RE:Simos 2

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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„der Stumpfnäsige“, Bezeichnung für den Dionysos begleitende Satyrn, angeblich auch ein Dichter S. aus Magnesia, Schöpfer der Simodie
Band III A,1 (1927) S. 199201
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2) Σιμός, Andeutung eines des Dionysos begleitenden Satyrs, auf mehreren Vasen und einem Spiegel; Heydemann Satyr- und Bak-chantennamen (5. Hall. Winckelmannsprogr. 1880) 38H. S. ist dargestellt: a) leierspielend bei Dionysos’ und Hennes’ Rückkehr in den Olymp (Heydemann a. O. nr. 13 c). Früher 60 hatte Panofka (Bull. d. Inst. 1830, 170) 2ΊΜΣ gelesen und die Gestalt als Marsyas gedeutet (vgl. unter b und c). Die richtige Lesung hat· O. Jahn festgestellt (Vasenb. zu München Taf. IX 780), CIG 7417; b) als Zuschauer beim Wettkampf von Apollon und Marsyas auf dem unteren Bilde eines Ruveser Kraters, Heydemann a. G. nr. 17. CIG 8380; [200] c) mit drei Bakchanten die musizierenden Marsyas und Olympus umgebend, Heydemann a. O. nr. 19 t. CIG 8412; d) bei Semeles Einführung in den Olymp. Heydemann a. O. nr. 20 v. Jahn Auserl. Vasenb. III 2. Welcker Alte Denkm. III 136 Taf. 13. CIG 8431; e) bei Persephones Anodos, Heydemann a. O. nr. 23 y; f) nur als Gefährte des Dionysos im Thiasos auf den von Heydemann a. O. nr. 28 w und x. 29 y. 31 k. CIG 7459. 7460. 8383; vgl. 3. Hall. Winckelmannsprogr. 1859, 52 nr. 7). Auf dem Spiegel (Heydemann a. O. nr. 33 E. Gerhard Arch. Ztg. 1859 Taf. 131; Etrusk. Spiegel Taf. 299. Corssen Sprache d. Etrusk. I 324) wohnt S. mit Semele (Semla) einer Liebesszene von Dionysos und Ariadne bei. Eine frührotfigurige Hydria aus Vulci (Furtwängler-Reichhold II 112 Taf. 82) zeigt zwischen Schwanz und Hinterbeinen des letzten von zwei einem Viergespann vorausgehenden Pferden das Wort 8., vielleicht als Namen des zweiten Vorreiters oder als Aufruf, der einem hinzugedachten Dritten gilt. S. deutet seiner Etymologie entsprechend (Boisacq Dict. Etym. 865. Prellwitz Etym. Wörterb.² 412) auf Stuimpfnäsigkeit. Diese Beschaffenheit galt den Alten als Zeichen frecher Sinnlichkeit (Arist. physiogn. 59 p. 811; weitere Belege bei Foerster Script. Physiogn. I, 1375. II 70. 153. 250 und Dieterich Pulcinella 35) oder, in mildester Auffassung, ausgelassene Lustigkeit. S. charakterisiert daher sowohl Satyrn als andererseits Delphine (Amelung Strena Helbig. 5. Stephani Gaz. Archeol. 1888, 206). G. A. Gerhard Phoinix v. Kolophon (Leipz. 1909) 154 weist auf die häufige Verbindung von Kahlheit und Stumpfnäsigkeit als Zeichen derber, lüsterner Natur. Es fragt sich, ob S. bei den Satyrn als allgemeine Gattungsbezeichnung oder als Individualname aufzufassen sei. Die Inschriften geben nichts an, das über ersteres hinausgeht, auch nicht für die weibliche Form Σίμη (s. d.). Ferner machen die vielen als bestimmte Namen verwendeten Derivaten - Σίμων (ungünstige Bedeutung seit Aristophanes Wolken 351. 399; vgl. Crusius Unters, z. d. Mimiamben d. Herondas 60), Σιμῖας (IGS 316), Σιμάδης, Σιμαιος (s. d.), Σῖμνλος, Σίμαλος (U se er Götternamen 353), ferner Fick-Bechtel Griech. Personennamen² 251. Bechtel Att. Frauennamen 42 - der Seltenheit von S. als unzweifelhaften Individualnamen gegenüber, wahrscheinlich, daß S. ursprünglich nur eine allgemeine, die aus der körperlichen Beschaffenheit hervorgehende Eigenart erklärende Bezeichnung der Dionysos-Gefährten war. während man zum Benennen von Personen durch auf σιμότης deutende Namen Ableitungen verwendete. Die besonders in Unteritalien beliebte komische Aufführung, die Simodie hieß, wurde von den Alten auf einen Dichter S. zurückgeführt, den Strabon sogar zu den γνώριμοι Μαγνήτες rechnete, Strab. XIV 41 p. 648. Athen. XIV 620 I). 321 C. So auch noch Crusius Philol. LV 383. Su semi hl Gesch. d. griech. Literal, i. d. Alexandrinerzeit I 328. Christ Gesch. d. griech. Literat.⁶ II 202. Dielerich Pulcinella 30. 34ff. hat jedoch dargetan, daß Simodie einen Spottgesang [201] von Satyrn bezeichne, deren das Äußere kennzeichnende Benennung die typische Andeutung abgegeben habe für das, was sie trieben, und für dessen volkskünstliche Darstellung.

[Gunning. ]