|[295]
§. 88.
Die elektrodynamische Elementar-Arbeit. Zwei constante lineäre Ströme.
Wir haben im §. 86 die Wechselwirkung zwischen zwei Magneten betrachtet. In §. 87 ist für den ersten Magnet ein constanter galvanischer Strom an die Stelle gesetzt. Man kann aber auch noch statt des andern Magnets einen constanten Strom nehmen. Dann handelt es sich um die Wechselwirkung zwischen zwei constanten Strömen. Insofern die dabei geleistete Arbeit zur Bewegung der Ströme mit den Stromleitern verbraucht wird, nennen wir die Wechselwirkung die elektrodynamische.
Es soll jetzt die Funktion
hergestellt werden, deren unendlich kleine Aenderung die elektrodynamische Elementar-Arbeit angibt, welche bei einer unendlich kleinen Verschiebung der beiden Ströme geleistet wird.
Wir können dabei von der Gleichung (2) des vorigen Paragraphen ausgehen, haben aber jetzt
als die Potentialfunction der magnetischen Kraft anzusehen, welche von einem lineären galvanischen Strome ausgeübt wird. Im Punkte
sind die Componenten dieser Kraft
| (1)
|
|
und es ist zu beachten, dass
überall ausserhalb des lineären Stromes, von dem sie herrühren, endlich und stetig variabel sind. Nun findet sich
|
|
|
und folglich kann man die Gleichung (2) des vorigen Paragraphen jetzt so schreiben:
|[296]
| (2)
|
|
Betrachtet man aber die beiden Seiten der Fläche
als einen Theil der Begrenzung des unendlichen Raumes (die übrige Begrenzung ist eine unendlich entfernte Kugelfläche), so kann man auf der positiven, wie auf der negativen Seite von
die Normale
nach dem Innern dieses Raumes hin ziehen. Auf der Seite der positiven
hat man
, auf der Seite der negativen
dagegen
. Die Gleichung (4) gibt demnach jetzt:
| (3)
|
|
wenn die Integration über beide Seiten der Fläche
ausgedehnt wird.
Dieses Integral lässt sich durch ein Raum-Integral, ersetzen. Bezeichnen wir nemlich mit
den unendlichen Raum, welcher eine unendlich entfernte Kugelfläche und die beiden Seiten der Fläche
zur Begrenzung hat, so findet sich nach §. 19 (4), dass das über den unendlichen Raum ausgedehnte Integral
|
|
|
gleich ist dem Oberflächen-Integral
|
|
|
wenn dieses über die beiden Seiten der Fläche
und über die unendlich ferne Kugelfläche erstreckt wird. Nun sind aber in unendlicher Entfernung sowohl
als
gleich Null. Das Integral über die Kugelfläche fällt also weg, und wir erhalten
| (4)
|
|
Die Integration in (4) ist über den ganzen unendlichen Raum auszudehnen.
Wir können noch weiter transformiren. Durch Ausführung der Differentiation ergibt sich nemlich
|[297]
|
|
|
Da aber
von einem lineären galvanischen Strome herrühren, so ist in dem ganzen unendlichen Raume ausserhalb des Stromleiters
|
|
|
Es ist ferner
die Potentialfunction der magnetischen Kraft, welche der erste lineäre galvanische Strom ausübt, folglich
|
|
|
Danach kann man statt der Gleichung (4) auch
| (5)
|
|
setzen, und das Integral erstreckt sich über den ganzen unendlichen Raum.