Romanze vom Recensenten


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Romanze vom Recensenten.

Recensent, der tapfre Ritter,
     Steigt zu Rosse, kühn und stolz;
     Ist's kein Hengst aus Andalusien,
     Ist es doch ein Bock von Holz.

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Statt des Schwerts, die scharfe Feder

     Zieht er kampfbereit vom Ohr,
     Schiebt, statt des Visiers, die Brille
     Den entbrannten Augen vor.
Publikum, die edle Dame,

10
     Schwebt in tausendfacher Noth

     [261] Seit ihr bald, barbarisch schnaubend,
     Ein Siegfried'scher Lindwurm droht,
Bald ein süßer Sonettiste
     Sie mit Lautenklimpern lockt,

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Bald ein Mönch ihr mystisch predigt,

     Daß ihr die Besinnung stockt.
Recensent, der tapfre Ritter,
     Hält sich gut im Drachenmord,
     Schlägt in Splitter alle Lauten,

20
     Stürzt den Mönch vom Kanzelbord.

Dennoch will er, groß bescheiden,
     Daß ihn niemand nennen soll,
     Und den Schild des Helden zeichnet
     Kaum ein Schriftzug, räthselvoll.
Recensent, du Hort des Schwachen,
     Sei uns immer treu und hold!
     Nimm zum Lohn des Himmels Segen,
     Des Verlegers Ehrensold!

Anmerkungen (Wikisource)

Das Gedicht erscheint - Otto Jahn, Ludwig Uhland, Bonn 1863, S. 226 zufolge - erstmals in der Gedichte-Ausgabe von 1815, S. 236.