Sehnsucht (Lavant)

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Sehnsucht.
Von Rudolf Lavant.

     So seid ihr wieder da und tragt zu Neste,
Ihr kleinen, lieben Sänger leichtbeschwingt!
Die Knospe schwillt, gekost vom weichen Weste,
Und Alles blüht und duftet, klingt und singt.

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Es steht der Lenz auf der erstürmten Veste

Des grimmen Winters, siegesfreudig dringt
Zur höchsten Zinne leichten Schritts der Kühne
Und pflanzt sein Banner auf, das lichte, grüne.

     Und jedes Mal hat mich des Wunders Walten,

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Das spielend sich vollzog in Busch und Thal,

Minutenlang im Wahne festgehalten.
Du siehst das Alles jetzt zum ersten Mal.
Doch wenn vor all' dem Blühen und Entfalten
Der Wahn auch dies Mal sich ins Herz mir stahl,

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So muß ich doch zum ersten Male finden,

Mit ihm gemischt, ein bitter˶weh Empfinden.

     So lang ich jung, gesellte sich das Hoffen
Mir ganz von selber mit der Veilchen Hauch:
„Des letzten Kerkers Thore siehst du offen —

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Den Völkerfrühling, ihn erlebst du auch!"

Und war's auch niemals freundlich eingetroffen,
Wenn neu begrünt der winterkahle Strauch —
Es blieb in mir lebendig das Vertrauen,
Der Freiheit glühend Morgenroth zu schauen.

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     Nun geht's bergab. Nun frag' ich mich beklommen

Bei Lerchenlied und Frühlingssonnenschein:
„Gewiß, der große Freiheitstag wird kommen,
Doch wird für dich es dann zu spät nicht sein?
Gewiß, es wird der Bann von uns genommen

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Und alle Zwingburgmauern stürzen ein.

Gewiß, das Volk wird froh sein Haupt erheben,
Doch — darfst dabei du sein? Wirst du's erleben?"