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Durchaus nicht, wie du denken magst, erschüttert,
Nein, gleich dem Kranken, wenn nach Fiebers Wuth
Ihm schlafend durch die Adern schleicht das Blut,
Nur vor Ermattung jede Muskel zittert.
So träumte und so schlief ich halb voran,
Folgt' einem Pfade, einem andern dann,
Sah endlich auf und stand in Waldes Bann.
Ob schon so weit ich mich bereits verirrt,
So stumpf mein Sinn in diesem Augenblick?
Genug, ich ging und ging, und immer wirrt.
Der Pfad sich tiefer in den Hain zurück.
Wie lang' ich so getappt die Kreuz und Quer,
Durch Dornen mich und durch Gestrippe schlug,
Bald Pfaden folgte, bald dem Ungefähr,
Und jeder Schritt mir üble Früchte trug:
Nicht meld' ich's lang, der Weg war schlimm genug,
Von oben dunkel und am Grunde wüst.
Manch' Vogel strich vom Lager mit Geschwirr,
Unsichtbar aus der Luft die Eule grüßt,
Doch ließ mich träg' und dämmrig das Gewirr,
Ich ging ja ungefährdet, ob auch irr.
Mich dünkt in dieser Stunde litt mein Hirn,
Brand und Gekrimmel fühlt' ich in der Stirn.
Gesumme hört' ich wie von fernen Glocken,
Und wie am Auge schossen Feuerflocken;
Einmal gefallen, blieb ich liegen gar,
Ließ mich geduldig von den Ranken tragen
Und mein Gesicht Gezweig' und Blätter schlagen
Und nahm von allem dem nur wenig wahr.
Annette von Droste-Hülshoff: Des Arztes Vermächtniß. J. G. Cotta, Stuttgart; Tübingen 1844, Seite 481. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anette_von_Droste-H%C3%BClshoff_-_Des_Arztes_Verm%C3%A4chtnis.pdf/25&oldid=- (Version vom 9.7.2025)