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und das Tribunal der öffentlichen Meinung. Weiter sprach Kragrügge: „wie er stets gestrebt habe, in alle Theile der Gemeindeverwaltung den Fortschritt einzuführen, weil ihm die Städteordnung mit ihren demokratischen Elementen stets als die Grundlage aller politischen Fortbildung erschienen sey. Ihre Gegner seyen nur die Gemächlichkeit, der Schlafrock und die Schreibstube. Er sey nicht wegen Beleidigung gegen das gräßliche Elternpaar, welches seine Tochter noch umgebracht hätte, wäre er nicht wie ein retten der Engel dazwischen getreten, nicht wegen der Injurie im Zuchthaus gewesen, (bekanntlich ward als Vorwand seiner Verhaftung angegeben, er habe den Hrn. v. Ehrenberg in Erfurt der unmenschlichen Mißhandlung seiner Tochter fälschlich beschuldigt, was jedoch leider nur zu wahr ist), sondern man habe das Gesetz bloß als Mittel benutzt, um seine Tendenzen zu knechten, denn es sey ihm Begnadigung versprochen worden, wenn er seine politischen Meinungen ändere.“ Beim Schluß des Festes ward eine Sammlung für die nach Frankfurt zu Constituirung eines deutschen Parlaments abzusendenden Männer: Blum, Todt und Biedermann, veranstaltet. Zu gleichem Zweck wird in vielen Städten Sachsens gesammelt, so auch bei uns in Camenz, und wünschen wir dazu guten Erfolg!

In der Sitzung der Stadtverordneten zu Zittau am 21. März ward der Beschluß gefaßt „auf sämmtlichen zu Zittau gehörigen Dorfschaften in diesem Jahre keinen Stuhlzins zu erheben, auch den Webern sämmtliche Reste (ungefähr 3000 Thlr.) zu erlassen.“ An demselben Tage ward noch in einer Sizzung des Stadtraths und der Stadtverordneten beschlossen, für alle Zukunft keinen Stuhlzins mehr zu fordern, welcher Beschluß auch vom Bürgerausschuß bestätigt ward. Dieser Stuhlzins hat jährlich 1400 Thlr. betragen und kann also das Kapital, was Zittau zum Besten der Weber hergab, auf mindestens 30,000 Thlr. veranschlagt werden. Ferner beschlossen sämmtliche Corporationen, daß künftig die Commun bei Ablösung der Lehnwaare sämmtlichen Verpflichteten zugestehen wolle, nur 2 Veränderungsfälle für das Jahrhundert zu berechnen, während früher die Stadtkommun auf 3 Veränderungen bestand. Dadurch werden Hunderte von Prozessen im Keime erstickt und den Landgemeinden die Möglichkeit gewährt, ohne commissarische Erörterungen und Kosten für ein sehr geringes Kapital von der jetzt so lastig erscheinenden Verpflichtung befreit zu werden. Der Kapitalwerth dieses Zugeständisses ist eben so hoch anzuschlagen, wie der obige. Die Stadt Zittau, eine der größten Rittergutsbesitzerinnen Sachſens, hat hierdurch thatsächlich bewiesen, daß sie schnell den Geist der Zeit aufzufassen verstand. – Uebrigens waren bis 26. März, wo ein Bataillon vom Regiment Mar eintraf, keine Unruhen vorgekommen und sind die Zittauer auf alle Fälle wohlgerüstet.

Deutschland. Der König von Preußen ist bekanntlich gezwungen worden, um den Thron zu retten, alle Forderungen des Volkes gut zu heißen, er will aber noch mehr thun: er will sich „zur Rettung Deutschlands an die Spitze des Gesammtvaterlands stellen,“ wie er in einer seiner aus schönen Worten zusammengesetzten Proklamationen sagt. Ferner eröffnet er in einer Rede an das Volk, wobei er mit den deutschen Farben geschmückt, erschien: „Ich trage Farben, die nicht mein sind, aber ich will damit Nichts usurpiren, ich will keine Krone, keine Herrschaft, ich will Deutschlands Freiheit, Deutschlands Einigkeit, ich will Ordnung, das schwöre ich zu Gott. Ich habe nur gethan, was in der deutschen Geschichte schon oft geschehen ist, daß mächtige Fürsten und Herzöge, wenn die Ordnung niedergetreten war, das Banner ergriffen und sich an die Spitze des ganzen Volkes gestellt haben, und ich glaube, daß die Herzen der Fürsten mir entgegenschlagen und der Wille des Volkes mich unterstützen werden.“ Die Presse hat seit Wochen den König von Preußen aufgefordert, diesen Schritt zu thun, es wurde mit Kartätschen geantwortet, nun wird es nicht Wunder nehmen, wenn diese an die verhängnißvollen Worte: Es ist zu spät! erinnert, und wenn die Berliner jauchzen, so theilt das übrige Deutschland keineswegs diese Begeisterung, die vor dem

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Krausche, Carl Samuel: Camenzer Wochenschrift, 30. März 1848. C. S. Krausche, Kamenz 30. März 1848, Seite 2. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Camenzer_Wochenschrift_1848-03-30.pdf/2&oldid=- (Version vom 25.7.2025)