RE:Necho

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Zweiter König d. XXVI. Dynastie in Ägypten
Band XVI,2 (1935) S. 21672169
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Necho [...] [2168] [2169] Necho, zweiter König der XXVI. Dynastie, Name hierogl. siiw; griech. Νεχαω Clem. Alex., Afric. Euseb.; Νικώς Herodot. Die ägyptischen Inschriften geben uns, wo sie erhalten sind, nur dürftige Kunde, es sind fast nur Nachrichten über [2168] seine Tätigkeit an Bauten in Rosette, Memphis. Desto besser sind wir durch babylonische, israelitische Nachrichten über ihn unterrichtet.

Psammetich I. war es gelungen, das Reich zu einigen und auch den Gottesstaat von Theben sich anzugliedern, s. Ranke Ztschr. für äg. Sprache XLIV 50ff. und Erman ebd. XXXV 28. Schon er hatte in die vorderasiatischen Angelegenheiten eingegriffen und den Assyrern, die im 10 Todeskampfe lagen, ein Hilfskorps geschickt, (S. Chronik Gadd, § 1 Z. 16, Löwy Forschungen zur alten Gesch. Vorderasiens, 68). N. nahm die Politik seines Vaters auf. Assyrien retten konnte er nicht mehr, schon 2 Jahre vor seinem Regierungsantritt war Ninive gefallen. So mußte er sehen aus dem Zusammenbruch des bisherigen vorderasiatischen Groß reiches für sein Land möglichst viel herauszuschlagen. Die Gelegenheit schien günstig, die alte Herrschaft über Syrien 20 wiederzugewinnen. Der einzige selbstständige Staat unter Josia von Juda erlag in der Schlacht von Megiddo 609 v. Chr. 2. Kön. 23, 29ff. In Charran hatte sich unter Assuruballit ein Rest des alten Assyrerreiches erhalten. Ihm ist N. zu Hilfe gekommen, (Chronik Gadd, § 8 Z. 66. Löwy 77.) Aber auch er unterlag in dem Kampfe gegen die verbündeten Meder und Babylonier. Wie der Kampf im einzelnen verlaufen ist, läßt sich nicht sagen, da die Chronik Gadd abbricht. 30 Jedenfalls unterlag N. 605 (nach der gewöhnlichen Annahme) gegen Nebakadhezar, der bald nachher seinem Vater auf den babylonischen Tron folgte. Der Versuch, die alte Macht der Pharaonen wiederherzustellen, war gescheitert. N. sah sich fortan auf Ägypten beschränkt, während Syrien und Palaestina nach und nach von Nebukadnezar erobert wurde, Jerusalems Fall hat N. allerdings nicht mehr miterlebt.

Die Eroberung Syriens hatte auch den Besitz 40 Phoinikiens zur Folge, durch phönikische Seeleute hat N. die berühmteste Tat seiner Regierung aus-führen lassen. Den alten Verbindungsweg zwischen Nil und Mittelmeer, der schon im Neuen Reich bestanden hatte, ließ er wiederherstellen (Hero-dot. II 195) und dann ließ er, wir wissen nicht wann, phönikische Schiffe ausfahren, um Afrika zu umsegeln. Der einzige Bericht hierrüber ist Herodot. IV 42. Nach dem Berichte Herodots gingen die Seeleute jeden Herbst an das Land, 50 säten dort und warteten ab bis zur Ernte. So kamen sie im dritten Jahre durch die Säulen des Herkules zurück. Daß Herodot die Umseglung Ägyptens anzweifelte, wie man oft meint, ist gar nicht gesagt, wohl aber zweifelt er an der Wahrheit der Angabe, daß sie bei der Rückfahrt um Libyen die Sonne zur Rechten gehabt Mit Recht ist gerade hieraus auf die Wahrheit des herodoteischen Berichtes geschlossen worden. Ausgenutzt wurde diese Entdeckung allerdings nicht, 60 der Staat, der in den nächsten Jahren um seine Existenz zu kämpfen hatte, konnte an soweit ausschauende Pläne nicht denken. Die späteren Versuche des Sataspes und Hanno, die Umseglung zu wiederholen, scheiterten wahrscheinlich daran daß sie entweder mit zu geringen oder (Hanno) mit zu großem Aufwand das Unternehmen begannen. So geriet N’. Unternehmen in Vergessenheit, genau wie die Entdeckung Nordamerikas [2169] durch die Normannen, für die sich erst in allerletzter Zeit archäologische Beweise gefunden haben. Beiden Fahrten ist das Schicksal zu Teil geworden, von hervorragenden Forschern ange-zweifelt zu werden.

Auf innerpolitischem Gebiet wird N. die ziel-bewußte Politik seiner Vorgänger fortgesetzt haben, wenngleich wir hierüber nichts Näheres wissen. Nach der Schlacht von Karchemisch (Anspielung darauf Jeremias 46, 2 im vierten Jahr 1 des Königs Jojakim = 605 v. Chr.) hören wir nicht mehr von ihm. Die Zweifel, die schon Wiedemann äußerte, ob entweder die Niederlage bei Karkemisch so entscheidend war, daß N. für immer gelähmt war, oder ob er die mit Ne-bukadnezar geschlossenen Verträge nicht brechen wollte, lassen sich auch heute nicht beheben. Fine Stele von der Beisetzung eines Apis aus seinem 16. Regierungsjahre (Wiedemann Gesch. Äg. 630) ist die letzte ägyptische Nachricht, die wir 2 von ihm haben.

Mit Griechenland hatte sich N. ebensogut zu stellen gewußt wie sein Vater, nach seinen syrischen Siegen sandte er seinen Panzer an das Branchidenheiligtum zu Milet.

Literatur. Liste der ägyptischen Quellen: Gauthier Livre des Bois III. Petrie History of Egypt III. Behandelt ist N. natürlich in allen Handbüchern der ägyptischen Geschichte. Hervorgehoben seien Wiedemann Gesch. derί XXVI. Dynastie, 147K; Äg. Gesch. 625ff. Ed. Meyer G. d. A. I 563ff.; Gesch. Äg. Maspero Histoire des peuples de l’Orient III. Breasted History of Egypt 582ff. Breas ted-Banke Gesch. Ägyptens 430f. Unzulänglich ist die neueste Darstellung Steindorffs in der Propyläen-Weltgeschichte 394ff. Steindorff kennt das neue Material über den Untergang Ninives und die vergeblichen Hilfseipeditionen Ägyptens nicht (in Kittels Parallelabschnitt über Vorderasien 533 und in der Zeittafel am Schlüsse 573 steht das Richtige). Auch daß Steindorff (wie auch Petrie) die Nachricht von der Umschiffung Afrikas nicht erwähnt, ist nicht zu billigen, die übrigen oben genannten Forscher zweifeln sie mit Becht nicht an. Ein (m. W. nicht gedruckter) Versuch Sieglins in der Berliner Archäologischen Gesellschaft, die Nachricht als unhistorisch zu erweisen, wurde sofort von Schuchhardt schlagend widerlegt. Ich wüßte tatsächlich nicht, was gegen die so bestimmte Angabe Herodots sprechen sollte; wer in ihr etwas ganz unglaubliches sieht, kennt die Geschichte der Entdeckungen nicht. Orellanas Amazonenfahrt und Magellana Erdumsegelung waren viel waghalsigere Unternehmungen. Wer die Nachricht Herodots anzweifelt, muß wahrscheinlich machen, wie ein späterer auf diese Erfindung kommen konnte.

[M. Pieper.]

[Pieper. ]