RE:Nepualios

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Verfasser eines Traktates peri ton kata antipatheian kai sympatheian
Band XVI,2 (1935) S. 25352537
GND: 102400261
Nepualios in Wikidata
Bildergalerie
Register XVI,2 Register n
Link für WP   
* {{RE|XVI,2|2535|2537|Nepualios|[[REAutor]]|RE:Nepualios}}        

Nepualios, Verfasser eines in mehreren Hss. erhaltenen kurzen Traktates περὶ τῶν κατὰ ἀντιπάθειαν καὶ συμπάθειαν. Da der Name ungewöhnlich ist, so verbesserte ihn Fabricius in Anatolios, Haupt Op. III 279 in Neptunianos ― auch ein ungewöhnlicher, aber immerhin möglicher Name; Neptunalis (-nialis) kommt vor; für Neptunalios v. Wilamowitz Rh. Mus. XLVIII 1 A. [2536] Neptunianos wird nämlich von Iul. Afrik. Kestoi 301 B (o. Bd. X S. 121) zitiert; nun steht freilich in unserem Traktat nicht (wie bei M. Afr.), daß der Fußknöchel eines Wolfes Pferde zum Stehen bringt, sondern in § 72, daß ein Pferd erstarrt, sobald es auf eine Wolfspur tritt; aber beides zusammen findet sich bei Ailian. hist. an. I 36, und wir dürfen annehmen, daß in dem ausführlicheren, uns nur in arger Verkürzung vor liegenden Traktat des N. beides stand. Einen weiteren indirekten Beweis hat Wellmann Abh. Berl. Akad. 1928, 33 erbracht, der Benutzung des N, durch Ambrosius im Hexaemeron beweist und zeigt, daß er mehr darin gelesen hat. Haupts (oder v. Wilamowitz’) Verbesserung wird daher anzunehmen sein (anders Weidlich 40).

Das Schriftchen wird eingeleitet durch einen Widmungsbrief an den κράτιστος Σέκστος, in dem N. in der üblichen Weise gegen seine Vorgänger polemisiert, die vieles Unglaubliche berichtet hätten; er wolle nur Weniges und durchweg von ihm selber Erprobtes sammeln. Es folgen 86 kurze Angaben, und zwar beginnt N., wie er selbst ausdrücklich sagt, mit Heilmitteln, wie sie kranke Tiere anwenden; diese reichen bis § 25, kehren aber in 29–32 wieder; dazwischen stehen Mittel, die Tiere in ihre Nester oder Höhlen legen, so der Fuchs Meerzwiebelblätter gegen die Wölfe (27). Ähnliche Mittel stehen in § 35–50. Nachher geht es bunt durcheinander; z. B. 53 ‚wenn man das Herz einer Fledermaus auf einen Ameisenhaufen legt, so gehen sie weder hinein noch hinaus; es heißt auch, daß sie am Sabbat feiern‘. Wellmann Abh. Akad. Berl. 1928, 33 will daraus auf palästinensische Herkunft schließen, was vielleicht nicht nötig ist. 58: Wenn man die Pflanze ἀείζωον bei zunehmendem Mond pflückt und mit Blei im Herd versteckt, so gebt kein Feuer an. 85: Wenn man den Sporn des Hahns mit Wachs umgibt, so stirbt er.

Die vorliegende Epitome stammt gewiß erst aus byzantinischer Zeit; die Grundschrift fällt vor Africanus, also spätestens ans Ende des 2. Jhdts, n. Chr. Sie gehört zu den vielen Bearbeitungen des Ps.-Demokritos (Bolos), über den sich heute mehr sagen läßt als o. Bd. III S. 676; ich verweise auf Diels Vorsokr. II 125. Wellmann Abh. Akad. Berl, 1928, 33, der durch Vergleich mit der Parallelüberlieferung zu zeigen versucht, daß das Schriftchen ein Auszug aus den Physika des Pamphilos (s. d.) sei, und S. 45 über das Verhalten des N. zu Bolos handelt. Vgl. auch die Art. Anaxilaos, Androtion Suppl.-Bd. VI und Demokritos Suppl.-Bd. IV. Kroll Forsch. u. Fortschr. X 111. Herm. LXIX 228.

Zu genaueren Bestimmungen kommt Wellmann Herm. LXII 191 von der Beobachtung aus, daß Timotheos von Gaza (s. d.) sich eng mit N. berührt; er nimmt an, dessen Quelle habe den vollständigen N. eingesehen. Da nun auch Tatian (u. Bd. IV S. 2468) Mittel kennt, die sich bei N. finden (Oder Rh. Mus. XLV 71), so nimmt er an, daß auch dieser schon den N. ausschreibe, macht diesen zu einem Syrer und läßt ihn zwischen 80 und 150 schreiben. Da auch andere Verzweigungen der Überlieferung denkbar sind, so ist diese Kombination nicht ganz sicher; die [2537] Vermutung der syrischen Herkunft steht auf unsicherem Boden.

Der Traktat ist in vier Hss. erhalten (Diels Abh. Akad. Berl. 1906, 68). Er wurde zuerst von Fabricius Bibl. Gr. IV 295 mit Anmerkungen von Rendtorf ediert; dann aus einem Codex Ambros. von W. Gemoll Progr. Striegau 1884. Vgl. Weidlich Die Sympathie in der antiken Literatur (Progr. Stuttg. 1894) 39 und o. Bd. I S. 36 u. ö.