RE:Neratius

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Gentilname einer römischen Familie der Kaiserzeit
Band XVI,2 (1935) S. 25392541
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Neratius, römischer Gentilname. Für sein Vorkommen in republikanischer Zeit fehlen sichere Belege, denn sowohl bei Cic. leg. agr. II 67 wie bei Gell. XX 1, 13 bietet die in den neueren Ausgaben aufgenommene bessere Überlieferung der Hss. nicht Neratius, sondern Veratius, und nur der letztere Name findet sich auf Inschriften republikanischer Zeit in Carthago Nova (CIL I² 2270) und auf Delos (ebd. 2249f. Bull. hell. VI 498. XXXVI 89f.). In der Kaiserzeit sind Neratii zahlreich.

In der Kaiserzeit gelangte die Familie der Neratier aus Saepinum in Samnium zu großer Bedeutung (vgl. Borghesi Oeuvr. V 345 –380). Sie gehörte wohl schon in republikanischer Zeit zu den führenden Geschlechtern der Stadt - C. Neratius Sexti filius, II vir iure dicundo, der mit seinem Kollegen M. Antonius C. f. der Victoria eine Weihegabe darbrachte (Not. d. scav. 1926, 245), wird den letzten Jahrzehnten [2540] der Republik angehören -; ihre höchste Blüte erreichte sie in der Zeit Traians und Hadrians mit den beiden Brüdern Marcellus, der nach langer ämterreicher Laufbahn dem J. 129 als Consul II den Namen gab, und Priscus, dem berühmten Rechtsgelehrten und Freunde Traians. Soll doch Traian sogar daran gedacht haben. Priscus zu seinem Nachfolger zu bestimmen (Hist. aug. Hadr. 4, 8). Auch nachher haben es Angehörige der Familie noch wiederholt zum Consulat und zu hohen Würden gebracht, doch ist ein Abstieg nicht zu verkennen. Das Verwandtschaftsverhältnis der späteren Neratier des 2. und 3. Jhdts. zu den Brüdern Marcellus und Priscus und dem Sohne des Letzteren ist angesichts der Dürftigkeit des Materials nicht festzustellen; daß sie nicht direkte Nachkommen der genannten waren, ergibt sich daraus, daß sie nicht wie jene den Patriziat besaßen. Wie sehr die Neratii in ihrer Heimatstadt verwurzelt waren und wie stattlich ihr Besitz daselbst gewesen sein muß, bezeugt die große Zahl von Inschriften ihrer Freigelassenen, die als Seviri Augustales die Bürger des Municipiums selbst mit Spenden bedenken konnten (vgl. CIL IX 2440),[1] und ihrer Sklaven (CIL IX 2440.[1] 2484. 2509–2512. 2514. 2515. 2517. 2531; ein Soldat der cohors X urbana, L. Neratius Iustus, offenbar Nachkomme eines Freigelassenen, Not. d. scav. 1926, 246; ebenso C. Neratius Primio ebd. 442). Im 4. Jhdt. nahm die Familie einen neuen Aufschwung. Denn daß die Neratii der Spätzeit - Naeratius Cerealis, der Consul des J. 358, der sogar mit dem Kaiserhaus der Konstantine in verwandtschaftliche Verbindung trat (s. o. Bd. III S. 1981 Nr. 6), und sein Sohn Naeratius Scopius (Bd. II A S. 831), der Stadtpraefect Neratius Iu[stus?] (CIL VI 37128),[2] [2541] Neratius Constantius, patronus von Saepinum (CIL IX 2447.[3] Not. d. scav. 1929, 214), Neratius Palmatus (Dess. 5643 a) - mit den Neratiern des 2. und 3. Jhdts. Zusammenhängen, ergibt sich aus der Tatsache, daß der Palast der Brüder C. Neratius und Neratius Marcellus in Rom sich noch im Besitze des Naeratius Cerealis befand (s. Nr. 8).

[Groag. ]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. a b Corpus Inscriptionum Latinarum IX, 2440.
  2. Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 37128.
  3. Corpus Inscriptionum Latinarum IX, 2447.