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Und weiß nicht wo ich die Gedanken trug.
Gleich einer fremden Stimme sprach's aus mir:
„Bei Gott! bei Gott! bei Gott! der hat genug.“
Ob man's vernommen hat? ich glaub' es kaum;
Mich dünkt, gemurmelt hab' ich wie im Traum.
Ein Schimmer jetzt auf den Enthüllten fällt,
Auf Züge, edel doch gefällig nicht.
Dies Auge kalt und unbezwungen bricht
Da sich dem Tod' zum Kampf die Seele stellt.
Vor Grimm dies Antliz schien mir zu erbleichen
Um einen Gegner dem es jetzt muß weichen.
Kraftsammlung, tiefes Brüten, sollt' man glauben,
Bewegung ihm und Sprache müsse rauben;
Und drüber, wahrlich, noch ein Hauch sich rührt
Von dem was Herzen anlockt und verführt.
Ich sah wohl wie es mit uns zweien stand,
Mit mir und ihm, wir beid' an Grabes Rand,
Da hab' ich auch gefühlt zu diesem Mal,
Wie Todesangst in vollem Laube thut.
Man meint, am besten sey's so kurz und gut,
Bevor uns Krankheit Zoll um Zoll verzehrt;
Glaub mir, es ist 'ne wunderliche Wahl,
So um sich, neben sich kein Fußbreit Raum,
Und über'm Haupt an Einem Haar das Schwert.
Fürwahr die Zunge klebte mir am Gaum!
Vielleicht dem Fischer mag ich mich vergleichen,
Der sonder Nahrung im verschlag'nen Boot
Die Möve streifen sieht und an dem bleichen
Gewölk aufzucken ferner Blitze Roth,
Gleich nah dem Abgrund und dem Hungertod.
Annette von Droste-Hülshoff: Des Arztes Vermächtniß. J. G. Cotta, Stuttgart; Tübingen 1844, Seite 466. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anette_von_Droste-H%C3%BClshoff_-_Des_Arztes_Verm%C3%A4chtnis.pdf/10&oldid=- (Version vom 7.7.2025)