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Und locker hier der Schlimmen Band zu seyn.
Mir war's wie ein Gewitter das verzog,
Als er so langsam um die Ecke bog
Und träge schob die langen Glieder vor.
Ich hört' ihn rauschen durch Gerüll und Sand,
Dann seitwärts, ferner dann, dann ging ein Thor;
Ich lauschte, lauschte, lauschte – Alles schwand.

     Und Muth nun, Muth! der Augenblick ist mein:
Ich muß ihn halten oder gehn verloren;
Noch einmal flammt, dann lischt das Meteor!
Ich war allein, mit jener Frau allein.
Sprach ich zu ihr? Sie blickte nicht empor,
Ihr Auge will sich in den Estrich bohren,
Kaum atmet sie; mir Alles deuten muß,
Auf Schweigens tief verhärteten Entschluß.
Ob sie mich sieht? Sie scheint betäubt zu sein,
Und „Hört mich schöne Frau!“ Sie regt sich – nein.
Und wieder „Hört mich schöne Frau!“ Sie schweigt.
Ganz sacht erheb' ich mich – was rauscht, was steigt
Im Winkel dort? Ein Fleck, ein Schatten, ha!
Nun rückt es vor – und nun, nun steht es da!

     Ungern gedenk' ich deß, den du wohl weißt,
Des Dunklen, der allnächtlich mich umkreist,
Auf meine Scheitel legt die heiße Hand,
Ungern gedenk' ich deß, der vor mir stand.
Ihn zu beschreiben, unnütz wär's und kühn.
Du willst mir's hehlen, Sohn! doch sahst du ihn,
Als lang und bleich zu deinem Bett er trat;

Empfohlene Zitierweise:
Annette von Droste-Hülshoff: Des Arztes Vermächtniß. J. G. Cotta, Stuttgart; Tübingen 1844, Seite 473. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anette_von_Droste-H%C3%BClshoff_-_Des_Arztes_Verm%C3%A4chtnis.pdf/17&oldid=- (Version vom 8.7.2025)