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Er rührte dich, du zucktest wie gebrannt,
Du zucktest, ja du zucktest in der That,
Und seufzen hört' ich dich in jener Nacht;
Mich schlafend meintest du? Ich hab' gewacht!
Ob nicht ein Sternbild seine Augen scheinen,
Das über Klippen steht und dürren Hainen?
Die Wimper schattet seiner Züge Bau,
Wie über's Leichenfeld sich senkt der Tau:
Was er verbrach, Gott mög' ihm gnädig seyn!
Und Eine That, der mög' er ledig seyn!
In dieser Brust wohl keimte gute Saat,
Ob mir's verborgen blieb was sie zertrat.
Ich sprach zu ihm, nicht nur was ich beschloß,
Geheimes selbst mir von den Lippen floß:
Ein Pilger, der, in Räuberhand gefallen,
Hört plötzlich nahe Wanderlieder schallen,
Dünkt minder sich des Nahenden Genoß.
Seltsam gewiß, wie ich so ganz vergaß
Daß er im blut'gen Rath mit jenen saß.
Ich ward gehört, und ob kein Wort er sprach,
Nur tiefer legte seiner Wimper Haag
Sein Schweigen selber meine Zweifel brach.
Was dann dem Kranken er geflüstert hat,
Erwiedert dieser auch mit Zeichen matt:
Nur wenig Laute kamen an mein Ohr;
Einmal der Wunde zuckte doch empor,
Die wilde Fassung , so sein Antlitz sprach,
Doch unwillkührlich sich in Schauder brach,
Und noch zu bergen sah ich ihn bedacht,
Annette von Droste-Hülshoff: Des Arztes Vermächtniß. J. G. Cotta, Stuttgart; Tübingen 1844, Seite 474. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anette_von_Droste-H%C3%BClshoff_-_Des_Arztes_Verm%C3%A4chtnis.pdf/18&oldid=- (Version vom 8.7.2025)