RE:Neokles 6

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
unvollständig  
Dieser Text ist noch nicht vollständig. Hilf mit, ihn aus der angegebenen Quelle zu vervollständigen! Allgemeine Hinweise dazu findest du in der Einführung.
Technograph, wohl erste Hälfte 1. Jh. n. Chr.
Band XVI,2 (1935) S. 24162422
Bildergalerie
Register XVI,2 Register n
Link für WP   
* {{RE|XVI,2|2416|2422|Neokles 6|[[REAutor]]|RE:Neokles 6}}        

6) [...] [2417] [2418] [2419] [2420] [2421] [2422] 6) Technograph wohl der ersten Hälfte des1. Jhdts. n. Chr., spätestens des 2. Jhdts. (vielleicht schon vor Quintilian, jedenfalls vor Hermogenes, dessen Lehre von ihm nicht berücksichtigt wird), ist neben Alexandros Numeniu I

(Brzoska o. Bd. I S. 1456, 33ff.) und Harpo- ' kration (Radermacher o. Bd. VII S. 2411.

625.) die Hauptquelle des Anonymus Segueria-nus, eines Auszugs aus einer in der ersten Hälfte des 2. Jhdts. (so Marx Berl Phil. W. 1892, 781. Hammer Burs. LXXXIII 142) für Schulzwecke

60verfertigten Kompilation, die H. Graeven (Cornuti art. rhet. epit, BerL 1891) ohne Grund dem Kornutos zuweisen wollte (G. Thiele DLZ 1892, 1170. Marx 7785. Hammer Rhet. Graec. I* praef. XV; Burs. LXXXIII 141. Egenolff BerLPhil,W. 1894, 390. Schmid-Stählin II 2, 928) und als solche wichtig für das historische Verständnis des Streites der ,

Apollodoreer und Theodoreer. ; [2417] Ausgaben des Anonymus Seguerianus: L. Spengel Rhet. Graec. I 427–460. H. G r a e -ven a. O.; zuletzt C. Hammer Rhet. Graec. I² 352–398. Weitere Literatur zum Text des Anonymus Seguerianus vgl. Brzoska o. Bd. I S. 2329, 58ff. Ammon (Bayr. Gymn. XXXI, 1895, 598). Kroll Rh. Mus. LXVÏ 164. Mehr als einmal wird der Text des Anonymus Seguerianus auch durch die von H. Rabe in der Ausgabe des Ioannes Sardianus festgestellten Parallelen geheilt (Rhet. Graec. vol. XV, Lpz. 1928, praef. XXI). Zitiert wird nach Paragraphen von Graeven und Hammer.

Von dem Anonymus Seguerianus wird N. zwölfmal namentlich zitiert, außerdem wird N. noch zehnmal genannt in den Scholien des Maximos Planudes (vol. V W.) und eines Anonymus (vol. VII W.) zu Hermogenes de învent. III.

Leben. Über das Leben des N. erfahren wir sonst nichts, und auch aus der Epitome lassen sich keine sicheren Schlüsse auf seine Lebenszeit ziehen (Graeven LXX). Von den drei Hauptquellen der Epitome kennen wir allein die ungefähre Zeit des Alexandros Numeniu, der zur Zeit Hadrians lebte (Graeven LXIXf.), Graeven hielt nun (LXVIIIf.) Harpokration für jünger als die beiden anderen und für einen ungefähren Zeitgenossen des Hermogenes, N. aber für älter als die beiden anderen und nicht nur von Alexandros Numeniu, sondern schon von Quintilian benutzt (s. u. »Nachleben*). Da ferner nach Graeven N. mit dem Progymnasmatiker Theon eine Quelle benutzt hat, hätten wir hiernach N. für einen ungefähren Zeitgenossen Theons zu halten und in die erste Hälfte des 1. Jhdts. n. Chr. zu setzen. Dieser Ansatz fand den Widerspruch Angermanns (De Aristotele rhetorum auctore, Lpz. 1904, 36. 55), welcher der Meinung war, daß N. und Alexandros Numeniu im wesentlichen dieselbe Lehre boten und Öfters zusammen genannt würden, also wohl auch einer Zeit angehörten. So gehört auch nach Schmid-Stählin a. O. N. wohl ins 2. Jhdt. Aber neuerdings hat K. Aulitzky Wien. Stud. XXXIX (1917) 45 mit guten Gründen die Meinung Graevens zu erhärten gesucht, daß Quintilian wirklich schon N. benutzte (s. u.). Da nun außerdem die Lehren N? auf ältere Zeit zurückführen (s. u. ,Quellen*; daß er seine Beispiele mit Vorliebe aus Demosthenes nimmt, besagt hierfür nichts), wird man wohl doch N. schon vor Quintilian anzusetzen haben.

