S. G. V. Schneeberg, Ostern 1904 (Hygiene)
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Naht uns das schöne Osterfest,
Dann packt den Rektor Grausen;
Wenn er den Stundenplan stellt fest,
Mag ich bei ihm nicht hausen.
Wie viele Wünsche gibt es nur,
die er soll all erfüllen!
Doch von Erfüllung keine Spur –
Um der Hygiene willen.
Denn Turnen, Schreiben und Gesang
Mit Wissenschaft muß wechseln,
Und unerträglich wär’ der Zwang
Um 12 noch Geist zu drechseln;
Frühmorgens ist der Sinn noch stumpf,
Um 2 noch plenus venter,
Um fünfe wird die Luft schon dumpf:
Wann lernt man nun prudenter?
Doch endlich ist das Werk getan:
Der Schularzt gibt sein placet
Doch den Kollegen sieht man's an,
Daß keine Stund' recht jacet.
Doch hat der Lehrer noch ein Recht?
Er hat nur seine Stunden.
und wer nicht nach Hygiene frägt,
Der wird mit Grund geschunden.
Drum eh' du fängst die Stunde an,
Sieh nach dem Thermometer.
Zeigt der dir 17 Celsius an, –
Dann nimm den Hygrometer.
Den Sauer- und den Stockstoff miß,
Die Kohlensäur' nicht minder,
Die Lufterneurung nicht vergiß, –
Sonst kommt der Arzt dahinter!
Wenn dies nun alles ist bedacht't,
Dann falt getrost die Hände:
„Die Luft ist rein, Dank sei gebracht
Dem Herrn bis an mein Ende.“ –
Jetzt sieh dir deine Jungen an,
Befolg des Schularzts Weisung:
Zu enger Kragen angetan
Erschwert des Blutes Kreisung.
Auch nasse Füße dulde nie,
im Schrank gibt´s trockne Socken;
Die Schmutzigen, flugs wasche sie,
Die hungrig, speis mit Brocken.
Und wenn dir dann beim Unterricht
Ein Knäblein machet Späne,
Ach, schlage nie, auch zürne nicht,
Bedenke die Hygiene.
Und einmal kommt im Jahr der „Rat“
Zur schulhygienschen Prüfung;
Wer dann nicht klar bewiesen hat
Gesundheitspfleg-Vertiefung,
Erhält gewiß Gelegenheit
zum Kurs der Schulhygiene;
Und willst Du nicht, so sei bereit,
man macht Dir balde Beene.
Doch wohl dem, der mit Geist erfaßt,
Was jetzt die Mode liebet.
In Schul und Hause darauf paßt,
Daßh ygienisch man übet:
Theater, tanzen, alles treib’t
Nach der Gesundheitspflege;
Nur ernste Arbeit – unterbleib’–
Denn die ist der im Wege.
Drum auf, Kollegen, lernet fix,
Was die Hygien' gebietet,
Ob Sinn, ob Unsinn, s’ schadet nix.
Nur fest das Eisen schmiedet!
Denn sind wir hygiensch dressiert,
So kann uns niemand über, –
Und wer das Neue hat probiert,
Hat – dann das Alte lieber.