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Ein alexandrinischer Grammatiker des 2., Jhdts. v. Chr. Er wird in den A-Scholien zur Ilias und an den entsprechenden Stellen des Eustathios-Kommentars als der ἀναγνώστης Aristarchs bezeichnet, d. h. wahrscheinlich als derjenige seiner Schüler, der die Aufgabe hatte, den in der Vorlesung behandelten Text zum Abschluß sinngemäß vorzutragen (vgl. für die späteren Rhetorenschulen Quintii, inst II 5, 6). Wo er gewirkt hat, nachdem Aristarch 145 Alexandreia verlassen hatte, um bald darauf in Kypros zu sterben, wissen wir nicht; jedenfalls ist der Annahme von Cichorius (Rh. Mus. LXIII [1908] 209f.), daß er später in Athen gelebt habe und mit dem ἱεροποιός der Πτολεμαῖα aus dem Demos Πειραιεύς, den die Inschrift IG² II 1938 nennt, 20 identisch sei, der Boden entzogen, seitdem wir aus der 1912 bekanntgewordenen Liste der Gymnasiarchen wissen, daß diese Inschrift bereits in das J. 152/51 gehört (vgl. Joh. Kirchner z. d. St.).
Schriften: 1) Der Ilias hat P. eine Arbeit gewidmet, die sowohl Fragen der Textkritik als auch solche der Erklärung behandelte. Spuren haben sich erhalten in Schob A T Eust. (659, 16) zu Il. VI 511 (ρίμφαε [mit pleonastischem ἐ, statt ρίμφα ἑ] γοῦνα φέρει), in Schol. A Eust. (1096, 13) zu II. XVII 75 (ἀκίχητα nicht zum vorangehenden θέτις, sondern zum nachfolgenden διώκων gehörig, von Eust. mißverstanden) und in Schol. Apoll. Rhod. II 105/06 (Erklärung von λάξ II. X 158). Die beiden Homer-Scholien sind vielleicht durch Aristarch vermittelt, von dem das zweite ausdrücklich bezeugt, daß er die von seinem Vorleser befürwortete στιγμή anerkannt habe. 2) Demselben Verfasser wird mit Recht eine Schrift Περὶ συνδέσμων zugewiesen, die Apollonios Dyskolos De coniunct. 214, 4–20 Schneider mit Nennung des Titels anführt und De constr. IV 65 (488. 4 Uhlig) meint (Schneider Comment. 217). P. teilt hier noch den Standpunkt derjenigen, welche die πρόθεσις zu den σύνδεσμοι rechneten. 3) Selbst wenn Cichorius die späteren Lebensjahre des P. mit Recht nach Athen verlegt hätte, dürften wir ihm deshalb nicht die Ἀττικαὶ ἰστορίαι und die Λιβυκά zuweisen, die Suidas als Werke des Olbiopoliten (Nr. 2109) anführt, denn diese Arbeiten liegen von der beglaubigten Schriftstellerei des Aristarch-Schülers weit ab. Ebensowenig gehören ihm die Auslassungen über den Kehlkopfdeckel (Schol. B II. XXII 325) und das menschliche Sehvermögen (Etym. M. 645, 52), die man früher ihm zu geben geneigt war; sie passen vorzüglich in die Gedankengänge des bekannten Stoikers (vgl. Karl Reinhardt Kosmos u. Sympathie [1926] 165–168. 368). Vgl. A. Blau De Aristarchi discipulis (Diss. Jen. 1883) 40f. Susemihl II 160. Schmid-Stählin II 1⁶, 268. 443.
[Carl Wendel. ]