Fragmente. Sicher gehören N. die Stellen bei Graeven und Walz, wo er mit Namen genannt wird: Epit. § 46. 147. 149. 154. 157. 160. 170. 198. 214. 223. W. V 395, 12. 21. 403, 22. VII 752, 7. 762, 18. 763, 8. 30. 764, 2. 16. 765, 5. Außerdem werden N. und Alexandros Numeniu Epit. 116 und 125 für dieselbe Lehre gemeinsam genannt. Es fragt sich nun, wie wir jedesmal Anfang und Ende des Fragments abzugrenzen haben und ob wir für noch andere Stellen N. als Quelle annehmen dürfen. Ein wenig sicheres Kriterium geben die Übereinstimmungen N.* in den § 172.180.184/85. 219/20 mit Quintilian ab (vgl. Graeven an den unter Sachleben* genannten Stellen), weil ja die Benutzung N.' durch Quintilian umstritten ist. Am [2418] weitesten ging in der Zuteilung von Fragmenten an N. G. Thiel e in der Rezension Oraevens (1171), der es sogar für möglich hielt, daß die ganze Epitome aus N. stamme. Aber auch Graeven nahm vielleicht noch zu viel für N. in Anspruch, dem er bei der Aufteilung des Anonymus Seguerianus viel mehr zugewiesen hat als Alexandros Numeniu (LXX) und Harpokration (LXIX), nämlich (LXXf.) folgende Paragraphen: 10 5–7. 21–25. 40–48. 53–61. 63–71. 79–87.

89–103. 105–112. 117–120. 126–128. 147- 154. 156–157. 160–168. 170–185. 192–194. 198. 203–206. 210–220. 223–228. 236. 239. Aber trotz des Einspruchs von Angermann 55 gegen diese Aufteilung werden wir N. als Hauptquelle des Anonymus Seguerianus betrachten müssen. Weniger gut gesichert als Fragmente N.* erscheinen nach den oben angeführten Gesichtspunkten die §§ 53–61. 63–71. 7θ87. 20 89–103 (§ 103 weisen Morawski Quaest.

Quintilianeae, Posen 1874, 34–41; Rh. Mus. XXXIV 370f. Angermann 35 dem Alexandros Numeniu zu), 236. 239; anderseits sind §§ 116–120 und 125–128 nicht dem N. allein, sondern N. und Alexandros Numeniu gemeinsam zuzuweisen. Im übrigen dürfte Graeven Anfang und Ende der einzelnen Fragmente richtig abgegrenzt haben. Ferner ergeben sich bei Walz (im folgenden abgekürzt mit W.) folgende Frag-30 mente: V 395, 12–13. 395, 15–397, 6. 403, 22–104, 2. VII 752, 7–8. 762, 18–763, 3. 763, 8–10. 763, 30–765, 11. Schließlich macht Graeven LXI wahrscheinlich, daß auch VII 766, 4–16 N. gehört.

