe GR³ III 697). Im Bürgerkriege versuchten M. und C. Sallustius von Italien aus in Verbindung mit anderen Legaten Caesars im Sommer 705 = 49 den C. Antonius zu befreien, der auf einer Insel im Adriatischen Meere – nach der gewöhnlichen Ansicht (o. Bd. I 8.2582f. IV S. 1835) Curicta, nach der von Rice Holmes (The roman republic III HO, 2) Corcyra Nigra – eingeschlossen war (Lucan. IV 4160. mit Schol. Bern. IV 416. 433. 436. Flor. II 13, 32. Oros. IV 15, 8). In der ersten Hälfte von 706 = 48 zeichnete er sich in den Kämpfen bei Dyrrachion aus; Appian. bell. civ. H 249 berichtet von den Taten τὸν φρουράρχου Μινουκίον unter Vermengung mit denen des Cassius Scaeva (o. Bd. ΠΙ8. 1744, 360. Suppl.-Bd. I S. 278, 8. Drumann-Groebe III 445, 1); Lucan. VI 126 erwähnt nur Minuci 'castella, aber die von Livius abhängigen Schol. Bern, sprechen nicht allein von dem castelli prae-fectus Minucius (= Appian, s. o.), sondern auch von Lucius Minucius legatus Caesaris. Während Ciceros Aufenthalt in Brundisium wird Anfang November 706 = 48 Basilus (ad Att. XI 5, 3) und im April und Mai 707 = 47 Minucius (ebd. 14, 3 als in Tarent weilend und 15, 2) unter denen genannt, an denen ihm damals gelegen war; es handelt sich vielleicht um denselben M.) trotz der verschiedenen Benennung. 709 = 45 wurde er von Caesar zur Praetur befördert und für seine Dienste reich mit Geld belohnt, erhielt jedoch nicht die Anwartschaft auf eine Provinz (Dio XLDI 47, 5: Λουκιος Βάσιλλος). Dadurch tief gekränkt, nahm er sich zwar nicht das Leben, wie Dio angibt, aber schloß sich der Verschwörung gegen Caesars Leben an (Oros. VI 18, 7. Appian. II 474; vgl. III 409. Ohne Cognomen [1949] 1949

Minucius

Nic. Damasc. v. Caes. 24, 89: Μινούκιος Si καὶ ἄντος τύπτων Καίσαρα, παίει Ῥούβριον εἰς τὸν μηρόν; ß. u. Bd. ἼΑ 8. 1173 Nr. 23). Als einen eiligen Glückwunsch an den Iden des März 710 = 44 sieht man allgemein das kurze Billet an: Cicero Basilo salutem. Tibi gratulor, mihi gau-deo; te amo, tua tueor; a te amari et quid agas quidque agatur eertior tieri volo (fam. VI 15). Aber Groebe (bei Drumann² III 627f., 7) hat diese Datierung .bedenklich' gefunden, und E T. Merrill (Class. Philol. VIII 48–56) hat die ganze verbreitete (u. a. von Ed. Meyer Caesars Monarchie 530, 5 geteilte) Auffassung des Briefes zu widerlegen unternommen und die Zustimmung von Rice Holmes III 351, 1 gefunden. Seine Beweisführung scheint mir ebenso wenig überzeugend wie hinsichtlich des Briefes des Dec. Brutus an seine Mitverschworenen fam. XI 1 (s. SuppL-Bd. V S. 375). Er muß selbst zugeben (53f.), daß der antike Herausgeber offenbar die Ansicht von dem Briefe hatte, die bisher die herrschende war; dafür ist bezeichnend–und zugleich gegen Me r r i 11 s Meinung sprechend –, an welche Personen, zu welchen Zeiten und in welchen Angelegenheiten die übrigen Briefe dieses Buches fam. VI geschrieben sind (s. Peter Abh. Sächs. Ges. XX 3, 71f.). Ein Brief von solcher Knappheit an einen sonst nicht vorkommenden Korrespondenten steht bei Cicero einzig da. Wenn auch die einzelnen Wendungen an sich farblos und konventionell erscheinen, so ist der Ton des Ganzen unverständlich, wenn es nichts als ein Dank für eine Fürsprache bei Caesar im J. 707 = 47 sein sollte (Merrill 56). Das dabei nicht verständliche: tua tueor, wird aufs beste erläutert durch den in der Sammlung folgenden Brief des Pompeius Bithynicus (fam. VI 16): peto a te, ut absentem me.....tueare. Alles ist wohl zu begreifen, wenn Cicero unter dem ersten Eindruck der Ereignisse der Idus Martiae an eine Persönlichkeit schrieb, die ihm bis dahin ferner gestanden hatte und ihn durch ihre Be-teiligung daran zugleich überraschte und erfreute. Nur diese besondere Bedeutung konnte die Aufbewahrung und spätere Veröffentlichung der sonst belanglosen Worte rechtfertigen. Ferner paßt dazu das weitere Geschick des M. Cic. Phil. II 107 und off. III 74 (s. Nr. 37) sind fast in derselben Zeit geschrieben und ergeben zusammen, daß M. im Sommer 710 = 44 in derselben Weise von den Picentern und Sabinern zu ihrem Patron gewählt wurde, wie von anderen Landschaften und Gemeinden Italiens Antonius, Brutus und Cassius. Die Beziehung dieser Stellen auf den Caesarmörder ist nur unter der Voraussetzung möglich, daß er sich wieder dem Antonius genähert habe; aber dieser Annahme steht auch nichts im Wege (so richtig Merrill 50), da ja eine Zeitlang sogar Antonius und D. Brutus in leidlichem Einvernehmen miteinander waren. Daß M. etwa noch einmal die Partei gewechselt habe, deuten die übereinstimmenden Berichte von seinem Ende bei Appian. III 409 und Oros. VI 18, 7 nirgends an; sie sagen nur, er sei um dieselbe Zeit wie D. Brutus, also im Sommer 711 = 43, umgekommen, und zwar ermordet von seinen eigenen Sklaven. Zwischen seinem Schicksal und dem anderer Caesarmörder besteht kein [1950] Minucius 1950

sachlicher Zusammenhang, sondern nur zeitlich traf sein gewaltsamer Tod mit dem des ehemaligen Genossen zusammen. M. kann sich seit der Ermordung des Dictators bei der Unsicherheit der Lage von der Politik ferngehalten haben. Die Grausamkeit gegen seine Sklaven, die seinen Untergang herbeiführte, läßt auf seinen Charakter schließen; Caesar wird diesen gekannt haben und deshalb dem verdienten Anhänger eine 10 Provinz versagt haben, um sie nicht unglücklich zu machen. Satrius, der 711 = 43 noch Legat des C. Trebonius war, kann nicht, wie Bd. II A S. 190, 22fi. vermutet wurde, mit M. identisch sein, sondern nur verwandt; die Parteistellung des einen zog die des andern, wohl eines jüngeren Mannes, nach sich.