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Doch die Besinnung kehrte mir zum Heil,
Auch etwas Muth und eben List genug;
Ich konnte fragen in geschäft'ger Eil
Nach jener Waffe so die Wunde schlug.
Der Führer sprach – fürwahr, ich weiß nicht was.
Mein Blick hing an des Kranken Muskelspiel:
Die Lippe bebt, das Auge hat kein Ziel.
Auf seinen Busen legt' ich meine Hand,
Und fühlte wie der Herzschlag kam und schwand ,
In Stößen bald, dann wieder träg und laß;
Da grade ward das Eisen mir gereicht,
Ein Messer aus dem Küchenschrank vielleicht,
Mit einer Schling', es an die Wand zu hängen;
Das Ansehn einer Waffe hat's zumal,
Die man ergreift in Angst und Todesqual.
Ich fühlte wohl wie mein Gesicht erblich.
Und als der Klinge blutgefärbte Längen
Am Ermel auf und ab der Führer strich,
Und recht als ob ihn wilde Lust beschlich,
Nun spielend zuckt und ausholt gegen mich:
Es war mir doch als dringe ein der Stich.
Verbergen wollt' ich meiner Kniee Schwanken,
Und suchte nach des nächsten Schemels Halt,
Man sollte wähnen, sorglos, in Gedanken:
Da traf ich eine Hand, so feucht und kalt;
Doch jene nicht der kämpfenden Gestalt,
Nein, neben mir, daß Arm an Arm sich drücken,
Sitzt eine Frau, das Auge wie von Stein,
Auf Den gewendet, der dem öden Seyn,
Es scheint, mit sich zugleich sie wird entrücken.
Annette von Droste-Hülshoff: Des Arztes Vermächtniß. J. G. Cotta, Stuttgart; Tübingen 1844, Seite 467. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anette_von_Droste-H%C3%BClshoff_-_Des_Arztes_Verm%C3%A4chtnis.pdf/11&oldid=- (Version vom 7.7.2025)