Lehre. Am Anfang seiner Techne dürfte auch N. so wie es Egenolff 391 für die der Epitome zugrunde liegende Techne wahrscheinlich macht, über die Definition der Rhetorik, über ihre Etymologie und über die Redearten 40 gehandelt haben, um dann zu den Redeteilen überzugehen. Vielleicht dürfen wir, gerade wegen der Vorliebe des N. für Vierteilungen (s. u.), die vier von Ruphos von Perinth und Nikolaos von Myra genannten Redearten (δίκαιόν, συμβουλευτικόν, ἐγκωμιαστικόν, ἰστορικόν) auf N. zuruckführen (Felten ed. Nicolai prog. praef. XXXIIf.). Jedenfalls hat dann aber N. in seinen weiteren Ausführungen, wie Theodoros Gad. und wie der Anonymus Seguerianus, sich auf den 50 πολ:τ«κὸς λόγος (δικανικόν, συμβουλευτικόν) beschränkt und darum auch die τόποι nicht nach den drei bzw. vier Redearten, sondern nach den στάσεις in κοινοί und Ἴδιοι geteilt. Die Fragmente erstrecken sich auf die εὐρεσις und τάξις der vier Redeteile, besonders der Beweisführung. Inwieweit sich N. auch mit der λέξις und ὑπόκρι· σις befaßt hat, können wir nicht sagen, da der Anonymus Seguerianus gerade hierfür alles aus Harpokration und Alexandros Numeniu genom-60 men hat Wenn wir mit Graeven §§ 63–71.

79–87. 89–103 als Eigentum dee N. betrachten, die von den drei ἀρεταὶ διηγήσεως (συντομία, σαφήνεια, πιθανότης) handeln, haben wir in dem λεκτικὸς τόπος dieser Tugenden wenigstens für diesen einen Redeteil stilistische Anweisungen.

Das P r o o i m i o n definierte N. (§ 5) als λόγος κινητικὸς ἡ θεραπευτικὸς τῶν τουάκροαχου παθῶν (vgl. Schissel Philol. LXXXII 196), [2419] eine Definition, die unvollständig ist und auch auf den Epilog passen würde, weshalb wahrscheinlich ist, daß N. noch eine zweite Definition gab, die nach Graeven XXXIX bei W. VII 52, 16 erhalten ist. Das Pathos definierte er als πρόσκαιρος κατάστασις ψυχῆς, σφοδρότερα? ὀρμὴν ἡ ἀφορμὴν κινούσα (§ 6), genau wie beim Epilog (§ 223), und unterschied es vom Ethos. Mit der bei ihm beliebten Vierteilung (Gr a evenXLIIl. XLVIII. LID. Aulitzky45. Allerdings findet sich dieselbe Vorliebe schon vor N. bei Hermagoras, nach ihm wieder bei Iulius Victor; vgl. Radermacher o. Bd. X S. 878, 33. 48. 874, 30) nennt N. vier Arten von Prooimien (§ 7) und vier Gründe, aus denen das Prooimion wegfallen kann (§ 21–25).

Die D i e g e s i s definiert N. (§ 46) als ἡ δικανικὴ ἰκάεσις πραγμάτων τις τινὰ προκειμένην ζήτησιν ἀνηκόντων oder als περιστάστως ἔκθεσις εἰς τινὰ ζήτησιν ἀνηκούσης und gibt § 40–45 Anweisungen für die Beseitigung gewisser Schwierigkeiten ihrer Anwendung. § 105–112 werden die sieben τρόποι διηγήσεως behandelt Die Erzählung kann aus vier Gründen wegfallen (§ 116 –120). Für die Stellung der Diegesis nannte er (in Übereinstimmung mit Alexandros Numeniu, der dann aber im einzelnen von N. abwich, § 129 –131) verschiedene Möglichkeiten (§ 125–128). Nach Graevens Aufteilung des Anonymus Seguerianus würde N. außerdem in § 53–61 über die εἰδὴ διηγήσεων sprechen (vgl. dazu G. Reichel Quaest. progymnasmaticae, Lips. 1909, 58. O. Schi ssel Die griech. NoveUe, Halle 1913, 1–19. K. Barwick Herm. LXIII 261–287) und § 63–71. 79–87. 89–103 über die drei ἀρεταὶ διηγήσεως (vgl. Reichel 65ff. Stroux De Theophrasti virt, dic., c. IV p. 43ff,).

