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Dem Himmel zürnend, Andern, ihm und sich
Daß er's gewagt, daß er den Schlüssel fand,
Zum mindesten so wirkte sie auf mich.
Doch all mein Sinnen hielt sie so gebannt,
Um sie das Fest vor meinem Auge schwand;
Und als sie zeitig ging, da ging auch ich.
Drei Jahre waren hin seit dies geschah,
Und jetzt an sie mich mahnte was ich sah,
Wie Steingebilde über's Grab gestellt
An jenes mahnt was unter ihm zerfällt,
Wenn Seele fordernd stehn die Formen da.
– Es pickt der Fink am Auge regungslos,
Und ruhig wächst auf ihrem Haupt das Moos –
Nur wenig minder Todtes war mir nah.
Im dunklen Blick, so überreich gewesen,
Doch Eins noch war aus jener Zeit zu lesen:
Verhärtet Dulden – ob von Haß getrennt?
Zu tief versenkt lag's in dem tiefen Blau.
Ich sann, und daß ich's tat in dem Moment,
Bezeugt wie seltsam fesselnd diese Frau.

     Des Kranken Muskeln totenbleich erschlafft
Indeß hat aufgespannt des Aethers Kraft;
Nicht all so stier das Auge glänzte mehr,
Den Arm sah ich ihn heben minder fahl,
Das Haupt verrücken auch nach eigner Wahl,
Und Zeichen geben wie ihn dürste sehr.
„Wird's besser?“ sprach mein Führer, „kömmt er auf?“
Ich nickt'. Er gähnte, dehnte sich, stand auf
Und stapfte fort; die Freude schien nur klein,

Empfohlene Zitierweise:
Annette von Droste-Hülshoff: Des Arztes Vermächtniß. J. G. Cotta, Stuttgart; Tübingen 1844, Seite 472. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anette_von_Droste-H%C3%BClshoff_-_Des_Arztes_Verm%C3%A4chtnis.pdf/16&oldid=- (Version vom 7.7.2025)