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     Hier seht's: „Mir war nicht wohl, nun bin ich matt,
Fürwahr, fürwahr, und auch des Lebens satt.
Doch weiter – da du's wissen mußt, mein Sohn –
Naphta bekam der Kranke, sagt' ich schon;
Was soll man sonst in solcher Noth verschreiben?
Noch einmal wollt' ich künstlich Feuer treiben
Durch seine Adern, ob sich mir vielleicht
Indeß der Himmel weiß welch Ausweg zeig:
So jung noch sollt' ich in der Schlinge bleiben?
Ein junges Blut ist hoffnungsreich und leicht;
Ich gab ihm Naphta; bis die Wirkung kömmt
Laß ich verstohlen meine Blicke streifen;
Die Dämm'rung ferner nicht das Auge hemmt,
Es möchte jeden Gegenstand ergreifen.
Ich war in einem dunstigen Gemach,
Langsame Tropfen glitten von den Wänden;
Aufrecht gestellt träf' ich der Wölbung Dach;
Ob dies die Werke sind von Menschenhänden?
Zu schlecht zum Keller, und zu gut zum Stollen:
Was mögen diese langen Zapfen sollen?
Ich meinte Stalaktiten; in der That,
Die erste Höhle war's so ich betrat.
Und ring's, wie zu gemeiner Maskerade,
Hing's überall in schmußiger Parade:
Ein Bauernkittel: und ein Mönchsgewand
Soldatenkleider, Roßkamms langer Rock ,
Beim Judenbart des Aelplers Hakenstock,
Und gleich am Lager mir zur rechten Hand
Hier ein Gewehr von Damaskirung falb,
Ein andres dort, beschmutzt, zertrümmert halb.

Empfohlene Zitierweise:
Annette von Droste-Hülshoff: Des Arztes Vermächtniß. J. G. Cotta, Stuttgart; Tübingen 1844, Seite 469. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anette_von_Droste-H%C3%BClshoff_-_Des_Arztes_Verm%C3%A4chtnis.pdf/13&oldid=- (Version vom 7.7.2025)