Die πιστέις teilte N. in ἔντεχνοι und ἄτεχνοι (§ 147), erstere wieder in παθητικαί und πραγματικοί. Für die πραγματικοί wieder gibt es drei τρόποι; κατὰ τὸ εἰκός, κατὰ τεκμήριον, κατὰ παράδειγμα (8 149). Alle drei werden definiert (§ 149. 151. 154). das τεκμήριον vom σημεῖον unterschieden (§ 152) und zu den drei τρόποι noch drei εἰδή gegeben (§ 153: τὰ πρὸ τοῦ πράγματος, τὰ ἐν τῷ πράγματι, τὰ μετὰ τὸ πράγμα). Die ἀρχὴ ἀποδείξεως ist die πράθεσις (§ 160), deren beide τρόποι αὐξησις und μείωσις sind. Sie wird definiert (§ 161), und es werden vier Gründe für ihre Anwendung gegeben (§ 162- i 165) sowie Regeln für ihre Stellung (§ 166–168). Für das Enthymem gibt N. zwei Definitionen (§ 157 = W. VII 762, 18 und VII 763, 8), von denen die zweite mehr auf die Form geht (Graeven XII 1). Wahrscheinlich sind ihm auch die vier Formen der Enthymeme (W. VII 766, 4–16) zuzuweisen. Den Enthymemen werden auch die Gnomen untergeordnet (765, 3). Das Enthymem wird vom Epicheirem unterschieden (763, 30). Das Epicheirem wird definiert (W. V 395, 12S.) € und zwei Arten unterschieden (διδασκαλικά und δνσωπητικά = παραδειγματικά), deren zweite wieder in drei εἰδή zu teilen ist (εἰκῶν, παραβολή, παράδειγμα). Jedes Epicheirem hat drei Teile (πρότασις, λήμματα, ἐπιφορά), die λύσις eines Epicheirems erfolgt durch Widerspruch gegen die ersten beiden Teile. Das Enthymem unterscheidet sich aber auch vom Syllogismos [2420] (W. V 403, 22. VII 764, 28), dessen Teüe (VII 764, 15) und zwei Ausführungsarten (764, 1) angegeben werden. Die τόποι teilt N. ein in κοινοί und ἴδιοι (§ 170); von den ersteren nennt er zehn γενικώτατοι (§ 171), bespricht sie ausführlich (§ 172–181) und gibt an der Hand eines Beiepieles zwei τρόποι an für ihre χρηοις (§ 183 –185). Über diese Stasislehre des N. vgl. Volkmann Rhet.² 206. Wenn § 102–194 10 mit Graeven LXXI 1 ebenfalls N. zuzusprechen sind (vgl. § 194 mit 185), so spräche N. fernerhin über die Stellung der κεφάλαια und ihre zwei Arten, die ἀπλά und διπλά.

Den Epilog definiert N. (§ 198) als λόγος ἐπὶ προειρημένας ἀποδείξεσιν ἐπιλεγόμενος, πραγμάτων ἀθροισμὸν καὶ ἤθων καὶ παθων περιέγων. Er teilt ihn in zwei εἰδὴ (πρακτικόν und παθητικόν § 203); aber sowohl die ἀνακεφαλαίωσις als das πάθος oder sogar beide können wegfallen 20 (§ 2θ42θ6)· Die ἀνακεφαλαίωοις wird definiert (§ 210), ihre Stellung und Anwendung (§ 211- 213) besprochen, schließlich werden vier Arten derselben behandelt (§ 214–218), die Art ihrer Einführung (§ 219) und ihr Nutzen (§ 220). Ebenso wird der andere Teil des Epilogs, das Pathos, definiert (§ 223), und als Hauptarten werden angegeben und definiert λύπη, φόβος, ἐπιθυμία, ἠδονή (§ 224), von denen dann wieder je zwei Unterarten genannt und definiert wer-30 den (§ 225–228). Graeven weist N. auch noch § 236 und § 239 zu, worin über die Etymologie des Wortes Epilog und die verschiedene Stellung der πάθη gesprochen wird.

