Molpadia (Μολπαδία). 1) Eine der Töchter des Staphylos und der Chrysothemis. Sie bewachte mit ihrer Schwester Parthenos zusammen den eben erfundenen Wein, aber die Schwestern schliefen dabei ein. Da kamen Schweine und warfen den Krug um; dieser zerbrach und der Wein floß aus. Als sie erwacht waren und das Unglück sahen, flohen sie an den Strand und stürzten sich ins Meer. Apollo aber rettete sie; M. gelangte nach Kastabos in Karien und wurde dort ‚wegen der Epiphanie der Göttin‘ als Hemithea verehrt. Diod. V 62 s. Ostern Myth. Lex. IV 1417. Die Hemithea ist eine der Leukothea ähnliche Heilgöttin, der nicht reiner Wein gespendet werden durfte und von deren Heiligtum diejenigen ausgeschlossen waren, die ein Schwein berührt oder Schweinefleisch gegessen hatten. Diese Gebräuche zu erklären ist mit ein Zweck der Sage von M.; sie konnte um so eher mit Hemithea identifiziert werden, weil die ,Halbgöttin‘ offenbar keinen Eigennamen besaß; vgl. Usener Sintflutsagen 93. Rohde Psyche I 188. Das Zerbrechen der Töpfe war einst eine religiöse Zeremonie; s. Gruppe Gr. Myth. 971, 8. Nach Gruppe a. a. O. 259 stammt M. aus Boiotien; auf die Ähnlichkeit des Namens mit Molpos weist er 303, 11 hin. Vgl. im übrigen Friedländer o. Bd. VIII S. 254.