2) Athener, Sohn des Arizelos, Σφήττιος (Aischin. 1, arg. 1; 102. 104). Geboren nicht nach 391/90 v. Chr. Seine Eltern werden erwähnt Aischin. 1, 99. 102. 103. Demosth. XIX 283. 361/60 Ratsherr, als solcher angeblich des Unterschleifs schuldig; das Verfahren jedoch gegen ihn niedergeschlagen (Aischin. 1, 109. 110–112). Trotzdem gab es nach Aischines (106) kein Amt, das T. nicht verhältnismäßig früh bekleidet hätte, οὐδεμίαν λαχὼν οὐδὲ χειροτονηθείς: [1235] T. war Gesandter Athens εἰς τὴν Ἑλλάδα (Aischin. 1, 120; vgl. 20); ferner λογιστής, Mitglied der Oberrechnungsbehörde (107); ἦρξε ἐν Ἄνδρῳ (107); ἐξεταστὴς τῶν ἐν Ἐρετρίᾳ ξένων im J. 348 (113. Schäfer Demosth. II² 85); βουλευτής 347/46 (80). Nach Aischines hat T. alle diese Amter gewissen- und treulos verwaltet (z. B. Aischin. 1, 113: ἐξηλέγχθη κλέπτης ὤν. Vgl. Schäfer II² 335), ebenso soll er sich bei einer Musterung der Bürgerrollen ehrenrührig verhalten haben (Aischin. 1, 114f.). Als βουλευτής unter dem Archon Themistokles im J. 347/46 (Aischin. 1, 109 Schol.) hatte T. für Instandsetzung der Befestigungen Athens gegen König Philipp gesorgt und zur wirksamen Blockade der makedonischen Küste das Gesetz durchgesetzt τὸν ἐκφέροντα ὅπλα ἢ σκεύη τριηρικὰ πρὸς Φίλιππον θανάτῳ ζημιοῦσθαι (Aischin. 1, 80 und arg. 1. Demosth, XIX 285f. Schäfer II² 117. 335. 336, 5). Aischines (26) berichtet auch von einem Benehmen des T. in der Volksversammlung, das an Kleon erinnert habe: ῥίψας θοἰμάτιον γυμνὸς ἐπαγκρατίαζεν; ferner habe T. bei einem Vortrag über Ausbesserung der Mauern und Türme vor dem Volke nicht gut abgeschnitten. Der Areopag beurteilte des T. Beschluß περὶ τῶν οἰκήσεων τῶν ἐν τῇ Πυκνί nicht günstig und gab ihn dem Spottgelächter des Demos preis (Aischin. 1, 81. Schäfer II² 335). Demosthenes hielt es mit T.; denn er erwies sich als Bundesgenosse gegen König Philipp und klagte ebenfalls den Aischines περὶ παραπρεσβείας an, Sommer 346 (Demosth. XIX 1 arg. 1 und 2, 10 mit Schol. Aischin. 1 arg. 1. 3. 20. 119. 169). Blaß will beweisen, daß T. allein, von Demosthenes vorgeschoben, den Aischines angeklagt habe (Att. Bereds. III² 2, 194f. mit Anm. 1). Dem Prozeß suchte Aischines zuvorzukommen, indem er den T. auf Grund des Gesetzes der δοκιμασία ῥητόρων verklagte (345), daß jener παρὰ τοὺς νόμους δημηγορεῖ· οὐκ ἐξεῖναι γὰρ αὐτῷ δημηγορεῖν ἡταιρηκότι (Aischin. 1 arg. 1); als weiterer Anklagepunkt erscheint auch, daß Τ. τὰ πατρῷα κατεδήδοκε und den blinden Oheim vernachlässigt habe (Aischin. 1 arg. 2. 3. 42, 96–106. 116. 154. Schäfer II² 336, 4. 5). Über die einzelnen Beschuldigungen des Aischines gegen T.: Aischin. 1, 40ff. 121ff. 125ff. 152ff. 186. 189. 192. Demosthenes hebt hervor, daß Aischines für seine Anklagen keine Zeugen benannt habe (XIX 243); er beruft sich nur auf den üblen Leumund des T. und die Volksstimme (Aischin. 1, 44ff. 71–93. 160ff.). Es gab auch eine Rede des Aristogeiton gegen Τ.: Ἐπίτροπος αἱρεθεὶς Ἀριστογείτονος ἀντιειπόντος ἐκωλύθη (Suid. Sauppe Or. Att. II 310a. Blaß Att. Bereds. III² 2, 280. Schäfer II² 337, 2). Ebenso vgl. Sauppe Or. Att. II 339, ein Fragment aus einer Rede des Deinarchos gegen einen T., zweifelhaft, ob gegen denselben, der von Aischines angegriffen wurde (Blaß III² 2, 306 nr. 6). Als Verteidiger des T. werden Demosthenes (Aischin. 1, 166ff. 173), Hegesippos, Hegesandros (70) genannt (vgl. Blaß III² 2, 199. 200). Über die Berechtigung der Anklagen gegen T. ist keine Klarheit zu gewinnen; Blaß erklärt Aischines für einen Lügner und einen minderwertigen Charakter, dessen Anklagen gegen T. ganz unbegründet und unwahrscheinlich seien (III² 2, 169ff. Vgl. Demosth. [1236] XIX 120. 243). Vielleicht wurde T. zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt (ἠτιμώθη); eine Überlieferung sagt auch, daß er das Urteil nicht abgewartet habe und ἀπήγξατο: Aischin. 1 arg. 1 und 2. Demosth. XIX 241. 251. 284. arg. (334, 4. 338, 20). Plut. X orat. vit. 6, 18. Schäfer II² 342. — Ἀτίμαρχος genannt (Luc. Pseudolog. 27); durch ihre Unsittlichkeit berüchtigte Menschen hießen Τίμαρχοι und Τιμαρχώδεις (Aischin. 1 arg. und 157 mit Schol.), vgl. οἱ περὶ Τίμαρχον (Aischin. epist. 7, 3). — Vgl. Prosop. Att. 13636.