Quellen. Über die Quellen des Anonymus Seguerianus und dadurch indirekt auch die des N. handelt Graeven LXVIHff., nach Egenό 1 f f 395 im ganzen richtig. Nach Angermann 55 hat aber Graeven nicht genügend beachtet, daß auch das Buch des N. Spuren der 40 Rhetorik des Aristoteles aufwies. Dieses Aristotelische Gut nahm er, ebenso wie Alexandros Numeniu, aus Kaikilios. Wenn auch nicht alle Ausführungen Angermanns gleich überzeugend sind (vgl. Brzoska o. Bd. I S. 2329, 40. Lehnert Burs. CXLII 280. 311. 325. Ammon Burs. CXLVIII 209 spricht sogar von einer ,Caeciliushyperbel‘), wird man doch an dem Hauptergebnis nicht rütteln dürfen. Wir sind also berechtigt, N, mit Schmid-Stählin >0 als einen Rhetor aristotelisch-cacilianischer Richtung zu bezeichnen. Zwar scheint N. in § 148 –153 mehr die Lehre der Isokrateer zu bieten, aber er vernachlässigt trotzdem nicht das En-thymem; einmal (§ 170) nennt N. tatsächlich den Aristoteles bei den τόποι und zielt damit auf Rhet Hc. 23 (Angermann 58). In § 40 44 liegt nach Graeven LXX 4 Benutzung des Anaximenes vor. N. folgt Öfters der Lehre der Stoiker. Graeven LXVIII 1 führt dafür § 149 10 an, wo das stoische εὐλογον erwähnt wird, § 173 über die verschiedenen Arten der διαίρεσις, § 179 über den Unterschied von ἀντικείμενον und ἐναντίον, § 224–228 die Definitionen der einzelnen πάθη. Nach Graeven hat N. auch den Zenon von Kition, und zwar den Begründer der stoischen Schule (nicht den um 160 n. Chr. lehrenden stoischen Rhetor) benutzt und verdankt diesem die Definition der διήγηος (§ 48) und des παρά- [2421] δείγμα (§ 156 = W. V 396, 2) und büdete außerdem seine Definition der παραβολή der Zenonisehen des παράδειγμα nach. Anderseits aber zeigt Volkmann Rhet? 206 an der Sta-tuslehre, wie N. Aristotelische Grundanschauung modifiziert hat im Sinne eines Akademikers aus Horazens Zeit, nämlich des Eudoros (0. Immisch Philol. Suppl. XXIV 3, 69). Nach I m -misch gehört N. hinsichtlich der Pathoslehre derselben vorneuplatonisch - spätakademischen Sphäre an, in der wir uns auch bei Horaz bewegen. Übereinstimmungen N/ bzw. des Anonymus Seguerianus mit Cicero behandelt Grae-ven XLVIff. LXX 5, mit dem Auct. ad Her. XLVIff. (übrigens weist Marx 781 darauf hin, daß sich die Parallelen des Anonymus Seguerianus zu Cic. de inv. und Auct. ad Her. leicht vermehren lassen), mit Quintilians inst. or. XLVIff. LXV. LXX 3. LXXI 3, mit dem Pro-gymnasmatiker Theon XLIX und kommt zu dem Schluß, daß N., Theon und der Verfasser der von Cic. de inv, und Auct. ad Her. benutzten Techne aus derselben Quelle geschöpft hätten. K. A u -litzky Wien. Stud. 1917, 45 übernimmt zwar von Graeven die Quellengemeinschaft des N. mit Theon, lehnt aber die Gleichsetzung dieser gemeinsamen Quelle mit dem Gewährsmann des Auct. ad Her. und Cic. de inv. mit guten Gründen ab. Die Übereinstimmungen N.’ mit dem Auct περὶ ὕψ. behandelt Mutschmann Tendenz, Aufbau und Quellen der Schrift vom Erhabenen 53ff. und deutet sie auf gemeinsame Benutzung des Theodoros Gad. Spuren Theodoreischer Lehre findet Graeven Index 54 in § 79. 112. 116. Nach seiner Aufteilung gehört N. auch § 103, wo Theodoros Gad. direkt genannt wird. In der Betonung des καιρός scheint N. noch strenger gewesen zu sein als Alexandros Numeniu. Denn er läßt § 127 auch die Stellung der Diegesis ,μετὰ τὰς πίστεις* zu, was Alexandros § 130 ablehnt. Alle Stellen, wo Apollodoros oder die Apollodoreer genannt werden in der Epitome (Grae ven Index 51), gehören nach der Aufteilung Graevens nicht N.

