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Daß er die Sonne sucht um Mitternacht.
Ja! sinn' ich was noch all sich zugetragen
Bevor es tagte, hat die Fahrt wohl kaum
Gefüllt auf's längste einer Stunde Raum.
Dann stand das Thier, und Arme fühlt' ich wieder;
Nun schwebt' ich in der Luft, nun ließ mich's nieder;
Und tiefer in die Brust der Athem glitt,
Als Grund, als festen Grund mein Fuß beschritt.
Voll Schwindel war ich, halb bewußtlos noch,
So griff ich nach der Binde; hastig doch
Mich faßte eine Hand, die war so stark,
Der leichte Druck mir rieselte in's Mark.
Und weiter, weiter durch bethautes Kraut;
Man wandre rechts und links und sucht' zu meiden,
Was, weiß ich nicht ; doch konnt' ich unterscheiden
Im Gras verstreuten Schutt, hier ward gebaut.
Dann Stufen ging's hinunter, seltsam hallend,
Und immer tiefer, eine lange Reih'.
Ich stützte mich auf Mauern, morsch, zerfallend,
Hier klang der Athemzug, ein halber Schrei;
Zur Seite hör' ich's tröpfeln, wie vom Regen –
Ich räuspre – und es schmettert mir entgegen –
Des Kleides Reibung flüstert am Gestein –
Dies mußt' ein lang und tief Gewölbe seyn.
Vor Allem seltsam war's, als, unterm Grund
Auftauchend, Schritte rechts sich gaben kund.
Wie Schmiedehämmer pocht es um und neben;
Die eingepreßte Luft, es trog mich nicht,
Ich fühlte um Gesicht und Brust sie beben.
Annette von Droste-Hülshoff: Des Arztes Vermächtniß. J. G. Cotta, Stuttgart; Tübingen 1844, Seite 464. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anette_von_Droste-H%C3%BClshoff_-_Des_Arztes_Verm%C3%A4chtnis.pdf/8&oldid=- (Version vom 7.7.2025)