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Verwirrung hatte mich betäubt, zum Heil,
Sonst hätt’ ich mich gefürchtet, als so steil
Pfadlosen Weg betrat des Thieres Fuß,
Wo ich nur klammernd mich erhalten muß
An seine Mähne mein Gesicht gelegt,
Daß mir des Thieres Schweiß vom Kinne rann.
Ich hörte wie, von seinem Huf geregt,
Des Weges Steine langsam rollten, dann
Von Klipp’ zu Klippe sprangen, bis zuletzt
Der Schall im Nachhall schwand. Ich hörte jetzt
Ob meinem Haupt die Wasser niederrauschen,
Daß zarter Regen mein Gesicht benetzt.
Oft warnte eine Stimme mich in Hast:
„Dich vorgebückt!“ und über meinem Nacken
Strich sich ein breiter Ast mit trägem Knacken.
Entferntem Knalle glaubt’ ich oft zu lauschen,
Der Boden einmal klang wie Estrich fast;
Was weiß ich, meine Phantasie war reg’; –
Doch immer seltsam blieb und schlimm der Weg.
So öde war mein Hirn, gedankenleer,
Die Zügel ließ ich, oft dem Falle nah,
Dann wieder kehrte das Bewußtseyn schwer.
Mit angeklemmten Gliedern saß ich da
Und log, von Sorge überschlau gemacht,
Ein heitres Angesicht der finstern Nacht.
Wie lange so, vermag ich nicht zu sagen.
Mir ist wie dem der aus dem Schlaf erwacht:
Ihm scheint’s vom Abend ein Moment zum Tagen,
Doch blieb ihm das Gefühl entschwundner Zeit,
Und öfters über’s Ziel ihn führend weit,
Annette von Droste-Hülshoff: Des Arztes Vermächtniß. J. G. Cotta, Stuttgart; Tübingen 1844, Seite 463. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anette_von_Droste-H%C3%BClshoff_-_Des_Arztes_Verm%C3%A4chtnis.pdf/7&oldid=- (Version vom 26.5.2025)