über das Nachleben der Epitome und der ihr zugrunde liegenden Techne, und damit indirekt auch über das spätere Nachleben N.' handelt Graeven p. I-XXV, dessen Resultate Fr. Marx 779 als zum größeren Teil richtig anerkennt. Als frühester Benutzer der Techne N.’ kommt nach G r a e v en XLVHf. Quintilian in Frage. Graeven ist der Meinung, daß alle Stellen, wo Quintilian mit dem Anonymus Seguerianus übereinstimmt, auf N. zurückgehen. Er fand darin den scharfen Widerspruch An-g e r m a n s 36. 55, der diese Stellen auf Kai-kilios zurückführte. Aber Aulitzky schließt sich wieder an Graeven an, ja er glaubt darüber hinaus nachweisen zu können (S. 45), daß Quint. inst. or. V 11, 36ff. auf direkte Benutzung N.’ (§ 181) zurückzufuhren ist Ebenso liegt der Fall in der Frage der Benutzung N? durch Alexandros Numeniu. Graeven LXX und danach Brzoska o. Bd. I S. 1458, 64 glaubte, daß Alexandros § 130f. und 144 auf N. ziele. Angermann 55 lehnt das wieder ab, während Aulitzky 45. 49 Graevens Nachweis für gelungen ansieht und darüber hinaus behauptet, [2422] daß Apsines (i 307, 13 Sp.) nur indirekt, eben durch Vermittlung des Alexandros Numeniu, auf N. (§ 181) zurückgehe. Direkt N. benutzt hat schließlich noch der Verfasser der Techne, die der Epitome zugrunde liegt.

Als indirekte Benutzer N? kommen in Frage der Verfasser der Epitome, ferner der von Graeven X viel zu spät angesetzte Ruphos (Felten Nicolai prog. ΠΧΠί), der vielmehr 10 in den Anfang des 3, Jhdts. gehört (vgl. auch Schissel Rh. Mus. LXXV 369), und Apsines (Aulitzky a. O.; vgk Ammon Burs. CIÄXIX 38; Berl. Phil. W. 1918, 472), im 4. Jhdt. Iulius Victor in seiner Theorie des Enthymema und seiner vier σχήματα und des Epicheirems (vgl. Radermacher o. Bd. X S. 877, 1ff.), ferner die von Graeven V-X als Benutzer der Epitome und X-XXV als Benutzer der dieser zugrunde liegenden Techne selbst aufgezählten Rhe-20 toren. Es sind meist Kommentatoren des Hermogenes und Aphthonios (vgl. Brzoska o. Bd. I S. 2329, 49ff. 2799, 53). Als ältesten Rhetor, der die Techne selbst benutzt hat, nennt Grae v e n den Progymnasmatiker Nikolaos (5. Jhdt.), und Felten ed. Nicol, prog. XXXHf. bringt weitere Beweise dafür, daß Nikolaos nicht die Epitome, sondern die Techne selbst benutzt habe. Unter den Kommentatoren des Aphthonios ist besonders Ioannes Sardianos zu nennen (9. Jhdt.);H. Rabe weist in seiner Ausgabe (Lpz. 1928, praei. XXI; vgl. Indices p. 270) nach, daß Sar-dian bei mehreren Vorübungen die τέχνη τοῦ πολίτικου λόγον des Anonymus Seguerianus herangezogen hat und also indirekt auch N., dem, Graevens Aufteilung des Anonymus Seguerianus als richtig vorausgesetzt, die meisten der von Rabe angeführten Parallelen zuzuweisen sind. Über Spuren des Anonymus Seguerianus in den Prolegomena zum Hermogeneskorpus vgl. 40H. Rabe Proleg. Sylt, Lpz. 1931, Index s.

Anonymus Seguerianus, der praef. CIII speziell von Sardian handelt [Willy Stegemann.]