Nabalia nennt Tac. hist. V 26 einen Fluß im Lande der Bataver, an dem Civilia und Cerealis 70 n. Chr. über den Frieden verhandeln. Sonst wird ein Fluß dieses Namens nirgends genannt. Man hat versucht, diesen Fluß oder besser diesen Flußarm des Rheins zu bestimmen und hat ihn, da Civilis, weit zurückgetrieben, den größten Teil seines Reiches verloren hat, am nördlichsten oder östlichsten Teile der Insula Batavorum gesucht. Weiter kann man darüber nichts Bestimmtes sagen. Die Versuche, jeden der niederländischen Wasserläuffe mit diesem Namen zu belegen, namentlich wegen des Anklangs an moderne Namen wie Na-Waal, Nagel, Vahalis u. a. weist Norlind Die Geograph. Entwicklung des Rheindeltas (1912) 101 mit Recht zurück. Dieses unfruchtbare Rätselraten, wie R. Hennig Bonn. Jahrb. CXXIX 198 diese Versuche richtig bezeichnet, findet seine Lösung durch eine einfache Korrektur der Stelle bei Tac. hist. V 26 navalis fluminis pons statt Nabaliae fluminis pons, die schon Ottema over den den loop der Rivieren (1845) 146 vorschlug. Es ist also hier von einer Schiffsbrücke die Rede, deren mittelste Pontons herausgenommen sind, sodaß die beiden Gegner getrennt über die Lücke hinüber verhandeln; vgl. auch L. Schmidt Gesch. d. deutschen Stämme 382. Der Name N. als Flußname ist demnach zu streichen. Nun zählt Ptolem. II 11, 18 (Cuntz 268, 5) unter den 29 Städten des zweiten Klimas Germaniens Ναυάλια auf; also ist sie im Nordwesten Germaniens zu sichen. R. Much Hoop’s Reallex. III 296 nimmt an, die Stadt sei nach dem Fluß benannt, an dem sie liege; solche Städtenamen findet man bei Ptolemaios mehrere. Aber abgesehen davon, daß die geographischen Lageangaben für N. bei Ptolemaios verderbt sind, herrscht gerade bei den Stadtangaben des Ptolemaios für diese Gegend eine große Verwirrung, die zum Teil auf Mißverständnis einer lateinischen Quellen beruht, s. besondere Artikel Μουνίτον, Σιατουδάνα, oder es sind Städte vom linken Rheinufer hier an
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falscher Stelle eingesetzt worden, s. besondere Ἀσκιβούϱγιον, Μεδιολάνιον Τευδέϱιον. Demnach wird man auch hier wohl einen Irrtum des Ptoelmaios oder seiner Quellen annehmen müssen, er hat aus einen mißverstandenen castra navalia einen Eigennamen Ναυάλια gemacht. Dieses Lager zu bestimmen ist natürlich nicht möglich, da es am Rheindelta eine Reihe von römischen Lagern gegeben hat, über die Holwerda im IV. XV. und XVI. Ber. der Röm. Germ. Kommission berichtet. Ein Lager an der See braucht es nicht notwendigerweise zu sein, da die Römer auf dem Rheine selbst eine stattliche Flotte unterhielten, für die sie costra navalia an verschiedenen Orten anlegten.
Dasselbe Mißverständnis kommt auch bei einer Station an der ligurischen Küste vor. Geogr. Raven. S. 270,3 und 337,6 der Ausgabe von Pinder und Parthey gibt zwischen Figlina (o. Bd. VI S. 2317) und Alba Docelia (o. Bd. I S. 1299) als Ortsnamen Nabalia an, wofür in Guidonis geographica (ed. Pimder et Perthey) Navalia geschrieben ist. Die Tab. Peut. nennt diese Station ad navalia; Miller Itin. Rom 238. Es ist das heutige Varazze, heute noch eine bedeutende Schiffswerft, Baedeker Oberitalien 16 367.