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sich erdreisten, seine Sache vorzutragen, und zwar ein wenig nach ihrer Weise.
     Nur die genetische Erklärung aus der innersten Organisation des menschlichen Wesens heraus, — das weiss er wol — vermag den Anhalt zu liefern, dessen wir zum Verständnis der mannichfaltigen Entwicklung bedürfen, und wahrhaft befriedigen wird nur ein Ansatz, der aus der ganzen Natur unserer psychischen Anlage wie mit Notwendigkeit hervortritt, sei es auch lange ohne Bewusstsein von der Tragweite und Ausbildungsfähigkeit des ersten „instinktiven“ Tuns. Angesichts einer so hochgesteigerten Baukunst, wie die gewaltige Reihe vorhandener Denkmale sie vor Augen stellt, wird es schwer, uns zu ihren Anfängen zurückzudenken, und aus dem Reichtum der abgeleiteten, übertragenen, fast nirgends mehr ursprünglichen Erscheinungen den einfachen Kern herauszuschälen, von dem die Betätigung des Menschengeistes ausgegangen, oder in unserm Bewusstsein selbst einen festen Fusspunkt zu gewinnen, wo die Untersuchung einsetzen darf.


     Was steckt in dieser Aula der Universität, in der wir versammelt sind, ebenso wie in der Klause des Gelehrten, der einsiedlerisch seinen Gedanken lebt? Was hat der Sitz des Reichsgerichtes drüben mit dem Konzerthaus oder der Bibliothek daneben, mit dem Pantheon in Rom und dem Dom zu Köln, mit der Schneehütte des Eskimo und dem Zelt des Nomaden gemein? — Wo liegt die Einheit der schöpferischen Tätigkeit, der sie alle entsprungen sind und noch entspringen?

Empfohlene Zitierweise:
August Schmarsow: Das Wesen der architektonischen Schöpfung. Karl W. Hiersemann, Leipzig 1894, Seite 10. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Wesen_der_Architektonischen_Sch%C3%B6pfung.pdf/14&oldid=- (Version vom 23.8.2025)