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     Ein genialer Architekt wie Gottfried Semper, der die Hochschule in Zürich und das Hoftheater in Dresden erbaut hat, lehnt eine solche Zusammenfassung des Niedrigsten mit dem Höchsten einfach ab.[1] Die Hütte des Karaiben , meint er, habe nichts mit der Architektur als Kunst gemein, und könne unsere Aufmerksamkeit nur als höchst elementares Schema der Dachkonstruktion in Verbindung mit Matten als dem Elementarschema für vertikale Teilung beschäftigen. Unseres Erachtens wäre ein solcher Abweis der Frage ebenso unhistorisch wie unphilosophisch; denn der Entwicklungsgeschichte der Architektur gehört auch der primitivste Bau ebenso an, wie das Reichstagsgebäude, dem wir mit den höchsten, Anforderungen an vollendete Kunst gegenübertreten. Und das Wegwerfen jeder Vergleichung schüttet das Kind mit dem Bade aus. Sollte der Monumentalpalast eines Sultans wirklich nichts mehr von dem innersten Wesen mit dem flüchtig aufgeschlagenen Zelt seines Stammvaters gemein haben?
      Es fragt sich, ob eine leicht gefügte, nur für kurze Dauer aufgeführte Schöpfung nicht den selben Kern enthalte wie der dauerhafteste Bau aus festem und kostbarem Material? Die Folgerichtigkeit der Konstruktion, die Gliederung aller Teile, die Ausgestaltung aller Einzelformen in dem Letzteren mag eine viel mannichfaltigere aesthetische Befriedigung gewähren; aber das Eine, was Not tut, mag auch im Ersteren vorhanden sein. — Es fragt sich ferner, wie viel in architektonischen Zeichnungen, Plänen, Aufrissen, Durchschnitten und Ansichten verschiedener Art vom ursprünglichen Wesen der architektonischen

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August Schmarsow: Das Wesen der architektonischen Schöpfung. Karl W. Hiersemann, Leipzig 1894, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Wesen_der_Architektonischen_Sch%C3%B6pfung.pdf/15&oldid=- (Version vom 23.8.2025)
  1. Gottfr. Semper, Kl. Schriften. Berlin 1884. S. 294.