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auf ihre Seele, die Geschichte wird sie richten, streng aber gerecht!“ Im zweiten Theile dieser Schrift wird endlich auf diejenigen Männer aufmerksam gemacht, welche vorzüglich geeignet sind, als unabhängig, freisinnig und tüchtig ihre Wahlbezirke zu vertreten und heben wir daraus hervor: Ein weiter zu nennender Wahlbezirk ist der 19., aus den Städten Baußen, Camenz, Pulsniß, Elstra und Königsbrück bestehend. Bisher war dieser Bezirk vom Justizamtmann Hensel zu Camenz, dem Bruder des Radicalen Adolph Hensel in Zittau, freisinnig vertreten. Aber wahrscheinlich hat derselbe Erfahrungen gemacht über die Unabhängigkeit der Beamten, welche ihm die Abgeordneten - Wirksamkeit verleidet haben; er mag nicht mehr in die Kammer. - Seine Stelle würde der Bürgermeister Haberkorn von Camenz nicht nur ersehen, sondern es steht demselben sogar eine große Entschiedenheit der Gesinnung, ein fester und ehrenwerther Charakter zur Seite. Er wird jedenfalls immer mit den entschieden Liberalen stimmen. Als Stellvertreter würde Advokat Tzschirner in Bautzen Beachtung verdienen; er hat sich als Stadtverordneter nicht nur in kurzer Zeit große Anerkennung erworben, sondern er hat dort den günstigsten Einfluß ausgeübt.“ –

Der König hat dem Justizminister Dr. Braun den Vorsitz im Gesammtministerium übertragen und den Grafen Holzendorff, früher Commandant in Leipzig und als Bürgerfreund beliebt, zum Kriegsminister ernannt. Als Candidaten zum Cultusministerium nennt man den Abg. Oberländer. –

Die in Leipzig am 12. d. stattgehabte Versammlung der Liberalen Sachsens war zahlreich besucht. Zuerst beschäftigte man sich mit Aufstellung eines Programms der Volkswünsche – sämmtlich die, welche in den verschiedenen Adressen enthalten und die bereits mehrentheils durch die Zusicherungen des neuen Ministeriums erledigt worden. Der andere Gegenstand der Berathung war: die Beschickung der auf die nächste Zeit anberaumten Zusammenkunft von Vertretern der verschiedenen deutschen Länder zu Frankfurt a. M., Behufs der weiteren Ausführung der entworfenen Grundzüge eines deutschen Parlaments. Dazu ward von der Versammlung Blum und Biedermann gewählt, und da der erstere ablehnte, trat an seine Stelle der Abgeordnete Todt.

In Leipzig fand am 17. d. nach Eingang der Nachricht über das neue Ministerium allgemeine Illumination statt; in Dresden wird Mittwoch, den 22. illuminirt, an welchem Tage die Beeidigung des Militairs auf die Verfassung erfolgt.

Bedeutende Volksversammlungen hatten in Zwickau, Chemnitz, Crimmitschau etc. statt, bei denen es mehr oder minder scharf herging; jetzt hat sich Alles wieder beruhigt und jubelt über das neue Ministerium, worein man noch den Abg. Todt haben möchte.

In Leipzig wurde am Abend des 18. Márz im Odeon eine „Arbeiterversammlung“ gehalten. Sie war sehr zahlreich besucht. Ein Schriftsetzer, Herr Skrobeck entwickelte in långerer Rede die wichtigen Folgen der jetzigen Bewegung für den Arbeiterstand, wies nach, wie es jetzt erst, unter den Zuständen der Freiheit, möglich sey, die Stellung der Arbeiter im Staat zu besprechen und eine Verbesserung ihrer Lage zu erstreben, wünschte die Bildung eines Gesellenvereins zu weiterer Ausbildung der Gesellen, mit Hülfs- und Krankenkassen u. dergl., und schlug schließlich eine Petition an das Gesammtministerium vor, in einem der Ministerien der Finanzen oder des Innern einen Rath als Vertreter der arbeitenden Klassen zu ernennen, der das Land bereise und aus dem Munde der Arbeiter und Arbeitercomité’s sich über die Arbeiterzustände vergewissere. Nicht allein dieser Sprecher, sondern auch alle andern Arbeiter, die nach ihm sprachen, erklärten sich auf das Entschiedenste gegen den Communismus, und ermahnten namentlich auch dazu, durch eine ruhige, würdige Haltung die Befürchtungen niederzuschlagen, als herrsche in diesen Klassen ein gewaltthätiger, gegen die Mittelklassen feindlicher Sinn. Da die zweite Abtheilung des Kunst- und Gewerbevereins meist aus Gesellen besteht, so schlug man vor, diesem Ver- eine beizutreten, die Petition aber soll öffentlich ausgelegt werden. Durch die musterhafte

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Krausche, Carl Samuel: Camenzer Wochenschrift, 23. März 1848. C. S. Krausche, Kamenz 23. März 1848, Seite 2. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Camenzer_Wochenschrift_1848-03-23.pdf/2&oldid=- (Version vom 24.7.2025)